Schwere Vorwürfe gegen Berlinale Ai Weiwei und Til Schweiger aus Episodenfilm geschnitten

Zu dem Episodenfilm "Berlin, I Love You" sollte auch Ai Weiwei einen Beitrag beisteuern, der bereits 2015 abgedreht wurde. Nun wurde seine Inszenierung rausgeschnitten - der Künstler beklagt Zensur.

Ai Weiwei
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Es war eine vom Produzenten Claus Clausen angekündigte Weltpremiere: Ai Weiwei hatte 2015 von China aus per Videochat einen Film in Berlin gedreht. Das acht Minuten lange Segment sollte Teil des Episodenfilms "Berlin, I Love You" werden, auch Til Schweiger spielt darin mit. Nun soll die Produktion mit zehn Kurzfilmen in die Kinos kommen - allerdings ohne den Teil des bekanntesten zeitgenössischen Künstlers.

Ai Weiwei beklagt im Gespräch mit der "Deutschen Welle", die Produktionsfirma habe seine Arbeit aus dem Film geschnitten, weil man politische Konsequenzen seitens der chinesischen Regierung fürchte. Schon vor Jahren fiel der 61-Jährige bei den Machthabern in Peking in Ungnade und stand zeitweise unter Hausarrest.

Auch die Berlinale habe Druck ausgeübt, seinen Beitrag zu verhindern, sagt Ai Weiwei. "Ich fragte meinen Produzenten. Der sagte mir, die Berlinale hätte den Film nicht akzeptiert, wenn ich ein Teil davon gewesen wäre." Der Film hat mit "Paris, je t'aime" (2006), "New York, I Love You" (2009) und "Rio, Eu Te Amo" (2014) erfolgreiche Vorläufer.

Berlinale verteidigt sich

Wie Ai Weiwei sagt, sei auch ein "Shanghai, I Love You" geplant und die Organisatoren gingen davon aus, dass die Möglichkeiten sinken würden, das Projekt in China umsetzen zu können - wenn Ai Weiwei im Berlin-Teil dabei ist. Ai Weiwei befand sich, während er den Film 2015 drehte, noch in China und durfte das Land aus politischen Gründen nicht verlassen, konnte kurz danach aber nach Berlin ziehen.

Im Gespräch mit "Hollywood Reporter" verteidigt sich die Organisation der Berlinale: Es sei keinesfalls ein Kriterium für die Wahl eines Films auf dem Festival, ob Ai Weiwei daran beteiligt sei oder nicht. Auch ohne den Teil war "Berlin, I Love You" nicht auf der Berlinale vertreten.

Der "Los Angeles Times" bestätigten die Produzenten Claus Clausen und Edda Reiser die Darstellung von Ai Weiwei. "Es war ein ganz besonderes Kunstprojekt. Ich bin wütend, dass es nun nicht Teil des Films ist", sagt Clausen. Man habe die Macht Chinas unterschätzt, sagt auch Reiser und beklagt, die Zensur Chinas sei inzwischen global institutionalisiert.

Ein chinesischer Beitrag des Regisseurs Zhang Yimou musste auf der Berlinale kurzfristig ausfallen, weil er womöglich von den chinesischen Behörden blockiert wurde.

tin

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