Afghanistan-Film "Zwischen Welten" Deutsche, auf verlorenem Posten

Das deutsche Afghanistan-Drama "Zwischen Welten" scheitert. Die US-amerikanische Doku "Night Will Fall" über die Befreiung der Konzentrationslager berührt. Und der schwule Liebesfilm "Praia Do Futuro" aus Brasilien ist berückend schön. Unser Berlinale-Tagebuch.

Von Lars-Olav Beier

Wolfgang Ennenbach / Majestic

Was gesehen? "Zwischen Welten" von Feo Aladag (Deutschland); "Praia Do Futuro" von Karim Aïnouz (Brasilien/Deutschland); "Night Will Fall" von André Singer (Großbritannien/USA/Israel)

Wie war's?

Der Tag begann mit einem Spielfilm über deutsche Soldaten, die Angst haben, zur Waffe zu greifen, und sich schwertun, eine verletzte Kuh zu erschießen. Feo Aladag erzählt in "Zwischen Welten" von einem Angehörigen der Isaf-Truppen (gespielt von Ronald Zehrfeld), der mit seiner Einheit ein afghanisches Dorf vor Übergriffen der Taliban schützen soll. Die aus Wien stammende Regisseurin erzählt sehr viel auf einmal: von der Überforderung der Soldaten, die nur wenig Kenntnis von der Kultur haben, in die sie hineingeworfen wurden; von den Afghanen, die um ihr Leben fürchten müssen, wenn sie mit Isaf-Truppen zusammenarbeiten; von den Frauen, die beschimpft werden, wenn sie sich weiterbilden. Vor lauter Blickwinkeln verliert der Film seine Perspektive. Die Soldaten bleiben dem Zuschauer bis zum Ende hin fremd, dafür simuliert Aladag eine Nähe zu den Afghanen, die bisweilen fast anmaßend wirkt: Warum springt die Kamera bei einer Beerdigung in die Menge der trauernder Dorfbewohner hinein und nähert sich dem Sarg bis auf Griffnähe?

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Berlinale, 6. Wettbewerbstag: Deutsche, auf verlorenem Posten

Zwei Drittel des Films lang verweigert Aladag ihrem deutschen Antihelden jenes Mindestmaß an Souveränität und Courage, das jede Filmfigur braucht, damit ihr die Zuschauer überhaupt durch einen Film zu folgen bereit sind. Sie zeigt Befehlsempfänger, ungeschickt und mutlos, von ihrer militärischen Führung im Stich gelassen, auf verlorenem Posten. Die Soldaten reihen einen Fehler an den anderen, und jeden von ihnen sieht der Zuschauer kommen. Ein Film, bei dem das Publikum dem Helden immer voraus ist, kann nicht funktionieren.

Eigentlich sind es vier deutsche Produktionen im Wettbewerb, am Mittag kam noch eine halbe hinzu, "Praia Do Futuro" von dem im brasilianischen Fortalezza geborenen und in Berlin lebenden Regisseur Karim Aïnouz. Zwei schwule Männer (gespielt von Wagner Moura und Clemens Schick) lernen sich an einem brasilianischen Strand kennen und setzen ihre Affäre an der Spree fort. Ein Film über das Wasser und die Liebe, über die Lust, sich fallen zu lassen, ganz einzutauchen in einen anderen Menschen und eine neue Welt. Selten sah man Berlin auf der Leinwand in so abgrundtief tristen und zugleich berückend schönen Aufnahmen, ein wenig verliert sich der Film darin, aber man lässt sich von diesem Bilderstrom gern ein Stück mittragen.

