Biografie-Verfilmung Schweighöfer spielt Reich-Ranicki

Er war schon Schiller, spielte Rainer Langhans und tobt zurzeit als "roter Baron" durchs Kino: Matthias Schweighöfer setzt zum Sprung unter die Topstars der deutschen Film- und Fernsehbranche an. Seine nächste große Rolle: der Literatur-Kritiker Marcel Reich-Ranicki.


Hamburg - Lange Zeit herrschte Ruhe um die Verfilmung der Bestseller-Biografie "Mein Leben", jetzt gibt es zumindest einen Hauptdarsteller: Matthias Schweighöfer bestätigte gegenüber der Agentur dpa, dass er den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki verkörpern wird. In der von Katharina Trebitsch produzierten Verfilmung spielt der 27-jährige Berliner den späteren "Literaturpapst" im Alter von 20 bis 40 Jahren, was auch die Verfolgung durch die Nationalsozialisten und die Flucht aus dem Warschauer Ghetto beinhaltet. Er freue sich darauf, Reich-Ranicki "mit schwarzen Haaren und Glatze zu spielen", sagte Schweighöfer der Agentur.

Schauspieler Schweighöfer (mit seinem Bambi als bester Darsteller 2007): Faible für Historien-Rollen
REUTERS

Schauspieler Schweighöfer (mit seinem Bambi als bester Darsteller 2007): Faible für Historien-Rollen

Die Regie führt der aus Israel stammende TV-Regisseur Dror Zahavi. Produzentin Trebitsch hatte im vergangenen Winter angekündigt, aus der bewegten Biografie Reich-Ranickis einen Film zu machen, der auch für die Jugend interessant ist und deutlich die Handschrift Zahavis trage. Der 48-Jährige wurde vor allem durch Event-Filme wie "Die Luftbrücke" bekannt.

Mit Matthias Schweighöfer als Hauptdarsteller ist jedoch schon viel gewonnen, denn der aufstrebende TV- und Kinostar hat bereits mehrmals bewiesen, dass er auch mediokren Filmen Charme verleihen kann. Vor allem in historischen Rollen konnte er bisher glänzen, angefangen bei der angemessen stürmenden und drängenden Darstellung des jungen Schiller im TV-Film von 2004. Seitdem mausert sich der lausbübische Jungdarsteller zu einem der markantesten Gesichter in der deutschen Filmlandschaft. 2006 brillierte er als wuschelmähniger Kommunen-Chaot im ansonsten missglückten 68er-Schmonz "Das wilde Leben", aktuell ist er als "roter Baron" Manfred von Richthofen im Kino zu sehen.

Laut dpa plant Schweighöfer nun auch schon sein Regiedebüt. "Ende 2009 werde ich selbst meinen ersten Film drehen", sagte er, das Drehbuch verfasse er gemeinsam mit "Keinohrhasen"-Autorin Anita Decker. Zur Zeit steht der Vielbeschäftigte mit Josef Bierbichler in den Tiroler Alpen für den Kinofilm "Rigor Mortis" vor der Kamera. Das sei "ein Ensemblefilm über eine Familie, die zerbricht", sagte Schweighöfer, der darin einen alkoholabhängigen Sohn spielt. Danach tritt er in Sven Taddickens Piraten-Film "Zwölf Meter ohne Kopf" als bester Freund des Freibeuters Störtebecker auf.

Die Dreharbeiten für die Reich-Ranicki-Verfilmung sollen ebenfalls noch in diesem Jahr beginnen. Dem inzwischen 87-jährigen Kritiker wird's gefallen, denn der beklagte sich bereits im vergangenen Jahr lautstark, dass er seine Lebensgeschichte im Kino gerne noch selbst sehen möchte.

bor/dpa



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