Auftakt zur Berlinale "Macht und Angst waren viel zu lange stille Komplizen"

Großes Kino in Berlin: Die 68. Internationalen Filmfestspiele gehen los. Beherrschendes Thema sind die #MeToo-Debatte und der Missbrauchsskandal um Harvey Weinstein.

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Die Berlinale ist mit einem Aufruf zur Gleichberechtigung gestartet. Stars wie Helen Mirren, Tilda Swinton, Greta Gerwig, Bill Murray und Jurypräsident Tom Tykwer kamen zur Eröffnung. Die Highlights der Filmfestspiele finden Sie hier.

Beherrschendes Thema ist die #MeToo-Debatte über Missbrauch in der Filmbranche. Kino könne Rollen- und Weltbilder ins Wanken bringen, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) bei der Gala. "Umso bitterer, dass Frauen im Filmgeschäft vielfach bis heute in Rollen gedrängt werden, die sie nicht spielen wollen - und dass wir deshalb seit Wochen mehr über Männer reden, die nur einen Bademantel anhaben, als über Frauen, die die Hosen anhaben."

Grütters spielte damit etwa auf den US-Produzenten Harvey Weinstein an, dem mehrere Frauen sexuelle Gewalt vorwerfen. Die Vorwürfe lösten die weltweite Debatte unter dem Schlagwort #MeToo aus. Die deutsche Film- und Fernsehbranche kündigte an, eine Beschwerdestelle gegen Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe zu gründen. Grütters will den Aufbau des Projekts mit 100.000 Euro unterstützen. Macht und Angst seien viel zu lange stille Komplizen gewesen, sagte sie.

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Berlinale 2018: Großes Kino in Berlin

In Hollywood trugen Frauen bei der Verleihung der Golden Globes zuletzt kollektiv Schwarz als Protestzeichen. Das war in Berlin anders. Das Festival verzichtete auch darauf, den roten Teppich durch einen schwarzen zu ersetzen, wie es eine Online-Petition gefordert hatte.

"Steinmeier - der ist so gut drauf"

Es komme darauf an, wie man sich verhalte - nicht darauf, welchen Stoff man anhabe oder über welchen Stoff man gehe, sagte Komikerin Anke Engelke, die durch die Eröffnungsgala führte. Diesmal machte sie Witze über Justizminister Heiko Maas (SPD), der mit Schauspielerin Natalia Wörner gekommen war. Die beiden sind ein Paar.

"Der darf heute seine Partnerin zur Arbeit begleiten. Und sich mal ein bisschen fühlen wie so ein Schauspieler", sagte Engelke. "Mal so ein bisschen schnuppern und nicht genau wissen, welche Rolle spiele ich demnächst." In Richtung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte Engelke: "Der ist so gut drauf. Selten waren Sie glücklicher, nicht aktives SPD-Mitglied sein zu müssen, oder?"

Festivaldirektor Dieter Kosslick machte sich in seiner Rede für den Journalisten Deniz Yücel stark, der seit einem Jahr in der Türkei in Haft sitzt. Kosslick erinnerte zur Eröffnung der Filmfestspiele auch an den inhaftierten ukrainischen Regisseur Oleg Senzow: "Ich hoffe, wir können erreichen, dass sie bald frei sein werden."

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte bei der Gala: "Wir sollten in einer Welt leben, in der die Grenzen des Gegenübers ganz selbstverständlich respektiert werden. Sexismus, Rassismus, Antisemitismus gehen uns alle an."

Zur Feier am Potsdamer Platz waren mehr als 1600 Gäste eingeladen - viel deutsche Schauspielprominenz war dabei, darunter Iris Berben, Senta Berger, Heike Makatsch, Jessica Schwarz, Meret Becker, Mario Adorf, Daniel Brühl und Moritz Bleibtreu.

Die Berlinale zeigt bis zum 25. Februar 385 Filme aus 78 Ländern. Sie zeigte zum Auftakt erstmals einen Animationsfilm: "Isle of Dogs - Ataris Reise" von Wes Anderson, der für den Film "Grand Budapest Hotel" bekannt ist. Die elftägige Berlinale gilt mit jährlich mehr als 300.000 verkauften Tickets als weltweit größtes Publikumsfestival. Die begehrten Preise werden am vorletzten Tag verliehen.

koe/dpa



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