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Berlinale-Highlights: Jetzt wird's schmutzig

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Laura Tonke in der Lebenskrisen-Komödie "Hedi Schneider steckt fest" Zur Großansicht
Komplizen Film/ Pandora

Laura Tonke in der Lebenskrisen-Komödie "Hedi Schneider steckt fest"

Mit über 300 Spielfilmen ist die Berlinale ein riesiges Festival mit diversen Nebenreihen - und überall verstecken sich Highlights. Ein Überblick: von Cate Blanchett über deutsche Qualitätserien bis "Fifty Shades of Grey".

Am 5. Februar startet die Berlinale in ihre 65. Ausgabe. Als Publikumsfestival mit überwiegend öffentlichen Filmvorführungen bietet sie ein fast unüberschaubares Programm. Während im Wettbewerb Regisseure wie Terrence Malick, Isabel Coixet und Andreas Dresen um die Goldenen und Silbernen Bären antreten, werden in den Nebenreihen - vom Serien-Special bis zum Kinder- und Jugendprogramm - mindestens genauso interessante Filme gezeigt.

Ein Überblick über die Höhepunkte:

Drei neue Gesichter

Von links: Tessa Thompson, Joel Basman, Alba Rohrwacher Zur Großansicht
REUTERS; AP

Von links: Tessa Thompson, Joel Basman, Alba Rohrwacher

In den USA gelang Tessa Thompson 2014 mit der Komödie "Dear White People" über schwarze Studierende in weißen Elite-Colleges der Durchbruch. Im Berlinale-Special-Screening von "Selma" (Deutschland-Start am 19. Februar) ist sie jetzt als Bürgerrechtlerin Diane Nash zu sehen. Obwohl es schwer ist, an der Seite von David Oyelowo als Martin Luther King zu bestehen, schafft Thompson das locker mit ihrer smarten, konzentrierten Präsenz.

Wenn der Schweizer Joel Basman ins Bild tritt, muss man Luft holen: Im jüngsten Kieler-"Tatort" war er der mörderische Crystal-Meth-Junkie, im Kinodrama "Wir sind jung. Wir sind stark" gab er den rastlosen Hooligan, und in Andreas Dresens Verfilmung von "Als wir träumten" (Wettbewerb) steigt der Energiepegel ebenfalls auf 110 Prozent, wenn Basman als überdrehter Techno-DJ Mark zu sehen ist. Basman ist schon jetzt die Rampensau 2015.

Die italienische Schauspielerin Alba Rohrwacher hat sich 2014 heimlich zur Königin der Festivals gemausert: Sie spielte in "Land der Wunder" mit - der Film gewann den zweiten Preis in Cannes. Sie spielte in "Hungry Hearts" mit - und wurde in Venedig als beste Darstellerin ausgezeichnet. Was wohl die Berlinale für ihren Wettbewerbsfilm "Vergine giuarata" bereithält?


Dreimal Sex

Von links: "Exotica, Erotica, Etc.", "Sprache:Sex", "Fifty Shades of Grey" Zur Großansicht
Evangelia Kranioti; The Weinstein Company; Universal Pictures

Von links: "Exotica, Erotica, Etc.", "Sprache:Sex", "Fifty Shades of Grey"

Keine Berlinale ohne dreckige Hollywood-Ranschmeiße: Nur einen Tag vorm offiziellen Kinostart feiert die Bondage-Romanze "Fifty Shades of Grey" internationale Premiere in Berlin. Während im Netz schon über die vermeintlich fehlende Chemie zwischen den Hauptdarstellern Jamie Dornan und Dakota Johnson gelästert wird, verspricht der Kunsthintergrund von Regisseurin Sam Taylor-Johnson zumindest eine gewisse Fallhöhe.

Wer gänzlich runterkommen will vom Hochglanz-Sex, ist in der Reihe "Perspektive Deutsches Kino" richtig. Für ihren Dokumentarfilm "Sprache:Sex" haben Saskia Walter und Ralf Hechelmann 13- bis 74-jährige Protagonisten zu ihren Liebesleben befragt. Persönliche Interviews, die in der Montage doch ein gemeinsames Gespräch über Intimität ergeben.