Am Nachmittag dann, in der Reihe Berlinale Special, die Dokumentation "Night Will Fall" von André Singer. Der Film handelt von den Einheiten der Alliierten, die 1945 die Konzentrationslager befreiten, und von den Kameraleuten, die versuchten, das Grauen, dem sie sich gegenübersahen, auf Film festzuhalten. Vor zwei Tagen hatte bereits die Dokumentation "German Concentration Camps Factual Survey" auf der Berlinale Premiere, ein Film, der 1945 von der alliierten Psychological Warfare Division zusammengestellt wurde, um die deutsche Bevölkerung mit dem Holocaust zu konfrontieren. Die Arbeit an dem Film wurde damals abgebrochen, erst jetzt hat das Londoner Imperial War Museum ihn rekonstruiert. Beide Filme sind auch für den heutigen Zuschauer oft kaum zu ertragen. In den Bildern der bis auf das Skelett ausgezehrten, verstümmelten und verbrannten Körper ist der Schock über den Holocaust konserviert.

Die bewegendsten Momente?

In "Night Will Fall" brechen mehrere der heute noch lebenden Zeitzeugen in Tränen aus und können nicht weiterreden, als sie sich daran erinnern, wie sie die Berge von Toten in den deutschen KZs sahen.

Star des Tages?

Wagner Moura in "Praia Do Futuro", bullig und zart zugleich, man fühlt mit ihm, wie er versucht, den Berliner Winter zu überleben, ständig frierend und zitternd, während er sich zurücksehnt nach dem Leben am Strand.

Was gelernt?

Nach "Zwischen Welten" versteht man besser, warum die Amerikaner so viele gute Filme über den Krieg gedreht haben. Sie tun, was sie immer tun: Sie beschränken sich auf die eigene Sicht. Und können deshalb besser von ihren inneren Konflikten erzählen.

Hier finden Sie unsere Kritik zum 2., 3., 4. und 5. Wettbewerbstag.

Der Berlinale-Wettbewerb im Überblick
Berlinale/ 20th Century Fox

The Grand Budapest Hotel
Ein einsames Hotel, irgendwo in den Bergen. Was sich anhört wie die erste Szene in Stanley Kubricks Horrorkultfilm "Shining", wird in den Händen des amerikanischen Weirdo-Regisseurs Wes Anderson zur Fabel über Gesellschaft, Familie und Liebe im Europa der zwanziger Jahre: Als ein Hotelconcierge nach einer Affäre mit einer steinreichen Greisin zu deren Alleinerben erklärt wird, überschlagen sich die Ereignisse. Besetzt u.a. mit einer Tilda Swinton, die mal nicht ihre androgyne Schönheit ausspielt, sondern als steinalte Millionärin vor lauter Hängebacken kaum zu erkennen ist. Anderson eröffnet dieses Jahr die Berlinale, 2002 war er bereits mit "The Royal Tenenbaums" und 2005 mit "Die Tiefseetaucher" im Wettbewerb vertreten, gewonnen hat er noch nicht.

Berlinale

Kraftidioten
Vielleicht drehen Filmemacher aus dem hohen Norden so viele Komödien mit Brutalo-Touch, weil Blut auf weißem Schnee besonders gut aussieht. Der norwegische Regisseur Hans Petter Moland bildet mit seinem Wettbewerbsbeitrag keine Ausnahme: Als Schneepflugfahrer Nils vom Tod seines Sohns erfährt, beginnt er eigene Nachforschungen. Und taucht in die norwegische Unterwelt ab. Regisseur Hans Petter Moland war schon vor vier Jahren mit der Tragikomödie "Ein Mann von Welt" im Berlinale-Wettbewerb. Stellan Skarsgård spielte damals einen schweigsamen Ex-Häftling. Jetzt gibt er den schweigsamen Schneepflugfahrer. Auch dabei: Bruno Ganz als serbischer Mafiaboss.

