Berlinale Der Berlinalist

Von Jochen Hick

3. Teil: September bis November 2008


20. 9. 2008: DER ERSTE SCHNITT

Ausgerechnet der erste kleine Teil, den Thomas geschnitten hat, gefällt mir gar nicht. Nach einem längeren Gespräch einigen wir uns auf eine andere Richtung, und danach gibt es fast jeden Tag eine neue Szene zu sehen, mit beachtlicher Geschwindigkeit und Treffsicherheit. Es läuft unhysterischer als bei anderen Projekten, da gab es zuweilen viel Emotion und Krise im Schneideraum, besonders gegen Ende. An so ein relativ entspanntes Zusammenarbeiten könnte ich mich gewöhnen.

31. 10. 2008: BEWERBUNGSSCHLUSS FÜR DIE BERLINALE 2009

Ich melde "The Good American" an, das geht heutzutage online. Die Anzahl der gewünschten Informationen ist überschaubar. Manches kleine Festival quält die Leute, die Filme einreichen, mit der Frage nach unzähligen Details. Und verlangt teilweise Hunderte Dollar, um überhaupt eine Anmeldung zu akzeptieren. Bei der Berlinale kostet es 125 Euro, zahlen kann man per Kreditkarte. Wenn einen das Festival selbst zur Sichtung einlädt, kostet es nichts. Was mich aber gerade viel mehr beschäftigt: Morgen ist Sendestart des Fernsehsenders Timm, bei dem ich Chefredakteur bin. Freue mich auf viele Arbeitstage bis weit nach Mitternacht.

15. 11. 2008: DER FILM MUSS ZUM SICHTEN EINGEREICHT WERDEN

Wir haben rechtzeitig eine vorläufige Fassung fertigbekommen und arbeiten weiter am Schnitt. Jetzt bleibt nur noch das Warten auf die Zu- oder Absage. Ich organisiere erste Testvorführungen und werte das Feedback mit meiner langjährigen Mitarbeiterin Karin Wallenczus aus. Mein erster langer Film "Via Appia" hat es 1989 nicht auf die Berlinale geschafft, weswegen ich ziemlich zerknirscht war. War aber auch kein Weltuntergang. Er lief dann auf dem Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken und danach sogar in einigen Multiplexkinos in den USA, samt sehr guter Kritiken von "New York Times" bis "L.A. Times". Darauf bin ich durchaus stolz.

27. 11. 2008: OFFIZIELLER KINOSTART VON "EAST/WEST"

Es gibt ein erstaunliches Presseecho, aber er läuft nur in 14 Kinos bundesweit. Viel ist das nicht, aber es ist auch keine gute Zeit für kleinere Filme. Ich arbeite oft ohne große Filmförderung oder irgendwelches Geld von Fernsehsendern. Umso wichtiger ist es für mich, dass meine Filme auf der Berlinale gezeigt werden, obwohl sie als hartes Festival mit viel Konkurrenz gilt.



© KulturSPIEGEL 2/2009
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