Berlinale 2014 Goldener Bär für Film aus China

Der begehrte Hauptpreis auf der Berlinale ist vergeben: Der Goldene Bär geht an den chinesischen Krimi "Bai Ri Yan Huo" (Schwarze Kohle, dünnes Eis). Das deutsche Geschwisterpaar Anna und Dietrich Brüggemann gewinnt mit "Kreuzweg" einen Silbernen Bären für das beste Drehbuch.


Berlin - China hat den Goldenen Bären bei der 64. Berlinale gewonnen. Der Preis für den besten Film bei den Internationalen Filmfestspielen ging an den Krimi "Bai Ri Yan Huo" (Schwarze Kohle, dünnes Eis) von Yinan Diao. Der Film um die Aufklärung mehrerer brutaler Morde ist ein düsteres Puzzle aus Liebe, Rache und sexueller Gier in einer Gesellschaft ohne Moral.

Auch aus deutscher Sicht gibt es Grund zur Freude: Die Geschwister Anna und Dietrich Brüggemann wurden mit dem Silbernen Bären für das beste Drehbuch geehrt. Ihr Drama "Kreuzweg" erzählt von einem 14-jährigen Mädchen, das an seinem strengen katholischen Glauben zerbricht. Der Film war einer von vier deutschen Beiträgen im Wettbewerb des Berliner Filmfestivals. "Kreuzweg" erhielt außerdem den Preis der Ökumenischen Jury.

Chinesische Filmemacher erhielten insgesamt drei der begehrten Bären: Der 40-jährige Fan Liao, Hauptdarsteller der im Stil des Film noir gedrehten Detektivstory "Bai Ri Yan Huo", wurde auch als bester Schauspieler geehrt.

Der Goldene Bär war zuletzt im Jahr 2007 mit "Tuyas Hochzeit" von Wang Quan'an an einen chinesischen Film vergeben worden. Auch der Preis für die beste Kamera ging in diesem Jahr nach China: Jian Zeng erhielt den Preis für seine Bilder zu dem Drama "Tui Na" ("Blinde Massage").

Den Silbernen Bären als beste Schauspielerin erhielt im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz die 23-jährige Japanerin Haru Kuroki für ihre Rolle eines Dienstmädchens in "Chiisai Ouchi" (Das kleine Haus) von Yoji Yamada.

Mit der wichtigsten Festivaltrophäe für "Bai Ri Yan Huo" entschied sich die Jury, in der auch der zweifache Oscar-Preisträger Christoph Waltz und " James Bond"-Produzentin Barbara Broccoli saßen, gegen den Favoriten von Publikum und Kritik: Erklärter Liebling der Festivalbesucher war Richard Linklaters Drama "Boyhood". Der US-Amerikaner wurde für sein Langzeit-Spielfilmprojekt über einen heranwachsenden Jungen aus Texas immerhin mit dem Preis für die beste Regie geehrt.

Der Große Preis der Jury ging an Wes Andersons "Grand Budapest Hotel". Die Komödie mit Stars wie Ralph Fiennes, Willem Dafoe und Tilda Swinton hatte das elftägige Festival eröffnet. Auch der 91-jährige französische Regie-Altmeister Alain Resnais bekam eine Ehrung. Seine Komödie "Aimer, boire et chanter" (Lieben, Trinken und Singen) wurde mit dem Alfred-Bauer-Preis ausgezeichnet, benannt nach dem ersten Berlinale-Direktor.

20 Filme konkurrierten im Wettbewerbsprogramm der Internationalen Filmfestspiele um den Goldenen Bären.

Die Auszeichnungen im Überblick:

Goldener Bär für den besten Film: "Bai Ri Yan Huo" (Schwarze Kohle, dünnes Eis) von Yinan Diao (China)

Silberner Bär/Großer Preis der Jury: "Grand Budapest Hotel" von Wes Anderson (USA)

Silberner Bär für die beste Regie: Richard Linklater für "Boyhood" (USA)

Silberner Bär für die beste Darstellerin: Haru Kuroki in "Chiisai Ouchi" (Das kleine Haus) von Yoji Yamada (Japan)

Silberner Bär für den besten Darsteller: Fan Liao in "Bai Ri Yan Huo" (Schwarze Kohle, dünnes Eis) von Yinan Diao (China)

Silberner Bär für eine herausragende künstlerische Leistung: Jian Zeng - Kamera in "Tui Na" (Blinde Massage) von Ye Lou

Silberner Bär für das beste Drehbuch: Anna und Dietrich Brüggemann (Deutschland) für "Kreuzweg"

Alfred-Bauer-Preis: "Aimer, boire et chanter" (Lieben, Trinken und Singen) von Alain Resnais (Frankreich)

Goldener Bär für den besten Kurzfilm: "Tant qu'il nous reste des fusils à pompe" (Solange uns Pumpguns bleiben) von Caroline Poggi und Jonathan Vinel

Silberner Bär für den besten Kurzfilm: "Laborat" von Guillaume Cailleau

Bester Erstlingsfilm: "Güeros" von Alonso Ruizpalacios

cib/kha/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
redbayer 15.02.2014
1. Die deutsche Berlinade
will sich halt bei den Chinesen einschleimen, wie sie es am Anfang der Zeit auch mit Hollywood gemacht hat. Wenn man Preise verleiht und seien sie noch so windig, macht man eben auf sich aufmerksam. Das steigert das deutsche Selbstwertgefühl und dafür ist ja die Berlinade geschaffen worden.
lutscherwegnehmer 15.02.2014
2. Berlin, Berlin, wir fahren nach... woanders
Peinlich... jetzt diskreditiert sich 'das größte Filmfest der Welt' völlig! Seit dem Oscarregen für Chicago habe ich keine 'hinternkriechendere', peinliche Wahl mehr gesehen... Schade, so viel zur Glaubwürdigkeit!
vogel0815 15.02.2014
3.
Zitat von redbayerwill sich halt bei den Chinesen einschleimen, wie sie es am Anfang der Zeit auch mit Hollywood gemacht hat. Wenn man Preise verleiht und seien sie noch so windig, macht man eben auf sich aufmerksam. Das steigert das deutsche Selbstwertgefühl und dafür ist ja die Berlinade geschaffen worden.
Das hat ja wohl nix mit Berlinale zu tun. Das ist schlicht deutsche Mentalität.
Guderian 15.02.2014
4.
Hier machen sich wieder einige zu Deppen, die noch nicht begriffen haben, dass die Preise auf der Berlinale von einer unabhängigen internationalen Jury aus Filmschaffenden vergeben werden. Eben das macht den Wert des Gewinn eines Goldenen Bären aus, dass er nicht von kleinlichen Nationalismen abhängig ist. Der Oscar für den Besten Film des Jahres wird immer an einen amerikanischen Film gehen.
kupke.se 15.02.2014
5.
@Gideroan Seit wann ist "The Artist" ein amerikanischer Film? Außerdem gibt es ja dafür die Rubrik "Bester fremdsprachiger Film".
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