Berlinale/ Bjoern Kommerell/ Independent Artists

Zwischen Welten
Vor zehn Jahren gewann Fatih Akin mit "Gegen die Wand" den Goldenen Bären. Seitdem konnte sich kein deutscher Film mehr im Wettbewerb durchsetzen. Dieses Jahr starten mit vier Filmen immerhin so viele deutsche Produktionen im Wettbewerb wie seit 18 Jahren nicht mehr. Einer von ihnen ist Feo Aladags Drama über den Einsatz von Isaf-Soldaten in Afghanistan: Obwohl sein Bruder beim Dienst in Afghanistan ums Leben kam, meldet sich der deutsche Soldat Jesper wieder zum Einsatz, um in dem Land ein abgelegenes Dorf vor den Taliban zu schützen. In den Hauptrollen: Ronald Zehrfeld und der noch unbekannte Mohamad Mohsen.

Berlinale/ Senator

Die geliebten Schwestern
Seit acht Jahren hat Dominik Graf bei keinem abendfüllenden Kinofilm Regie geführt, erschuf mit der Mini-Serie "Im Angesicht des Verbrechens" dafür aber das Interessanteste, was der deutsche TV-Krimi in den letzten Jahren zu bieten hatte. Doch auf Genres oder gar aufs Medium festlegen lässt sich der Mann nicht. So geht es in seinem Berlinale-Wettbewerbsbeitrag um ein polyamouröses Beziehungsgeflecht zur Zeit der Weimarer Klassik: Der Dichter Friedrich Schiller liebt zwei Schwestern. Die unglücklich verheiratete Caroline und ihre Schwester Charlotte teilen sich den Autor. Als Caroline schwanger wird, zerbricht das fragile Gleichgewicht der Dreierbeziehung.

Camino

Jack
Jack schmeißt den Haushalt, weckt morgens den kleinen Bruder, macht das Essen. Denn einen Vater hat der Zehnjährige nicht, und die Mutter ist kaum da. Als sie eines Tages ganz verschwindet, macht sich Jack zusammen mit seinem jüngeren Bruder auf die Suche nach ihr. Filmemacher Edward Berger ist ein Neuling im Berlinale-Wettbewerb. Fernsehfans kennen ihn als Regisseur der ZDF-Erfolgskomödie "Mutter muss weg" mit Bastian Pastewka in der Hauptrolle.

Berlinale/ Alexander Sass

Kreuzweg
Maria lebt zwischen zwei Welten: In der Schule ist die 14-Jährige ein ganz normaler Teenager, der entdeckt, dass Jungs mehr als nur Freunde sein können. Zu Hause muss sie den Lehren der erzkonservativen Priesterbruderschaft folgen. Wie viel kann ein Mensch ertragen, bis er am gelebten Gegensatz zerbricht? Regisseur Dietrich Brüggemann ist 2014 zum ersten Mal mit einem Film im Wettbewerb vertreten – seine Tragikkomödie "Renn, wenn Du kannst" lief aber schon vor vier Jahren in der Sektion "Perspektive deutsches Kino".

Berlinale/ FreibeuterFilm

Macondo
Knapp 45 Minuten entfernt von Wiens Zentrum liegt die Flüchtlingssiedlung Macondo. 3000 Asylsuchende sind hier untergebracht. Diese real existierende Lebenswelt beschäftigt die Regisseurin Sudabeh Mortezai in ihrem ersten langen Spielfilm: Der muslimische Junge Ramasan ist gemeinsam mit Mutter und Schwestern aus Tschetschenien hergekommen, der Vater des Elfjährigen ist im Kampf gegen die Russen gefallen – so lautet zumindest die Version, die Ramasan kennt. Als plötzlich ein Freund des Vaters aus alten Tagen auftaucht, wird Ramasans Weltbild auf eine harte Probe gestellt.

Berlinale/ Travis Wei

Tui Na
Starker Auftritt für den chinesischen Film im Wettbewerb: Insgesamt drei Filme schickt das Land ins Rennen um den Goldenen Bären. Einer von den chinesischen Hoffnungsträgern: Der Regisseur Lou Ye mit seinem Porträt des blinden Manns Ma, der zusammen mit anderen Blinden in einer Massagepraxis arbeitet. Yes Filme liefen schon auf den Festivals von Cannes und Venedig. Auf der Berlinale ist der Regisseur, der für Tui Na mit sehenden und blinden Schauspielern zusammenarbeitete, aber zum ersten Mal Gast.

