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Berlinale-Triumph: China glänzt mit Gold und Silber

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Chinesischer Thriller statt amerikanisches Coming-of-Age: Viele sind enttäuscht, dass Richard Linklaters "Boyhood" nicht den Goldenen Bären gewonnen hat. Doch "Bai Ri Yan Huo" ist ein würdiger Berlinale-Gewinner, bei einer anderen Auszeichnung hat die Jury viel schlimmer geirrt.

Die schlechten Verlierer bei der Berlinale-Preisverleihung fanden sich diesmal nicht unter den Filmemachern, die leer ausgegangen waren. Es war vielmehr das Publikum im Berlinale-Palast, das den chinesischen Gewinnerfilm "Bai Ri Yan Huo" ("Black Coal, Thin Ice") kaum feiern wollte - schließlich hatte er den Publikums- und Kritikerliebling "Boyhood" ausgestochen. Und auch die Sympathien von Moderatorin Anke Engelke schienen offensichtlich zu sein. Zum Schlussbild lud sie gezielt Schauspieler aus diesem Film auf die Bühne ein, "damit auch noch jemand von 'Boyhood' dabei ist."

Ja, der Hauptpreis für Richard Linklaters außergewöhnliches Langzeit-Filmprojekt über das Aufwachsen eines Jungen zum Mann, dazu die strahlenden Darsteller Ellar Coltrane, Lorelei Linklater und Patricia Arquette - das hätte sicherlich für tosenden Applaus und für teils wohlwollendes, teils selbstgerechtes Schulterklopfen gesorgt. Aber ist die Entscheidung für "Bai Ri Yan Huo" deshalb falsch? Keinesfalls.

Diao Yinans Film noir ist nicht nur Teil des überaus starken Auftritts des chinesischen Kinos, um dessen Würdigung die Jury schlicht nicht herumkommen konnte. "Bai Ri Yan Huo" ist auch eine großartige Genre-Variation, die ihre westlichen Vorbilder souverän zu aktualisieren und in neue Zusammenhänge zu stellen weiß. In der Geschichte um den Polizisten Zhang Zili, den Leichenfunde in Kohlefabriken in die berufliche und persönliche Katastrophe führen, verbanden sich Spannung, Atmosphäre und Humor zu einem gnadenlos zielstrebigen Erzählfluss, der keine überflüssige Pause erlaubte.

Fehlgriff beim Franzosen

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Berlinale 2014: Die Gewinner des Filmfestivals
Das soll nicht heißen, dass "Bai Ri Yan Huo" überwältigt. Die Bilder sind zu hart in ihren Kontrasten, der Protagonist ist zu versehrt, als dass man jede Distanz aufgeben könnte. Dass man Zhang Zili auf seiner Mission, Verletzungen aus der Vergangenheit wiedergutzumachen, trotzdem bis zum desillusionierenden Ende folgt, liegt am grandiosen Spiel des Hauptdarstellers Liao Fan. Er wurde zu Recht mit einem Silbernen Bären für seine schauspielerische Leistung ausgezeichnet.

Eindrucksvoller als ihre sehr zurückgenommene Leistung im Film war der Auftritt von Haru Kuroki, als sie als beste Hauptdarstellerin im japanischen Melodram "Chiisai Ouchi" ("The Little House") ausgezeichnet wurde. Die junge Frau war offensichtlich überwältigt von dem Preis und legte eine Demut an den Tag, die verblüffte. Am überschwänglichsten freute sich dagegen das Team von Altmeister Alain Resnais, der mit einem Silbernen Bären für "einen Film, der neue Perspektiven aufzeigt", geehrt wurde. Diese Auszeichnung ist sicherlich der größere Fehlgriff der Jury als die Entscheidung gegen "Boyhood".

Europa, eine einzige Kulisse

Mit "Aimer, boire et chanter" hat Resnais das Boulevardstück "Life of Riley" von Alan Ayckbourn verfilmt, eine Liebesposse um eine alternde Laientheatertruppe, die schlampig in der Figurenführung und willkürlich im Casting daher kommt. Die einzige erkennbare künstlerische Idee von Resnais ist es, das Geschehen auch im Film in Theaterkulissen zu inszenieren - eine Idee, die Lars von Trier schon in zwei Filmen ("Dogville", "Manderlay") mit viel größerer Intensität umgesetzt hat (und 2005 gelangweilt ad acta legte).

