Berlinale Goldener Bär geht an iranischen Film "Taxi"

Der Goldene Bär wird in diesem Jahr für den Film "Taxi" an den iranischen Regimekritiker Jafar Panahi verliehen. Den Film drehte er heimlich, dann schmuggelte ihn jemand nach Berlin.

Demonstranten unterstützen Regisseur Jafar Panahi
AFP

Demonstranten unterstützen Regisseur Jafar Panahi


Der iranische Film "Taxi" von Regimekritiker Jafar Panahi hat den Goldenen Bären gewonnen. Das gab die Jury der 65. Berlinale am Samstag bei einer Gala bekannt. Der Film sei "ein Liebesbrief ans Kino", sagte Jury-Präsident Darren Aronofsky bei der Verkündung des Gewinners.

Der Regisseur hatte den Film trotz Berufsverbot in seiner Heimat gedreht. Er selbst war nicht bei der Preisverleihung in Berlin dabei, weil er in seiner Heimat unter Hausarrest steht. Den Preis für nahm seine kleine Nichte entgegen. "Ich bin nicht in der Lage etwas zu sagen, ich bin zu ergriffen", sagte sie weinend. Auch Panahis Ehefrau war im Publikum.

Der Film wurde auf unbekannten Wegen nach Berlin geschmuggelt. Für die halbdokumentarische Komödie setzte sich Panahi selbst in ein Taxi und stattete es mit drei Kameras aus. Er ließ dort seine Fahrgäste vom schwierigen Alltag in Teheran erzählen. Zuletzt ging der Goldene Bär im Jahr 2011 in den Iran. Den Hauptpreis holte damals Asghar Farhadis Scheidungsdrama "Nader und Simin - Eine Trennung", das auch den Oscar gewann.

Im Video: Regisseur schmuggelt verbotenen Film zur Aufführung

Lateinamerika räumt ab

Die Jury unter Vorsitz von US-Regisseur Darren Aronofsky ("Black Swan") entschied sich damit nicht für die Werke großer Altmeister wie Terrence Malick, Werner Herzog und Peter Greenaway. Stattdessen blickte das Gremium, in dem auch der deutsche Schauspieler Daniel Brühl saß, vor allem Richtung Lateinamerika. Den Großen Preis der Jury erhielt das chilenische Drama "El Club" (Der Club) von Pablo Larraín. Der Film handelt von Priestern, die Kinder missbraucht haben.

Ebenfalls nach Chile ging der Bär für das beste Drehbuch: Regisseur Patricio Guzmán bekam den Preis für den Dokumentarfilm "Der Perlmuttknopf" über die blutige Geschichte seines Heimatlandes. Guatemala, das erstmals im Wettbewerb vertreten war, holte mit dem Frauen-Drama "Ixcanul" von Jayro Bustamante den Alfred-Bauer-Preis. Die Auszeichnung wird an Filme vergeben, die dem Kino neue Perspektiven eröffnen.

Weitere Gewinner:

Goldener Bär für den besten Film: "Taxi", Jafar Panahi (Iran)

Großer Preis der Jury, Silberner Bär: "El Club", Pablo Larrain (Chile)

Alfred Bauer Preis für neue Perspektiven, Silberner Bär: "Ixcanul", Jayro Bustamante (Guatemala)

Beste Regie, Silberner Bär (ex aequo): "Aferim!", Radu Jude (Rumänien), "Body", Malgorzata Szumowska (Polen)

Beste Schauspielerin, Silberner Bär: Charlotte Rampling, "45 Years" (Großbritannien)

Bester Schauspieler, Silberner Bär: Tom Courtenay, "45 Years" (Großbritannien)

Bestes Drehbuch, Silberner Bär: Patricio Guzmán, "El Bóton de Nacár" ("The Pearl Button") (Chile)

Silberner Bär für herausragende künstlerische Leistung (ex aequo): Sturla Brandth Grøvlen, Kamera, "Victoria" (Deutschland), Evgeniy Privin und Sergey Mikhalchuk, Kamera, "Pod Electricheskimi Oblakami" ("Under Electric Clouds") (Russland/Ukraine)

isa/dpa/AFP



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