Berlinale

Boyhood
Richard Linklater ist ein alter Bekannter auf der Berlinale: Mit seiner zarten Liebesgeschichte "Before Sunrise" gewann er 1995 einen Silbernen Bären für die beste Regie. Für seinen diesjährigen Wettbewerbsfilm versammelte der amerikanische Regisseur sein Schauspielerensemble seit 2002 jedes Jahr für einige Tage Dreharbeit. So konnte er den Hauptcharakter, den er von den schulischen Anfängen bis zum Eintritt ins College begleitet, immer mit demselben Schauspieler besetzen. Neben Ellar Coltrane mit dabei: Ethan Hawke als freakiger Vater und Patricia Arquette als alleinerziehende Mutter.

Berlinale/ A. Borrel

Aimer, boire et chanter
Vor 16 Jahren wurde Altmeister Alain Resnais auf der Berlinale für sein Lebenswerk mit dem Silbernen Bären geehrt – eine irgendwie verfrühte Auszeichnung, denn der mittlerweile 91-jährige Franzose ist nach wie vor filmisch umtriebig. In seinem diesjährigen Wettbewerbsfilm beschäftigen ihn einmal mehr die Leidenschaften, die hinter der Fassade bürgerlichen Lebens lauern: Mitten in den Proben zu einem Theaterstück erfährt Kathryn, dass ihr alter Freund George todkrank ist. Nicht nur für Kathryn, die mal mit George liiert war, sondern auch für ihre Freundinnen gerät die Alltagswelt aus den Fugen. Getrieben von Begehren und Sehnsüchten entbrennt unter ihnen ein Streit darüber, wer George auf eine letzte Reise begleiten darf.

Berlinale/ Tessalit-Pathé

La voie de l'ennemi
Eine Kleinstadt mitten in der texanischen Wüste: In diesem Niemandsland wird ein Häftling aus dem Gefängnis entlassen. William Garnett will ein neues Leben beginnen. Jedoch wissen die anderen Einwohner um seine kriminelle Vergangenheit. Bald sitzen Garnett ein auf Vergeltung sinnender Sheriff und ein ehemaliger Kumpan aus der Unterwelt im Nacken. In den Hauptrollen des Films von Rachid Bouchareb: Forest Whitaker als Häftling William Garnett und Harvey Keitel als sein Gegenspieler. Bouchareb war bereits dreimal für einen Goldenen Bären nominiert – ob er ihn 2014 mit diesem starken Schauspielerensemble im Rücken mit nach Hause nehmen darf?

Berlinale

'71
Belfast, 1971: Der Nordirland-Konflikt wird immer mehr zum Bürgerkrieg. Mitten in den unübersichtlichen Machtkämpfen auf den Straßen Belfasts wird der junge Rekrut Gary beim Streifegehen von seiner Einheit getrennt. Zwischen paramilitärischen Einheiten, radikalen Streetgangs und Undercoveragenten muss er seinen Weg zurück zum Stützpunkt finden – und erlebt eine Nacht voller Angst und Ungewissheit. Schon 2007 nahm Regisseur Yann Demange am "Berlinale Talent Campus" teil. Dieses Jahr läuft mit "'71" sein erster Spielfilm im Wettbewerb. In der Hauptrolle: Der britische Nachwuchsstar Jack O'Connell, bekannt aus der britischen Teenager-Serie "Skins".