Doch die verhunzte Ehrung für Resnais dürfte in Vergessenheit geraten angesichts zweier Auszeichnungen, die verdienter nicht hätten sein können: Zum einen der Drehbuchpreis für das deutsche Geschwisterpaar Anna und Dietrich Brüggemann für "Kreuzweg". Ihr Religionsdrama war der formal strengste Film im Wettbewerb, rigoros in seiner an Jesus' Leidensweg angelegten Erzählstruktur, unbarmherzig effizient in seiner Verdichtung von Dialogen und Ereignissen - ein wahrer game change für die Brüggemanns, die bislang eher leichtfüßige Generationenkomödien gemacht haben.

Und zum anderen ist der große Preis der Jury, gewissermaßen der zweite Platz, für Wes Andersons "Grand Budapest Hotel" verdient. Auch dieser Film ist ein game change für seinen Macher, wenngleich ein subtilerer. Leicht lässt sich übersehen, dass in der Farce um ein Grand Hotel in dem fiktiven Alpenstaat Zubrowska jede Menge politische Sensibilität steckt. Anderson schafft darin ein Europa, das so übertrieben kulissenhaft ist, dass es als filmische Projektionsfläche enttarnt wird. Von welchem Europa erzählen wir eigentlich, wenn wir unsere historischen Filme drehen? Von dem der Hochkultur oder dem des Faschismus? Und lässt sich das überhaupt voneinander trennen? "Grand Budapest Hotel" wirft Fragen auf, über die sich George Clooney besser hätte Gedanken machen sollen, bevor er seinen missglückten "Monuments Men" drehte.

Und "Boyhood"? Wurde mit dem Regiepreis für Richard Linklater bedacht. Auch dieser Preis wird wahrscheinlich in Vergessenheit geraten, als so unpassend wurde er vielfach empfunden. Doch in gewisser Weise würde sich auch der Goldene Bär für den Film als irrelevant erweisen. Denn schon jetzt "Boyhood" hat das gewonnen, was dem Gewinnerfilm "Bai Ri Yan Huo" wohl nie beschieden sein wird: Die Mundpropaganda der Berlinale-Besucher, die den Film schon gesehen haben und nun ihren Freunden erzählen, dass man ihn einfach gesehen haben muss.

Der Berlinale-Wettbewerb im Überblick

The Grand Budapest Hotel
Ein einsames Hotel, irgendwo in den Bergen. Was sich anhört wie die erste Szene in Stanley Kubricks Horrorkultfilm "Shining", wird in den Händen des amerikanischen Weirdo-Regisseurs Wes Anderson zur Fabel über Gesellschaft, Familie und Liebe im Europa der zwanziger Jahre: Als ein Hotelconcierge nach einer Affäre mit einer steinreichen Greisin zu deren Alleinerben erklärt wird, überschlagen sich die Ereignisse. Besetzt u.a. mit einer Tilda Swinton, die mal nicht ihre androgyne Schönheit ausspielt, sondern als steinalte Millionärin vor lauter Hängebacken kaum zu erkennen ist. Anderson eröffnet dieses Jahr die Berlinale, 2002 war er bereits mit "The Royal Tenenbaums" und 2005 mit "Die Tiefseetaucher" im Wettbewerb vertreten, gewonnen hat er noch nicht.

Kraftidioten
Vielleicht drehen Filmemacher aus dem hohen Norden so viele Komödien mit Brutalo-Touch, weil Blut auf weißem Schnee besonders gut aussieht. Der norwegische Regisseur Hans Petter Moland bildet mit seinem Wettbewerbsbeitrag keine Ausnahme: Als Schneepflugfahrer Nils vom Tod seines Sohns erfährt, beginnt er eigene Nachforschungen. Und taucht in die norwegische Unterwelt ab. Regisseur Hans Petter Moland war schon vor vier Jahren mit der Tragikomödie "Ein Mann von Welt" im Berlinale-Wettbewerb. Stellan Skarsgård spielte damals einen schweigsamen Ex-Häftling. Jetzt gibt er den schweigsamen Schneepflugfahrer. Auch dabei: Bruno Ganz als serbischer Mafiaboss.

