Berlinale Talent Campus Hungern, Essen, Filme machen

Zum vierten Mal treffen sich auf der Berlinale junge Filmschaffende mit Kino-Profis. Schwerpunkt des Berlinale Talent Campus: Die ganze Welt des Essens.


Berlin - Für Cathy Rohnke ist Filmemachen wie Kochen. Am Anfang des Films stehe das Rezept, in der Vorbereitungsphase müsse man auf dem Markt die Zutaten kaufen, während der Produktion "brodelt und dampft es in den Töpfen" und die Postproduktion sei wie das Anrichten des Essens, sagt die neue Programm-Managerin des Berlinale Talent Campus. Auch der österreichische Künstler Peter Kubelka habe mal gesagt: "Wer kochen kann, kann auch Filme machen."

Haus der Kulturen der Welt in Berlin: Sitz des Berlinale Talent Campus
Sabine Wenzel

Haus der Kulturen der Welt in Berlin: Sitz des Berlinale Talent Campus

Um die kreativen Zusammenhänge zwischen Essen und Film geht es beim diesjährigen Berlinale Talent Campus vom 11. bis 16. Februar. " Films on Hunger, Food and Taste" heißt der Schwerpunkt, zu dem es im Vorfeld auch einen Kurzfilmwettbewerb gab. Rund 350 Beiträge wurden laut Rohnke eingeschickt, 32 davon werden beim Talent Campus gezeigt. Es gibt zum Beispiel einen Film über Bulimie, eine Dokumentation über den Hirseanbau in Mali und einen Animationsfilm "mit sprechenden Tomaten im Kühlschrank", so Rohnke. Zum Teil seien die Beiträge auch sehr politisch.

Beim gleichnamigen Symposium "Films on Hunger, Food and Taste" am 12. Februar werden US-Starköchin Alice Waters, der Gründer der Slow Food Bewegung, Carlo Petrini, und die indische Bürgerrechtlerin und Ökologin Vandana Shiva mit Filmemachern über Geschmack, Kochkunst und Kultur diskutieren. Beim "Kulinarischen Kino" in der Französischen Botschaft werden berühmte Food-Filme wie "Eat Drink Man Woman" von Ang Lee, "Mondovino" von Jonathan Nossiter und "Babettes Fest" von Gabriel Axel gezeigt.

Weiteres Thema beim diesjährigen Talent Campus ist der Filmschnitt. Cutter wie Jim Clark ("Die Welt ist nicht genug") und die auf Martial-Arts spezialisierte Angie Lam ("Seven Swords") werden live auf der Bühne Einblick in ihr Handwerk geben. "Sich live bei der Arbeit zusehen lassen, das würden viele andere nicht machen", betont Rohnke. Prominente Experten für den Talent Campus zu gewinnen, sei zudem nicht immer einfach: "Viele Leute sind berühmt, aber keine guten Lehrer."

Mit 3516 Bewerbungen aus 121 Ländern verzeichnet der Talent Campus 2006 eine Rekordbeteiligung. 17 Nationen sind erstmals dabei, darunter Bhutan, die Fiji Inseln, Oman und der Irak. "Damit sind auch Länder vertreten, deren Filmindustrie sich erst noch entwickelt", freut sich Rohnke. "Viele Teilnehmer reisen das erste Mal in ein fremdes Land."

Die neue Chefin des Filmemacher-Forums machte sich zunächst 1991 im Bereich Kultur-Sponsoring selbstständig. Nach einer beruflichen Station bei der HypoVereinsbank wechselte sie 2002 zu Telepool, wo sie sich um Entwicklung, Finanzierung und den Verkauf von Filmproduktionen kümmerte. Zwei Jahre später verließ sie Telepool, um für nationale und internationale Filmproduktionen und Verleiher zu arbeiten. Parallel dazu lehrt sie seit 1995 an der Universität Leipzig Filmdramaturgie und Medienästhetik.

"Ich bin ein richtiges Filmkind. Ich liebe Film leidenschaftlich", sagt Rohnke über sich selbst. In ihrem neuen Berlinale-Job freue sie sich, "mit anderen Leidenschaftstätern unterwegs zu sein".

Der Berlinale Talent Campus befindet sich im "Haus der Kulturen der Welt", John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 Berlin

Nadine Emmerich, ddp

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