Berlinale/ Tresmilmundos Cine

La tercera orilla
Nicolás' Vater führt ein Doppelleben: Der angesehene Arzt in einer Kleinstadt im Nordosten Argentiniens hat zwei Familien – ein Geheimnis, von dem alle wissen, über das aber keiner spricht. Als er Nicolás nahelegt, in seine Fußstapfen als Arzt und Ranchbesitzer zu treten, erwacht in dem Jugendlichen Widerstand gegen den autoritären Machismo des Vaters. Vor zwei Jahren zeigte die argentinische Regisseurin Celina Murga auf der Berlinale in der experimentierfreudigen Nebensektion "Forum" den feinen Dokumentarfilm "Escuela Normal" über die Wahlkampfvorbereitungen der Kandidaten einer Schülervertretung. Jetzt hat sie zum ersten Mal Chancen auf einen Goldenen Bären

Berlinale

Bai Ri Yan Huo
Den Ruf eines cineastischen Krimi-Lands hatte China in Filmkreisen bislang eher nicht – noch nicht. Dieses Jahr schickt Regisseur Diao Yinan ("Night Train") einen klassischen Detektivfilm ins Rennen um den Goldenen Bären: 1999 werden in einer Kleinstadt im Norden Chinas eine Reihe von Leichen gefunden. Bei der Festnahme des mutmaßlichen Mörders kommt es zu einem blutigen Zwischenfall, zwei Polizisten sterben. Als fünf Jahre später wieder mysteriöse Morde geschehen, nimmt ihr ehemaliger Kollege auf eigene Faust die Ermittlungen auf.

Berlinale/ Courtesy of Visit Films

Historia del miedo
Ein Polizeihubschrauber kreist über einer Gated Community am Rande einer Großstadt. Etwas muss vorgefallen sein - die Ordnungshüter sind schon zur Stelle. In seinem Spielfilmdebüt arbeitet sich der argentinische Regisseur Benjamin Naishtat an den Ängsten der argentinischen Wohlstandsklasse ab, für die schon ein Loch im Zaun eine lebensgefährliche Bedrohung darstellt. Mit seiner "Geschichte der Angst" schaffte es der erst 27-jährige Naishtat in das Rennen um dem Goldenen Bären.

Berlinale

Praia do futuro
Identitätssuchen sind das Spezialgebiet des brasilianischen Regisseurs Karim Aïnouz: Sein Spielfilmdebüt, das 2002 in Cannes gezeigt wurde, beschäftigte sich mit dem Leben eines Brasilianers, der Transvestit, Vater, Verbrecher und Koch zugleich war. Im Berlinale-Wettbewerb präsentiert Aïnouz jetzt die Sinnsuche des brasilianischen Rettungsschwimmers Donato. Als eines Tages zwei Männer in eine gefährliche Strömung geraten, kann er nur einen von ihnen retten: Den deutschen Touristen Konrad. Die beiden verlieben sich, Donato folgt Konrad in dessen Heimat Berlin – um dort im Strudel der Stadt auf der Suche nach sich selbst mehr Fragen als Antworten zu finden.

Berlinale/ Falirohouse Productions

To Mikro Psari
Nachts arbeitet Stratos in einer Brotfabrik, tagsüber bringt er gegen Bezahlung Menschen um, weil er das Geld braucht. Für Stratos gebietet es die Ehre, dass er die Gefängnisbefreiung seines Kumpels finanziert, weil der ihm mal das Leben rettete. In seinem vierten Spielfilm nutzt Yannis Economides die Kinofigur des Auftragsmörders für einen Blick in eine desolate Welt. Der Regisseur nimmt zum ersten Mal an der Berlinale teil.

Berlinale/ China Film Company

Wu Ren Qu
"Das ist eine Geschichte über Tiere", kündigt der Held des Films an, ein aus der Großstadt stammender Rechtsanwalt. Ob damit tatsächlich nur die Falken gemeint sind, die im nächsten Bild zu sehen sind? Denn als der Anwalt für einen Prozess in das felsenreiche Niemandsland in Xinjiang reisen muss, wird er zum Getriebenen von Menschen ohne Moral. "Wu Ren Qu" wurde schon vor vier Jahren fertiggestellt, doch die chinesische Filmbehörde stellte immer wieder neue Schnittauflagen an den staatskritischen Regisseur Ning Hao. Auf der Berlinale läuft eine Version, für die einige Szenen nachgedreht wurden.