Zwischen Welten
Vor zehn Jahren gewann Fatih Akin mit "Gegen die Wand" den Goldenen Bären. Seitdem konnte sich kein deutscher Film mehr im Wettbewerb durchsetzen. Dieses Jahr starten mit vier Filmen immerhin so viele deutsche Produktionen im Wettbewerb wie seit 18 Jahren nicht mehr. Einer von ihnen ist Feo Aladags Drama über den Einsatz von Isaf-Soldaten in Afghanistan: Obwohl sein Bruder beim Dienst in Afghanistan ums Leben kam, meldet sich der deutsche Soldat Jesper wieder zum Einsatz, um in dem Land ein abgelegenes Dorf vor den Taliban zu schützen. In den Hauptrollen: Ronald Zehrfeld und der noch unbekannte Mohamad Mohsen.

Die geliebten Schwestern
Seit acht Jahren hat Dominik Graf bei keinem abendfüllenden Kinofilm Regie geführt, erschuf mit der Mini-Serie "Im Angesicht des Verbrechens" dafür aber das Interessanteste, was der deutsche TV-Krimi in den letzten Jahren zu bieten hatte. Doch auf Genres oder gar aufs Medium festlegen lässt sich der Mann nicht. So geht es in seinem Berlinale-Wettbewerbsbeitrag um ein polyamouröses Beziehungsgeflecht zur Zeit der Weimarer Klassik: Der Dichter Friedrich Schiller liebt zwei Schwestern. Die unglücklich verheiratete Caroline und ihre Schwester Charlotte teilen sich den Autor. Als Caroline schwanger wird, zerbricht das fragile Gleichgewicht der Dreierbeziehung.

Jack
Jack schmeißt den Haushalt, weckt morgens den kleinen Bruder, macht das Essen. Denn einen Vater hat der Zehnjährige nicht, und die Mutter ist kaum da. Als sie eines Tages ganz verschwindet, macht sich Jack zusammen mit seinem jüngeren Bruder auf die Suche nach ihr. Filmemacher Edward Berger ist ein Neuling im Berlinale-Wettbewerb. Fernsehfans kennen ihn als Regisseur der ZDF-Erfolgskomödie "Mutter muss weg" mit Bastian Pastewka in der Hauptrolle.

Kreuzweg
Maria lebt zwischen zwei Welten: In der Schule ist die 14-Jährige ein ganz normaler Teenager, der entdeckt, dass Jungs mehr als nur Freunde sein können. Zu Hause muss sie den Lehren der erzkonservativen Priesterbruderschaft folgen. Wie viel kann ein Mensch ertragen, bis er am gelebten Gegensatz zerbricht? Regisseur Dietrich Brüggemann ist 2014 zum ersten Mal mit einem Film im Wettbewerb vertreten – seine Tragikkomödie "Renn, wenn Du kannst" lief aber schon vor vier Jahren in der Sektion "Perspektive deutsches Kino".

Macondo
Knapp 45 Minuten entfernt von Wiens Zentrum liegt die Flüchtlingssiedlung Macondo. 3000 Asylsuchende sind hier untergebracht. Diese real existierende Lebenswelt beschäftigt die Regisseurin Sudabeh Mortezai in ihrem ersten langen Spielfilm: Der muslimische Junge Ramasan ist gemeinsam mit Mutter und Schwestern aus Tschetschenien hergekommen, der Vater des Elfjährigen ist im Kampf gegen die Russen gefallen – so lautet zumindest die Version, die Ramasan kennt. Als plötzlich ein Freund des Vaters aus alten Tagen auftaucht, wird Ramasans Weltbild auf eine harte Probe gestellt.

Tui Na
Starker Auftritt für den chinesischen Film im Wettbewerb: Insgesamt drei Filme schickt das Land ins Rennen um den Goldenen Bären. Einer von den chinesischen Hoffnungsträgern: Der Regisseur Lou Ye mit seinem Porträt des blinden Manns Ma, der zusammen mit anderen Blinden in einer Massagepraxis arbeitet. Yes Filme liefen schon auf den Festivals von Cannes und Venedig. Auf der Berlinale ist der Regisseur, der für Tui Na mit sehenden und blinden Schauspielern zusammenarbeitete, aber zum ersten Mal Gast.

Boyhood
Richard Linklater ist ein alter Bekannter auf der Berlinale: Mit seiner zarten Liebesgeschichte "Before Sunrise" gewann er 1995 einen Silbernen Bären für die beste Regie. Für seinen diesjährigen Wettbewerbsfilm versammelte der amerikanische Regisseur sein Schauspielerensemble seit 2002 jedes Jahr für einige Tage Dreharbeit. So konnte er den Hauptcharakter, den er von den schulischen Anfängen bis zum Eintritt ins College begleitet, immer mit demselben Schauspieler besetzen. Neben Ellar Coltrane mit dabei: Ethan Hawke als freakiger Vater und Patricia Arquette als alleinerziehende Mutter.

