Blockbuster-Schrott "Transformers 3" Ich Maschine, du tot

Wo ist der TÜV, wenn man ihn mal braucht? Spätestens nach dem dritten Teil von Michael Bays "Transformers"-Spektakel sollte jemand seine Maschinen-Saga aus dem Verkehr ziehen - die kriegslüsterne und humorfreie Blech-Parade erweist sich als absolut unterhaltungsuntüchtig.

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Paramount Pictures

Ein unscheinbarer Fotokopierer, der sich im Großraumbüro plötzlich zum fiesen Robotergeier entfaltet: Das ist einer der spärlichen Momente, die von fast 160 Minuten "Transformers 3" als amüsant in Erinnerung bleiben. Denn da blitzt noch einmal kurz der Spaß an der naiven Kinderzimmer-Idee auf, derzufolge Maschinenwesen aus dem Weltall getarnt als Autos und sonstige Alltagsgüter auf der Erde existieren.

Michael Bays erster "Transformers"-Film aus dem Jahr 2007 verlieh den gleichnamigen Spielzeugfiguren noch weitaus mehr Charme und bot außer der obligatorischen Materialschlacht einige nette Augenblicke simpler Freude über die Verwandlungskunst der Metallriesen. Das infantile Staunen und der Reiz des Animismus kamen jedoch bereits in der ungleich konfuseren Fortsetzung "Transformers: Revenge of the Fallen" unter die Räder. Bays neueste Blechparade, jetzt selbstverständlich in 3D, präsentiert sich nun als die humorfreie Zuspitzung eines ausladenden Kriegsspiels, dessen Hauptverlierer das Publikum ist.

Wenig überraschend geht es weiterhin um den Konflikt zwischen menschenfreundlichen Autobots, die mit ihrem Anführer Optimus Prime im US-amerikanischen Asyl leben, und den nach Weltherrschaft strebenden Decepticons. Aufhänger der Familienfehde ist diesmal ein Raumschiff der Transformer, das vor Jahrzehnten auf der abgewandten Seite des Mondes strandete. An Bord sind außerirdische Artefakte verborgen, die mal wieder das Schicksal der Erde entscheiden können.

Die Blockbuster-Variante von "Shock And Awe"

Menschlicher Protagonist inmitten von Maschinen ist erneut Shia LaBeouf als Sam Witwicky. Der nunmehr erwachsene Freund der Autobots ist anfangs auf Arbeitssuche und hat zudem mit seiner Eifersucht zu kämpfen, denn Freundin Carly (Rosie Huntington-Whiteley) pflegt ein sehr inniges Verhältnis zu ihrem Boss, dem schwerreichen und attraktiven Ex-Rennfahrer Dylan (Patrick Dempsey).

Die humanen Beziehungsprobleme werden indes gleichsam langatmig wie hölzern inszeniert, so dass man schnell die nächste Verschrottungsorgie der stählernen Titelhelden herbeisehnt. Doch wirklich in Fahrt kommt der Film trotz pompös aufgetürmter Schauwerte nie, dafür nimmt er seine schematische Handlung viel zu ernst. Insbesondere die Rolle der Autobots hat sich darin geändert: Die Roboter sind keine fremden Wunderwerke mehr, sondern Teil des US-Militärapparats. In dieser Funktion zerlegen sie dann auch mal quasi im Vorbeifahren eine feindliche Nuklearanlage im Nahen Osten - die absurde Blockbuster-Variante von "Shock And Awe".

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Rosie Huntington-Whiteley: Vom Laufsteg auf den roten Teppich
Die Decepticons hingegen tragen die Täuschung schon im Namen; sie sind die ultimativen Schläfer, jeder eine unentdeckte Terrorzelle. Nicht genug damit: Megatron, rotäugiger Anführer dieser irregulären Kombattanten, pflegt in seinem Wüstenversteck den Look eines Warlord. Taliban oder Transformer, das ist in Michael Bays übergroßer Sandkiste im Grunde das Gleiche.

Dazu durchzieht eine Sehnsucht nach militärischer Potenz den Film, der noch mehr als seine Vorläufer das Soldatentum feiert. Als Chicago zum Schauplatz einer gefühlt endlosen - aber nur mäßig spannenden - Auseinandersetzung zwischen Autobots und Decepticons wird, kann Bay seine berüchtigten Fetischaufnahmen von Kampfhubschraubern, Marschflugkörpern und sonstigem Kriegsgerät auffahren. Vielfach beschwört die Sci-Fi-Wehrsportübung so die Handlungsfähigkeit einer Armee, die im Gegensatz zur Realität heutiger Gefechte kein Verzagen und keine Ohnmachtgefühle kennt.

Kennen die Transformers eigentlich Sex?