Berlinale/ The Little House Film Partners

Chiisai Ouchi
Ein junger Mann entdeckt durch Zufall das Tagebuch einer verstorbenen Verwandten: Die alte Frau beschreibt darin ihr Leben als Angestellte bei einer reichen Familie aus Tokio. Als Hausmädchen bekommt die junge Frau mit, wie die Hausherrin eine heimliche Liebesaffäre mit einem jungen Kunstschulabsolventen beginnt – und muss eines Tages eine schwere Gewissensentscheidung treffen. Regisseur Yoji Yamada, Schüler des japanischen Meisterregisseurs Ozu Yasujiro, feierte mit dem Film "Tokyo Kazoku" schon im vergangenen Jahr eine internationale Premiere bei der Berlinale.

Berlinale/ José Haro

Aloft
2009 gewann die peruanische Regisseurin Claudia Llosa den Goldenen Bären mit "La teta asustada". Jetzt startet Llosa mit dem Drama "Aloft" im Wettbewerb: Zusammen mit einer jungen Dokumentarfilmerin reist Iván durch eine unbekannte Winterlandschaft. Der Grund der Reise: Iván ist auf der Suche nach seiner Mutter Nana. Llosas Film über die Vereinbarkeit von Verantwortung und Neuanfang ist mit Cilian Murphy und Jennifer Connelly in den Hauptrollen hochkarätig besetzt.

Berlinale/ Christian Geisnæs

Nymphomaniac Volume I
Nach 20 Jahren kehrt Regisseur Lars von Trier, berühmt und berüchtigt für Provokation und Radikalität, zurück zur Berlinale. 1984 präsentierte er in der Panorama-Sektion seine Abschlussarbeit von der Dänischen Filmhochschule. Jetzt zeigt er im Wettbewerb außer Konkurrenz den ersten Teil seines neuen Epos "Nymphomaniac": Die selbstdiagnostizierte Nymphomanin Joe (Charlotte Gainsbourg) erzählt einem alten Junggesellen (Stellan Skarsgård) ihre lustvolle, schmerzhafte Lebensgeschichte. Die Berlinale-Besucher sehen die ungekürzte – sexuell explizitere - Fassung des Films.

Berlinale/ Concorde

La belle et la bête
Die Berlinale hat unter den internationalen Filmfestivals den Ruf, den Wettbewerb vor allem mit Gesellschaftsdramen mit hohem sozialkritischen Anspruch zu bestücken. Christophe Gans' Fantasy-Verfilmung des französischen Märchenklassikers "Die Schöne und das Biest" fällt da irgendwie aus der Reihe. Der bekannte Plot: Um ihren Vater vorm Todesurteil zu retten, begibt sich seine Tochter in den Palast eines mysteriösen Gutsbesitzers. Besetzt ist Gans' opulenter Fantasyfilm mit dem Nachwuchsstar Léa Seydoux und Vincent Kassel, Hollywoods Franzosen für alle Fälle – eine Chance auf den Sieg hat der Film aber nicht, weil er außer Konkurrenz läuft