Aimer, boire et chanter
Vor 16 Jahren wurde Altmeister Alain Resnais auf der Berlinale für sein Lebenswerk mit dem Silbernen Bären geehrt – eine irgendwie verfrühte Auszeichnung, denn der mittlerweile 91-jährige Franzose ist nach wie vor filmisch umtriebig. In seinem diesjährigen Wettbewerbsfilm beschäftigen ihn einmal mehr die Leidenschaften, die hinter der Fassade bürgerlichen Lebens lauern: Mitten in den Proben zu einem Theaterstück erfährt Kathryn, dass ihr alter Freund George todkrank ist. Nicht nur für Kathryn, die mal mit George liiert war, sondern auch für ihre Freundinnen gerät die Alltagswelt aus den Fugen. Getrieben von Begehren und Sehnsüchten entbrennt unter ihnen ein Streit darüber, wer George auf eine letzte Reise begleiten darf.

La voie de l'ennemi
Eine Kleinstadt mitten in der texanischen Wüste: In diesem Niemandsland wird ein Häftling aus dem Gefängnis entlassen. William Garnett will ein neues Leben beginnen. Jedoch wissen die anderen Einwohner um seine kriminelle Vergangenheit. Bald sitzen Garnett ein auf Vergeltung sinnender Sheriff und ein ehemaliger Kumpan aus der Unterwelt im Nacken. In den Hauptrollen des Films von Rachid Bouchareb: Forest Whitaker als Häftling William Garnett und Harvey Keitel als sein Gegenspieler. Bouchareb war bereits dreimal für einen Goldenen Bären nominiert – ob er ihn 2014 mit diesem starken Schauspielerensemble im Rücken mit nach Hause nehmen darf?

'71
Belfast, 1971: Der Nordirland-Konflikt wird immer mehr zum Bürgerkrieg. Mitten in den unübersichtlichen Machtkämpfen auf den Straßen Belfasts wird der junge Rekrut Gary beim Streifegehen von seiner Einheit getrennt. Zwischen paramilitärischen Einheiten, radikalen Streetgangs und Undercoveragenten muss er seinen Weg zurück zum Stützpunkt finden – und erlebt eine Nacht voller Angst und Ungewissheit. Schon 2007 nahm Regisseur Yann Demange am "Berlinale Talent Campus" teil. Dieses Jahr läuft mit "'71" sein erster Spielfilm im Wettbewerb. In der Hauptrolle: Der britische Nachwuchsstar Jack O'Connell, bekannt aus der britischen Teenager-Serie "Skins".

La tercera orilla
Nicolás' Vater führt ein Doppelleben: Der angesehene Arzt in einer Kleinstadt im Nordosten Argentiniens hat zwei Familien – ein Geheimnis, von dem alle wissen, über das aber keiner spricht. Als er Nicolás nahelegt, in seine Fußstapfen als Arzt und Ranchbesitzer zu treten, erwacht in dem Jugendlichen Widerstand gegen den autoritären Machismo des Vaters. Vor zwei Jahren zeigte die argentinische Regisseurin Celina Murga auf der Berlinale in der experimentierfreudigen Nebensektion "Forum" den feinen Dokumentarfilm "Escuela Normal" über die Wahlkampfvorbereitungen der Kandidaten einer Schülervertretung. Jetzt hat sie zum ersten Mal Chancen auf einen Goldenen Bären

Bai Ri Yan Huo
Den Ruf eines cineastischen Krimi-Lands hatte China in Filmkreisen bislang eher nicht – noch nicht. Dieses Jahr schickt Regisseur Diao Yinan ("Night Train") einen klassischen Detektivfilm ins Rennen um den Goldenen Bären: 1999 werden in einer Kleinstadt im Norden Chinas eine Reihe von Leichen gefunden. Bei der Festnahme des mutmaßlichen Mörders kommt es zu einem blutigen Zwischenfall, zwei Polizisten sterben. Als fünf Jahre später wieder mysteriöse Morde geschehen, nimmt ihr ehemaliger Kollege auf eigene Faust die Ermittlungen auf.

