Bestseller-Verfilmung Eichinger bekam das begehrte "Parfum"

Nach jahrelangem Zögern bewilligte der deutsche Bestsellerautor Patrick Süskind die Verfilmung seines Welterfolgs "Das Parfum". Die Exklusivrechte kaufte der Münchner Filmproduzent Bernd Eichinger.


Zürich/München - Über den Preis sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte die Sprecherin von Süskinds Verlag Diogenes, Ruth Geiger, am Mittwoch in Zürich. Nach Informationen von "Variety" dürfte der Preis jedoch zwischen fünf und zehn Millionen Dollar (bis 20,1 Millionen Mark) liegen. "Eine der größten Auktionen von Buchrechten der letzten Jahre", schrieb das US-Branchenblatt.

Sicherte sich den Weltbestseller: Produzent Eichinger
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Sicherte sich den Weltbestseller: Produzent Eichinger

Eichinger habe bei der Umsetzung des Stoffs freie Hand, sagte der Sprecher seiner Produktionsgesellschaft Constantin Film in München, Thomas Friebel. Süskind werde an dem Drehbuch nicht mitarbeiten. Regisseur und Darsteller seien noch nicht gefunden. Der Münchner Regisseur Helmut Dietl, der mit Süskind unter anderem bei den TV-Serien "Kir Royal" und "Monaco Franze" sowie beim Buch für den Film "Rossini" (1996) mit Götz George, Mario Adorf und Gudrun Landgrebe zusammenarbeitete, steht nicht zur Verfügung. Das ließ der Erfolgsregisseur auf Anfrage über seine Diana-Produktionsfirma in München ausrichten.

Es sei noch zu früh zu sagen, wann der Film in die Kinos komme, sagte Friebel. "Der Stoff wird nicht in der Schublade landen. Eichinger entwickelt bereits ein Konzept." Eichinger gewann die Rechte nach Angaben von "Variety" unter anderem gegen die Konkurrenz New Yorker Produzenten von IEG, AMG und Miramax, die den Film mit Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio verfilmen wollten.

Das Buch entstand 1985 und wurde mit mehr als 15 Millionen verkauften Exemplaren zu einem Welterfolg. Nach Angaben von Diogenes war es der größte deutsche Bucherfolg seit Erich Maria Remarques "Im Westen nichts Neues" von 1929. Das Buch handelt von einem Mann, der im 18. Jahrhundert auf einem stinkenden Pariser Fischmarkt zur Welt kommt, selber ohne Körpergeruch ist, aber einen unvergleichlichen Geruchssinn entwickelt. Auf der Suche nach dem absoluten Duft wird er zum Mörder. Neun Jahre stand das Buch auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Es wurde von der "New York Times" 1986 zum "Buch des Jahres" gewählt und in 37 Sprachen übersetzt.

"Für mich ist 'Das Parfum' eines der Jahrhundertbücher", sagte Eichinger. Es sei kein Geheimnis, dass er sich seit Jahren um die Verfilmungsrechte bemüht habe. Eichinger hat unter anderem "Die unendliche Geschichte", "Der Name der Rose" und "Das Geisterhaus" als internationale Kinoerfolge produziert.

Süskind, der zurückgezogen in München lebt und seit Jahren jedes Interview ablehnt, war seit dem Erscheinen des Buches von Filmproduzenten aus aller Welt bestürmt worden, darunter nach Angaben von Diogenes auch von Hollywood-Größen mit Rang und Namen. Süskinds Wunschkandidat soll jedoch Stanley Kubrick gewesen sein, der im vergangenen März starb, ohne ein Angebot für die Verfilmung abgegeben zu haben.



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