Der Kunstfilm hat auf der Berlinale seinen Stammplatz in der Sektion "Forum": Hier läuft denn auch Evangelia Kraniotis Essayfilm über die seltsamen Verbindungen zwischen Lust, Sehnsucht und Fernweh. Für "Exotica, Erotica, Etc." hat die französische Künstlerin 16 Länder an Bord von Frachtern - allein unter Männern - bereist und in verschiedenen Hafenstädten mit Prostituierten gelebt.


Drei doppelt Beschäftigte

Von links: Kristen Wiig, Robert Pattinson, Cate Blanchett Zur Großansicht
Berlinale; See-Saw Films/ Caitlin Cronenberg; Disney/ Jonathan Olley

Von links: Kristen Wiig, Robert Pattinson, Cate Blanchett

Bevor sie als eine der vier neuen "Ghostbusters" mit Monsterschleim zu kämpfen hat, kann man Comedy-Star Kristen Wiig in ihrer Zweitkarriere als ernsthafte Darstellerin in Indie-Kleinoden sehen. Zwei davon kommen direkt aus Sundance zur Berlinale: In der Coming-of-Age-Geschichte "The Diary of a Teenage Girl" (Generation 14plus) konkurriert sie mit ihrer Tochter um einen Liebhaber, in "Nasty Baby" (Panorama) spielt sie eine Hetero-Frau, die mit zwei Schwulen eine Familie zu gründen versucht.

Auch nach zwei Cronenberg-Filmen weiß man noch nicht, was "Twilight"-Darling Robert Pattinson schauspielerisch drauf hat. Auf der Berlinale hat er nun mit gleich zwei Biopics die Chance, das internationale Publikum zu überzeugen. In Werner Herzogs Wettbewerbsbeitrag "Queen of the Desert" gibt er den legendären T.E. Lawrence, in Anton Corbijns "Life" (Special) spielt er den Fotografen Dennis Stock, der für das "Life"-Magazin eine Reportage mit James Dean umsetzen soll.

Elbenohren und Oscar: Bei Cate Blanchett haben Kommerz und Kunst schon immer zusammengepasst, deshalb bringt sie zur Berlinale auch ganz selbstverständlich das Disney-Märchen "Cinderella" von Kenneth Branagh (Wettbewerb, außer Konkurrenz) und das Ménage-à-trois-Drama "Knight of Cups" (Wettbewerb) von Terrence Malick mit.


Drei deutsche Produktionen

Von links: "Deutschland 83", "Victoria", "Petting Zoo" Zur Großansicht
RTL/ Nik Konietzny; Senator; Berlinale

Von links: "Deutschland 83", "Victoria", "Petting Zoo"

Als "unbedingten" Teil der Berlinale hat Festivalleiter Kosslick die acht TV-Serien genannt, die als Special zu sehen sein werden. Besonders interessant dürften die deutschen Produktionen "Blochin" und "Deutschland 83" sein - nicht nur weil damit ZDF bzw. RTL ihre ambitioniertesten Serienprojekte des Jahres präsentieren, sondern weil man auch den Vergleich hat, ob sie standhalten können mit den neuesten Serien aus den Trendschmieden Dänemark und Israel.

Sebastian Schipper dürften mittlerweile mehr Deutsche aus dem NDR-"Tatort" kennen denn als Regisseur des Buddy-Film-Klassikers "Absolute Giganten". Mit Schippers vierter Regiearbeit dürfte sich das wieder umkehren: "Victoria" (Wettbewerb) ist die Geschichte eines Bankraubs, erzählt über eine einzige Nacht hinweg und gedreht in einer einzigen Einstellung.