Historia del miedo
Ein Polizeihubschrauber kreist über einer Gated Community am Rande einer Großstadt. Etwas muss vorgefallen sein - die Ordnungshüter sind schon zur Stelle. In seinem Spielfilmdebüt arbeitet sich der argentinische Regisseur Benjamin Naishtat an den Ängsten der argentinischen Wohlstandsklasse ab, für die schon ein Loch im Zaun eine lebensgefährliche Bedrohung darstellt. Mit seiner "Geschichte der Angst" schaffte es der erst 27-jährige Naishtat in das Rennen um dem Goldenen Bären.

Praia do futuro
Identitätssuchen sind das Spezialgebiet des brasilianischen Regisseurs Karim Aïnouz: Sein Spielfilmdebüt, das 2002 in Cannes gezeigt wurde, beschäftigte sich mit dem Leben eines Brasilianers, der Transvestit, Vater, Verbrecher und Koch zugleich war. Im Berlinale-Wettbewerb präsentiert Aïnouz jetzt die Sinnsuche des brasilianischen Rettungsschwimmers Donato. Als eines Tages zwei Männer in eine gefährliche Strömung geraten, kann er nur einen von ihnen retten: Den deutschen Touristen Konrad. Die beiden verlieben sich, Donato folgt Konrad in dessen Heimat Berlin – um dort im Strudel der Stadt auf der Suche nach sich selbst mehr Fragen als Antworten zu finden.

To Mikro Psari
Nachts arbeitet Stratos in einer Brotfabrik, tagsüber bringt er gegen Bezahlung Menschen um, weil er das Geld braucht. Für Stratos gebietet es die Ehre, dass er die Gefängnisbefreiung seines Kumpels finanziert, weil der ihm mal das Leben rettete. In seinem vierten Spielfilm nutzt Yannis Economides die Kinofigur des Auftragsmörders für einen Blick in eine desolate Welt. Der Regisseur nimmt zum ersten Mal an der Berlinale teil.

Wu Ren Qu
"Das ist eine Geschichte über Tiere", kündigt der Held des Films an, ein aus der Großstadt stammender Rechtsanwalt. Ob damit tatsächlich nur die Falken gemeint sind, die im nächsten Bild zu sehen sind? Denn als der Anwalt für einen Prozess in das felsenreiche Niemandsland in Xinjiang reisen muss, wird er zum Getriebenen von Menschen ohne Moral. "Wu Ren Qu" wurde schon vor vier Jahren fertiggestellt, doch die chinesische Filmbehörde stellte immer wieder neue Schnittauflagen an den staatskritischen Regisseur Ning Hao. Auf der Berlinale läuft eine Version, für die einige Szenen nachgedreht wurden.

Chiisai Ouchi
Ein junger Mann entdeckt durch Zufall das Tagebuch einer verstorbenen Verwandten: Die alte Frau beschreibt darin ihr Leben als Angestellte bei einer reichen Familie aus Tokio. Als Hausmädchen bekommt die junge Frau mit, wie die Hausherrin eine heimliche Liebesaffäre mit einem jungen Kunstschulabsolventen beginnt – und muss eines Tages eine schwere Gewissensentscheidung treffen. Regisseur Yoji Yamada, Schüler des japanischen Meisterregisseurs Ozu Yasujiro, feierte mit dem Film "Tokyo Kazoku" schon im vergangenen Jahr eine internationale Premiere bei der Berlinale.

Aloft
2009 gewann die peruanische Regisseurin Claudia Llosa den Goldenen Bären mit "La teta asustada". Jetzt startet Llosa mit dem Drama "Aloft" im Wettbewerb: Zusammen mit einer jungen Dokumentarfilmerin reist Iván durch eine unbekannte Winterlandschaft. Der Grund der Reise: Iván ist auf der Suche nach seiner Mutter Nana. Llosas Film über die Vereinbarkeit von Verantwortung und Neuanfang ist mit Cilian Murphy und Jennifer Connelly in den Hauptrollen hochkarätig besetzt.

Nymphomaniac Volume I
Nach 20 Jahren kehrt Regisseur Lars von Trier, berühmt und berüchtigt für Provokation und Radikalität, zurück zur Berlinale. 1984 präsentierte er in der Panorama-Sektion seine Abschlussarbeit von der Dänischen Filmhochschule. Jetzt zeigt er im Wettbewerb außer Konkurrenz den ersten Teil seines neuen Epos "Nymphomaniac": Die selbstdiagnostizierte Nymphomanin Joe (Charlotte Gainsbourg) erzählt einem alten Junggesellen (Stellan Skarsgård) ihre lustvolle, schmerzhafte Lebensgeschichte. Die Berlinale-Besucher sehen die ungekürzte – sexuell explizitere - Fassung des Films.

