Black Cinema "Shaft"-Regisseur Gordon Parks gestorben

Der Filmemacher und Fotograf Gordon Parks war der erste afroamerikanische Regisseur, der in Hollywood Filme drehen durfte. Mit seinem schwarzen Detektiv "Shaft" brachte er Anfang der siebziger Jahre die "Blaxploitation"-Welle ins Rollen. Parks starb gestern im Alter von 93 Jahren.


Los Angeles - Gordon Parks war schon ein weltweit berühmter Fotograf, als er Ende der sechziger Jahre noch einmal zum Pionier wurde. Der gefeierte Porträtist des schwarzen amerikanischen Alltagsleben, dessen Fotografie "American Gothic" von 1942 noch heute zu den Poster-Klassikern gehört, hatte einen Roman über seine Kindheit in Fort Scott, Kansas geschrieben. Der 1912 geborene Farmerssohn entging der ruralen Hölle aus Armut und Rassentrennung nur durch den Glauben an sein Talent und den Willen zur Durchsetzung, den ihm seine früh verstorbene Mutter mit auf den Weg gegeben hatte.

Fotograf Parks:  Kämpfer gegen Armut und Rassismus. 
REUTERS

Fotograf Parks: 
Kämpfer gegen Armut und Rassismus. 

Das 1963 veröffentlichte Buch "The Learning Tree" erzählt, kaum verfälscht, diese autobiografische Geschichte. 1969, als die Filmbranche sich langsam vom alten Studiosystem löste und jungen, rebellischen Filmemachern eine Chance gab, kaufte Warner Brothers den Stoff und ließ Parks alles selbst machen: So wurde der Fotograf und Autor zahlreicher Essays auch noch zum Drehbuchschreiber, Produzenten, Regisseur und Kameramann. Sogar die Filmmusik für "The Learning Tree" schrieb er selbst. Das heute fast vergessene Werk gilt als Meilenstein der amerikanischen Kinogeschichte, denn erstmals gelangte ein von einem afroamerikanischen Regisseur gedrehter Film eines großen Studios in die Kinos - fünf Jahre nach dem Oscar-Triumph des schwarzen Schauspielers Sidney Poitier mit "Lilien auf dem Felde".

Zwei Jahre später schaffte Parks einen weiteren Durchbruch: Mit der Figur des afroamerikanischen Detektivs John Shaft (gespielt von Richard Roundtree) eroberte er das als reaktionär geltende und von weißen Haudegen wie Clint Eastwood dominierte Genre des Polizeithrillers. "Shaft" und die Fortsetzung "Shaft's Big Score" wurden zur Blaupause für ein selbstbewusstes schwarzes Kino, das sich in den siebziger Jahren mit der Welle der sogenannten Blaxploitation-Filme einen festen Platz in der Geschichte des US-Kinos erkämpfte. Die lauten, bunten und brutalen Trash-Orgien  des Blaxploitation-Kinos, darunter "Superfly ", "Black Caesar" oder "Foxy Brown", spiegelten das Leben der Schwarzen in den Großstädten wider, richteten sich vorwiegend an ein schwarzes Publikum und beeinflussten letztlich Regisseure wie Spike Lee und John Singleton, die das Black Cinema in zweiter Generation zur Erwachsenenreife und Mainstream-Tauglichkeit geführt haben. Singleton ("Black Presidents") erwies dem Pionier Parks vor fünf Jahren seine Reverenz durch ein "Shaft"-Remake mit Samuel L. Jackson in der Hauptrolle.

So wurde Parks, der nie einen High-School-Abschluss machte, zur Ikone eines erstarkenden schwarzen Selbstbewusstseins. Bereits in den fünfziger Jahren hatte er das Unglaubliche vollbracht und wurde als erster Afroamerikaner fest in den Fotografenstamm der renommierten Illustrierten "Life" übernommen. Parks fotografierte in seiner 25-jährigen Karriere bei dem Magazin viele unterschiedliche Themenbereiche, darunter auch Modenschauen. Gefeiert wurde er jedoch vor allem als humanitär engagierter Fotojournalist, der seine Arbeit dazu nutzte, die alltägliche Armut der Afroamerikaner und den wütenden Rassismus zu dokumentieren. Neben "American Gothic", jenem Porträt einer ausgezehrten schwarzen Putzfrau vor dem Sternenbanner, schuf Parks auch denkwürdige Porträts des Bürgerrechtlers Malcolm X und der schwarzen Boxer-Legende Muhammad Ali.

Immer wieder wurde auch er selbst mit Rassismus konfrontiert. Das Bild der Putzfrau Ella Watson vor der US-Flagge, ein besonders zorniger Verweis auf die Bigotterie der amerikanischen Gesellschaft, entstand, nachdem Parks in einem Restaurant, einer Kleider-Boutique und einem Kino abgewiesen worden war, weil er schwarz war.

Gordon Parks starb gestern Abend in seinem Apartment in Manhattan, New York. Er wurde 93 Jahre alt.

Andreas Borcholte



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