Passend zur martialischen Botschaft dominiert auch bei der Ausgestaltung der menschlichen Rollen die Brechstange. Shia LaBoeufs Held hetzt wie auf Autopilot durch seine Szenen und wirkt insgesamt genervt von der Wiederkehr des Immergleichen. Lediglich als ornamentales Beiwerk leistet sich der Film Charakterdarsteller wie John Turturro, der erneut den exzentrischen Agenten Seymour Simmons gibt, sowie Frances McDormand als Geheimdienstchefin und John Malkovich in der Rolle eines spleenigen Managers. Was diese Schauspieler abseits der Gage zur Mitwirkung bewegt haben mag, bleibt das wohl größte Geheimnis der Transformers.

Und dann ist da natürlich noch Rosie Huntington-Whiteley, Nachfolgerin der - abhängig von der jeweiligen Boulevardmeinung - böse geschassten oder zu Recht entlassenen Megan Fox. Bay führt das vormalige Dessous-Model mit einer Großaufnahme ihres Gesäßes ein, und auch sonst muss die Britin für die gänzlich in der Pubertät verharrenden Pin-up-Phantasien des Films herhalten. Ob die Debütantin als einsame Schlumpfine unter männlichen Robotern und roboterhaften Männern nur überfordert oder aber schlicht gelangweilt ist, lässt sich nicht abschließend feststellen. Mit glaubhaftem Schauspiel hat ihr Auftritt jedenfalls nichts zu tun, insofern bürgt die Besetzung für Kontinuität.

Spannender wäre in diesem Zusammenhang ohnehin die Frage, ob die weitgereisten Transformer in ihrem Jungenuniversum eigentlich Sex kennen. Kopulieren statt kämpfen, das wäre vielleicht auch für Maschinenwesen eine Alternative zur Triebabfuhr durch Dauerkrieg.

Doch davon würde auch ein vierter Film nicht erzählen. Bleibt also nur der Ruf nach einem TÜV, der die Autobots und alle anderen Transformer aus dem Verkehr zieht. Wegen akuter Unterhaltungsuntüchtigkeit.



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manometer 28.06.2011
1. Sowas hat's Früher nicht gegeben
Da lob ich mir doch Rambo/Stallohne, wie er, sein unvergleichliches Minenspiel zur Geltung bringend, vom Russischen Major gefragt, wer denn sei, gepflegt sonor antwortete: "Ich bin Ihr schlimmster Albtraum." Sprachs und besiegte im Alleingang die Russische Armee in Afghanistan. Kinder, das waren noch Zeiten ...
jjr 28.06.2011
2. Jede Botschaft braucht ihre Zielgruppe...
...und David Kleingers gehört nicht dazu. Auch wenn (selbstverständlich) Dramaturgie, Schauspielkunst und technisches Handwerk bewertet werden müssen, so gehört doch auch eine Einschätzung der Zielgruppen-Adäquatheit dazu. Ich bin mir sicher, dass der Film unter diesem Aspekt erfolgreich sein wird.
Henson222 28.06.2011
3. Sehr gut...
Dann kann ich mir den Film ja sparen. Nach dem wirklich guten und spassigen ersten Teil war ich vom zweitehn schon extrem genervt. Tiefpunkt waren diese Metalleier an einem der Riesenroboter. Teil drei sollte ja wieder besser werden. Wenn dies missglückt ist, dann ist mir das nur Recht. Dazu gibts noch genug gutes im aktuellen Kinoprogramm.
Nixon 28.06.2011
4. Totale Zustimmung
Als Kind habe ich mit den Action figuren gespielt bevor Gameboy und NES ein neues Zeitalter in den Kinderzimmern eingeleutet haben. War der erste Film schon eine herbe Enttäuschung, so war der zweite absolut ungeniesbar. Nun gut, man gehört offenbar nicht mehr der Zielgruppe an und der persönliche Anspruch an Kino Filme ist mit den Jahren kontinuierlich gestiegen, aber was in diesen Filmen an fragwürdigen, tradierten Werten an die junge Generation vermittelt wird ist bedenklich. Es war zu erwarten, dass sich das mit dem dritten Teil nicht verbessern würde.
wanderprediger, 28.06.2011
5. und es hat bumm gemacht
Zitat von sysopWo ist der TÜV, wenn man ihn mal braucht?*Spätestens*nach*dem dritten Teil*von Michael Bays*"Transformers"-Spektakel*sollte jemand*seine Maschinen-Saga aus dem Verkehr ziehen -*die kriegslüsterne und humorfreie Blech-Parade*erweist sich als*absolut unterhaltungsuntüchtig. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,770981,00.html
Das frage ich mich bei so manchen Spon-Artikel auch
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