La belle et la bête
Die Berlinale hat unter den internationalen Filmfestivals den Ruf, den Wettbewerb vor allem mit Gesellschaftsdramen mit hohem sozialkritischen Anspruch zu bestücken. Christophe Gans' Fantasy-Verfilmung des französischen Märchenklassikers "Die Schöne und das Biest" fällt da irgendwie aus der Reihe. Der bekannte Plot: Um ihren Vater vorm Todesurteil zu retten, begibt sich seine Tochter in den Palast eines mysteriösen Gutsbesitzers. Besetzt ist Gans' opulenter Fantasyfilm mit dem Nachwuchsstar Léa Seydoux und Vincent Kassel, Hollywoods Franzosen für alle Fälle – eine Chance auf den Sieg hat der Film aber nicht, weil er außer Konkurrenz läuft

Monuments Men
Im Zweiten Weltkrieg wurde eine amerikanische Sondereinheit von den Alliierten beauftragt, wertvolle Schätze und Kunstwerke vor den Nationalsozialisten zu retten. Nach dem realen Vorbild dieser Kunstschutzoffiziere inszeniert George Clooney die Truppe in seinem vierten Spielfilm als launigen Männerbund. Der Cast bietet mit Matt Damon, Cate Blanchett und selbstverständlich Clooney selbst, handverlesenes Hollywood. Nun hat der spektakuläre Raubkunstfall um den Kunstsammler Cornelius Gurlitt Clooneys neuestem Werk vermutlich schon den Boden für volle Kinokassen bereitet. Aber auf den Goldenen Bären kann der Hollywood-Star nicht hoffen. Sein Film läuft im Wettbewerb außer Konkurrenz.

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Neu im Kino: Tops und Flops
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1. europa eine hochkultur?
DennisFfm 16.02.2014
also ich muss doch wirklich sehr bitten.
2.
SchneiderG 16.02.2014
Zitat von sysopREUTERSChinesischer Thriller statt amerikanisches Coming-of-Age: Viele sind enttäuscht, dass Richard Linklaters "Boyhood" nicht den Goldenen Bären gewonnen hat. Doch "Bai Ri Yan Huo" ist ein würdiger Berlinale-Gewinner, bei einer anderen Auszeichnung hat die Jury viel schlimmer geirrt. http://www.spiegel.de/kultur/kino/berlinale-triumph-fuer-china-baeren-fuer-brueggemanns-anderson-a-953746.html
Für die Macher und Schauspieler und somit auch den Gewinnern eines Bären ist das sicherlich was schönes und ich gönne jedem seinen Gewinn. Dennoch sollte man sich im, klaren sein, daß der Berliner "Dorfpokal" ausser in der deutschen Presse keine sonderlich große Bedeutung hat. In der internationalen Presse findet sich in der Regel, und wenn überhaupt meistens nur ein Einzeiler unter Sonstiges bzw. Kultur. Ich werde mir den chinesischen Gewinnerfilm auf alle anschauen.
3. Und was wird der Kassen-Hit?
Miere 16.02.2014
Gibt es irgendeinen Grund zu der Annahme, dass eine nennenswerte Anzahl Leute sich diese Filme ansehen wollen, solange irgendetwas anderes läuft, und sei es Tatort im Fernsehen? Der chinesische Film hat mit Krimi und Humor ja zumindest Elemente, die Interesse wecken könnten. Im Großen und Ganzen sieht das für mich nach Filmen aus, die für die Jury sind und nicht fürs Publikum.
4. Bitte?
Altesocke 16.02.2014
"Doch "Bai Ri Yan Huo" ist ein würdiger Berlinale-Gewinner, bei einer anderen Auszeichnung hat die Jury viel schlimmer geirrt." Also wuerdig, weil sich die Jury nur etwas geirrt hat?
5. Sehr gut
Ballonmütze 16.02.2014
Ich finde die Jury Entscheidungen absolut richtig. ''Kreuzweg'' war stellenweise steif und schwach im Spiel, hatte aber ein starkes Buch. ''Boyhood'' war vor allem eine Regieleistung, als Film selbst war er nicht ganz rund, aber beeindruckend gemacht - also Regie. Und ''Bai Ri...'' war einfach der Film, der auf den meisten Ebenen etwas zu bieten hatte. Verdienter Gewinner. Ich hab den Resnais nicht gesehen.
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