Berlinale Der Berlinalist

Von Jochen Hick

2. Teil: März bis August 2008


März, April, Mai: KLEINE FESTIVALS

"East/West" läuft auf anderen kleinen Festivals, zum Beispiel in London, Brüssel, Hamburg und Zürich. Später dann auch in Uruguay, Südafrika und Brasilien. Einen Kino-Starttermin für Deutschland gibt es noch nicht. Der Spätsommer war oft eine willkommene Lücke für kleine Filme, heute aber ist jede Woche voll mit großen Starts, darunter auch mehr Dokumentationen als früher.

Ich spreche mit potentiellen Verleihern, werde es aber am Ende im Eigenverleih machen, womit ich schon mehrfach gute Erfahrungen gemacht habe. Der Film erscheint manchen Verleihern nicht lukrativ genug - was angesichts der Kinolandschaft niemandem zu verdenken ist. Enttäuschend: Nachdem ich über 20 Monate mit Redakteuren verhandelt habe, kauft der Fernsehsender Arte den Film nicht an.

25. 5. 2008: ZWEITER NACHDREH FÜR "THE GOOD AMERICAN" IN HANNOVER

Tom besucht das Haus, in dem er aufgewachsen ist. Da gibt es große Hunde und nicht sehr einladend wirkende Nachbarn, Deutschlandflaggen an den Autos. Es regnet. Toms Partner Keith bleibt gleich im Wagen sitzen und will nicht raus. Tom möchte seine Eltern nach fünfzehn Jahren doch nicht wiedersehen, auch wenn er dies zu Beginn des Film noch selbst vorgeschlagen hatte. Wir besuchen stattdessen eine ehemalige Nachbarin, doch sie kann sich nicht mehr wirklich an ihn erinnern. Ich bin mir nicht sicher, ob mein Schnittkonzept und die geplante Dramaturgie wirklich noch gültig sind.

Juli 2008: SUCHE NACH EINEM CUTTER

Ich brauche jemanden für den Filmschnitt, aber die Leute, mit denen ich gern arbeiten würde, stecken in anderen Projekten fest oder werden zu spät frei. Auf eine Anzeige melden sich relativ viele Interessenten, aber es ist vorab schwierig einzuschätzen, welchem Cutter das Material und die Geschichte wirklich liegen.

25. 8. 2008: SCHNITTBEGINN FÜR "THE GOOD AMERICAN"

Im Schneideraum in der Hauptstraße in Schöneberg. Mit dem neuen Cutter Thomas Keller hatte ich vorher noch nicht zusammengearbeitet. Ein Sprung ins kalte Wasser. Er muss sich erst einmal durch etwa hundert Stunden Material kämpfen.



© KulturSPIEGEL 2/2009
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