Berlinale/ 20th Century Fox

Monuments Men
Im Zweiten Weltkrieg wurde eine amerikanische Sondereinheit von den Alliierten beauftragt, wertvolle Schätze und Kunstwerke vor den Nationalsozialisten zu retten. Nach dem realen Vorbild dieser Kunstschutzoffiziere inszeniert George Clooney die Truppe in seinem vierten Spielfilm als launigen Männerbund. Der Cast bietet mit Matt Damon, Cate Blanchett und selbstverständlich Clooney selbst, handverlesenes Hollywood. Nun hat der spektakuläre Raubkunstfall um den Kunstsammler Cornelius Gurlitt Clooneys neuestem Werk vermutlich schon den Boden für volle Kinokassen bereitet. Aber auf den Goldenen Bären kann der Hollywood-Star nicht hoffen. Sein Film läuft im Wettbewerb außer Konkurrenz.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
KurtFolkert 12.02.2014
1.
Soldaten müssen ausbaden, was die Politik bzw. der Wähler versäumt hat.
rob72 12.02.2014
2. Mal wieder SPON
Ich finde "Zwischen Welten" einfach gelungen, auch das Publikum war begeistert. Ich habe selten einen so authentischen, gut ausgestatteten deutschen Film gesehen. Endlich mal Soldaten die wie Soldaten aus sehen und nicht wie sonst üblich in "Faschingskostümen" rumlaufen und in Fahrzeugen fahren die es nie bei der Bundeswehr gab. Und die afghanischen Darsteller top! Die Streifen aus Hollywood mit Clooney und Co. sind dagegen echt schrott .... Und nicht mal würdig im Wettbewerb zu laufen.
mesteiner 12.02.2014
3. Ich kann nur hoffen,
dass unsere Politiker (besonders unsere neue Verteidigungsministerin) sich den Film "Zwischen Welten" intensiv anschauen und endlich den vollständigen Rückzug der deutschen Truppen Ende 2014 einleiten. Es lohnt nicht, für dieses korrupte und rückständige (islamistische) Land zu kämpfen. Mit dem eingesparten Geld kann man hier in D so viel nützliches machen. In Afganistan verschwindet das Geld in einem dunklen Loch. Und wer schützt die 800 deutschen Soldaten, die nach 2014 noch in Afganistan bleiben sollen? Wahnsinn!
Einweckglas 12.02.2014
4. Moderne deutsche (Anti-)Kriegsfilme...
...können ja nicht funktionieren, wenn man sich doch stets selbst im Weg steht. Dabei hätte man sich ja auch an Klassikern wie "Im Westen nichts Neues" etc. orientieren können. Aber wer will schon in der weichgewaschenen und stets ums politisch korrekte besorgte BRD der Neuzeit desillusionierte "Helden" sehen, die doch anfänglich an eine "gerechte" Sache glaubten und dafür kämpften, litten, abstumpften, starben etc. Dabei ist dies das wirkliche Trauma der deutschen Vergangenheit und dem kann dieses Weichspültheater von Tolpatschen und Mimosen in Uniform gar nicht gerecht werden. Hätte die Bundeswehr das nicht sponsern können? Dann wäre vielleicht noch ein halbwegs guter Werbefilm dabei rausgekommen! (Bösegrins) ;-)
beobachter11 13.02.2014
5. gelungen : zwischen welten
Zitat von sysopWolfgang Ennenbach / MajesticDas deutsche Afghanistan-Drama "Zwischen Welten" scheitert. Die US-amerikanische Doku "Night Will Fall" über die Befreiung der Konzentrationslager berührt. Und der schwule Liebesfilm "Praia Do Futuro" aus Brasilien ist berückend schön. Unser Berlinale-Tagebuch. http://www.spiegel.de/kultur/kino/berlinale-zwischen-welten-night-will-fall-praia-do-futuro-a-952873.html
kein einfacher film, aber ein wahrer. einer, der dem kundigen und unkundigen zuschauer einblick gibt und dabei nichts beschönigt. das ist natürlich manchmal nicht einfach verdaulich, zeigt aber die leider traurige realität. ich war bis vor nicht allzu langer zeit fast 2,5 jahre da - mich hat der film und das schicksal der protagonisten berührt, die wut auf das korrupte karsai- regime erneut entfacht und gezeigt, wie wenig dort in den letzten 12 Jahren erreicht wurde. Aber: der film zeigt ja auch warum....
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