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Berlinale-Eröffnungsfilm: Feuerwerk in der gaga Traumfabrik

Von

Universal Pictures

Der Berlinale-Eröffnungsfilm "Hail, Caesar!" von den Coen-Brüdern huldigt dem Hollywood der Fünfzigerjahre, mit tollen Schauspielern, funkelnden Details - und einem Nichts an Handlung.

Es ist eine im Schauspielerhandwerk oft unterschätzte Kunst, sich auf der Leinwand elegant zum Idioten zu machen. Scarlett Johansson, die im neuen Film der Coen-Brüder in einem grotesken blaugrünen Meerjungfrauenkostüm durch einen Riesenswimmingpool plantscht, erweist sich im Lauf der Wasserschlacht als wahre Königin dieses Fachs. Auch George Clooney, der mehrmals seine strahlend weißen Zähne in die Kamera bleckt wie ein Mantelpavian, tut das mit einer Menge Charme. Noch mehr Noblesse legt nur Ralph Fiennes an den Tag, der mit hochgezogenen Augenbrauen und extremer Näselei die Karikatur eines britischen Künstlerschnösels zelebriert.

"Hail, Caesar!" ist ein Gute-Laune-Film in wunderbar bunten Hollywood-Studiokulissen, in dem den Zuschauer öfter der Verdacht beschleicht, die Filmdarsteller und ihre Helfer hätten am Set womöglich sogar noch ein bisschen mehr Spaß gehabt als das Publikum im Kinosaal. Die amerikanischen Regiebrüder Joel und Ethan Coen, berühmt für ihren Übermut, ihre Intelligenz und ihre Neigung zu bisweilen abseitigen Einfällen, porträtieren hier das Herz der Filmindustrie im Jahr 1951. Ganz Hollywood ist ein Käfig voller närrischer Schauspielkünstler, kommunistischer Drehbuchschreiber und kunstferner Geldgeber, die irgendwo in ihren Palästen über Besetzungen und Starkarrieren entscheiden.

Ein prächtiger Eröffnungsfilm

Nur einen Mann gibt es, der den Saftladen halbwegs zusammenhält: Der schnauzbärtige Eddie Mannix, gespielt von Josh Brolin, ist bei Tag und Nacht im Einsatz, um die großen und kleinen Probleme sämtlicher Traumfabrikbewohner zu lösen.

Rauschende Feste soll man am besten mit einem Feuerwerk beginnen, insofern ist "Hail, Caesar!" für die Berlinale ein prächtiger Eröffnungsfilm. (Lesen Sie hier alles zu den 15 Highlights der Berlinale) Rot leuchtet das Haar von Tilda Swinton, die hier in einer Doppelrolle zwei verschwisterte Klatschreporterinnen spielt; grün strahlen die Augen von Clooney, der in einem Römerkostüm herumläuft, weil er in einem "Ben Hur"-ähnlichen Sandalenfilm der Hauptakteur sein soll; grellgelb schillert Johanssons Nixenhaar, die als in Hollywood gestrandete Schwimmsportikone auftritt. Zusammen mit vielen anderen bekannten Stars treten sie an zu einer Kanonade aus funkelnden Gags. Von einer Dramaturgie oder gar einer Handlung, die dem lustigen Treiben eine Ordnung geben könnte, kann allerdings kaum die Rede sein. Stattdessen dürfen wir Hollywoods großen Troubleshooter Eddie Mannix ein paar Tage bei seiner Arbeit begleiten.

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Berlinale-Eröffnungsfilm "Hail, Caesar!": Ein Käfig voller Narren und Kommunisten
Mannix ist Produktionschef einer Filmfirma, die nicht Capitol Pictures heißt, sondern Capital Pictures. Das größte Projekt seines Studios ist ein Monumentalfilm namens "Hail, Caesar!", in dem einer der tüchtigsten römischen Feldherrn mit Namen Antiochus in Palästina Jesus Christus begegnet und vor dem Gekreuzigten niederkniet. Kurz vor Drehschluss aber wird der Antiochus-Darsteller (Clooney) gekidnappt, eine geheimnisvolle Bande, die sich "Die Zukunft" nennt, verlangt 100.000 Dollar Lösegeld. Mannix lässt sich das Geld von seinem Studiobuchhalter auszahlen und versucht es in einen Lederkoffer zu pressen - und dann geht die Entführungsgeschichte mehr und mehr verloren, während die Kamera durch diverse Studios und Filmprojekte spaziert.

Man sieht Matrosen unter Anleitung des Schauspielers Channing Tatum einen famosen Stepptanz aufführen. Man sieht einen jungen Cowboyhelden (Alden Ehrenreich) akrobatische Kunststücke im Pferdesattel vorführen. Und man darf Ralph Fiennes in der Rolle eines Regisseurs am Set eines hoch komplizierten Liebesdramas betrachten, während er an der Begriffsstutzigkeit eben diesen Supercowboys verzweifelt, der nach dem Willen der Studiobesitzer unbedingt ein Charakterdarsteller werden soll.

Allmächtige Klatschkolumnistinnen

Das alles ist sehr lustig anzusehen und eine wunderbare, in vielen historischen Anspielungen brillante Huldigung an das Hollywood der Fünfzigerjahre. An die Zeit, als der fanatische Senator McCarthy angeblich kommunistischen Drehbuchschreibern die Hölle heiß machte und Klatschkolumnistinnen in der Traumfabrik fast allmächtig waren. An die Ära der schönsten Limousinen und der grandiosesten Bungalows mit Meerblick.

Angeblich hat es sogar einen Mann namens Eddie Mannix wirklich gegeben und offenbar hat er ganz Ähnliches geleistet wie der Held dieses Films. Bei aller Liebe zu wilden Anekdoten und zur Atmosphäre der Zeit aber bleibt die Hauptfigur von "Hail, Caesar!" eine Pappfigur.

Es gibt eine Menge Weisheiten über das Wesen des Kinos in diesem Film. Einmal macht sich eine ironietriefende Erzählerstimme über die Behauptung lustig, das Kino sei Balsam fürs wunde Gemüt der Zuschauer. Einmal höhnt George Clooney, von einer "spirituellen Dimension" des Filmhandwerks könne keine Rede sein. Er fängt sich dafür ein paar Ohrfeigen ein in diesem Film, der eine Menge Witz hat, aber leider keine Seele.

Im Video: Der Trailer von "Hail, Caesar!"

Universal Pictures
"Hail, Caesar!"

USA 2016

Buch und Regie: Ethan und Joel Coen

Darsteller: Josh Brolin, George Clooney, Alden Ehrenreich, Channing Tatum, Scarlett Johansson, Joseph Fiennes, Tilda Swinton

Produktion: Mike Zoss Productions, Working Title Films

Verleih: Universal

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Start: 18. Februar 2016

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