An der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin geschult und als Berlinale-Talent gefördert, kehrt Regisseurin und Autorin Micah Magee mit ihrem Debüt "Petting Zoo" (Panorama) in ihre Heimat Texas zurück. Genauer gesagt nach San Antonio, das die zweithöchste Rate an Teenager-Schwangerschaften in den USA hat. Layla ist Klassenbeste und hat ein Uni-Stipendium in der Tasche, als sie schwanger wird. Auf wessen Rat soll sie jetzt hören?


Drei zweite Filme von vielversprechenden Regisseuren

Von links: "Hedi Schneider steckt fest", "Woman in Gold", "Superwelt" Zur Großansicht
Komplizen Film/ Pandora; Andreas Schlieter; Berlinale/ Petro Domenigg

Von links: "Hedi Schneider steckt fest", "Woman in Gold", "Superwelt"

Mit dem Backpacker-Episodenfilm "Hotel Very Welcome" hat Sonja Heiss 2007 eine der lustigsten deutschen Komödien der vergangenen zehn Jahre gedreht. Jetzt startet endlich ihr zweiter Spielfilm: In "Hedi Schneider steckt fest" (Forum) steckt tatsächlich eine Frau fest - nicht nur im Fahrstuhl, sondern auch in ihrem Leben. Es folgt ein Befreiungsversuch der tragikomischen Art - mit Laura Tonke in der Hauptrolle.

Eine wahre Geschichte, gespielt von einem Star-Ensemble: Mit diesem Mix überzeugte Simon Curtis schon in seinem Kinodebüt "My Week With Marilyn". In "Woman in Gold" erzählt er nun die Geschichte der Holocaust-Überlebenden Maria Altmann, die die österreichische Regierung auf Herausgabe des berühmten Klimt-Bildes "Porträt von Adele Bloch-Bauer" verklagt, das einst vom Nazi-Regime beschlagnahmt wurde. Mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Tatiana Maslany und Daniel Brühl.

Auch wenn er als Regisseur vielleicht nicht an den Oscar-Ruhm der Filme heranreichen kann, in denen er mitgespielt hat ("Die Fälscher", "Grand Budapest Hotel"), hat sich Karl Markovics mit "Atmen" als kluger, reduzierter Filmemacher empfohlen. Bei seinem zweiten Film "Superwelt" (Forum) lässt er eine Supermarktkassiererin auf Gott treffen - mit verheerenden Konsequenzen für ihre Ehe.


Dreimal Chile

Von links: "Mar", "El Club", "El botón de nácar" Zur Großansicht
Andreas Haas; Fabula; Katell Djian

Von links: "Mar", "El Club", "El botón de nácar"

Es hätte alles so entspannt sein können: ein Paar, Strand, Sonne, Ruhe. Doch dann kommt seine Mutter spontan zu Besuch, und als wäre das nicht schon genug, schlägt auch noch der Blitz ein. Nach ihrem mehrfach ausgezeichneten Debütfilm "De jueves a domingo" präsentiert Dominga Sotomayor Castillo im "Forum" ihren zweiten Langfilm "Mar".

In seinem Oscar-nominierten Spielfilm "No!" erzählte Pablo Larraín einen entscheidenden Moment im Sturz des Allende-Regimes als charmante David-gegen-Goliath-Geschichte. Mit seinem Wettbewerbsfilm "El Club" strebt er einen anderen Tonfall an: In einer Gruppe von Priestern, die abgeschieden mit einer einzigen Ordensschwester leben, kommt es zum Suizid des jüngsten Mitglieds. Kann der offizielle Ermittler der Kirche klären, was es mit diesem "Klub" auf sich hat?

Der eine Dokumentarfilm, der gegen 18 Spielfilme im Wettbewerb antritt, ist "El botón de nácar" von Patricio Guzmán. Von Berlinale-Chef Kosslick in den höchsten Tönen gelobt, wird man sich von der Geschichte von Perlmuttknöpfen, die auf dem Meeresgrund vor Chiles schier endloser Küste gefunden wurden, überraschen lassen müssen. Im Katalog steht esoterisch-vage, der Film zeige, dass das Wasser eine Stimme habe.


Die Berlinale läuft vom 5. bis 15. Februar. Das ausführliche Programm finden Sie hier.

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