"Blow-Up" Filmregisseur Michelangelo Antonioni gestorben

Mit "Blow-Up" und "Zabriskie Point" reflektierte er Popkultur und 68er-Bewegung: Der italienische Avantgarde-Filmregisseur Michelangelo Antonioni ist im Alter von 94 Jahren gestorben.


Rom - Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf Antonionis Familie berichtete, starb der Künstler und Filmemacher am Montagabend zu Hause im Alter von 94 Jahren. Zu den berühmtesten Filmen des in Ferrara geborenen Regisseurs gehört der medien- und popkulturkritische Film "Blow-up" (1966) sowie die 68er-Reflexion "Zabriskie Point" von 1970.

Regisseur Antonioni: Legendärer Kinokünstler
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Regisseur Antonioni: Legendärer Kinokünstler

Antonioni galt als legendäre Figur der Kinokunst, einen Ruf, den er sich mit seinen ästhetisch bahnbrechenden Filmen der sechziger Jahre erwarb, darunter die Trilogie "L'avventura" (1960), "La Notte" (1961) und "L'eclisse" (1962), die sich mit der inneren Zerrissenheit der oberen Gesellschaftsschicht beschäftigt.

1995 brachte Antonioni mit Hilfe von Wim Wenders seine Erzählungen "Bowling am Tiber" unter dem Titel "Jenseits der Wolken" auf die Leinwand. Im gleichen Jahr erhielt er den Oscar für sein Lebenswerk. "Unter seinen Augen gerät wirklich jede Kopfbewegung, jede Geste, jede Kamerabewegung zu etwas Notwendigem, Unabänderlichem, Unverwechselbarem", sagte Wenders über die Kunst des Italieners.

"Blow Up", der 1967 in Cannes die Goldene Palme gewann, begründete den Weltruhm Antonionis. Der damals als state of the art geltende Film über die Identitätssuche im London der Swinging Sixties mit David Hemmings und Vanessa Redgrave als orientierungslose Drifter im Wirbel der Engrenzungen des Zeitgeists gilt bis heute als einer der wichtigsten Filme der sechziger Jahre und setzte filmästhetische Maßstäbe.

Vier Jahre später erreichte Antonioni einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere. Das Roadmovie "Zabriskie Point" aus dem Jahr 1970, eine Hommage an die 68er-Bewegung und ein Porträt der späten Sechziger in Amerika. In dem Film brechen ein Student und eine Angestellte mitten in der Zeit der Revolten gegen den Vietnam-Krieg kurz aus ihrem Alltagsleben aus und treffen sich in der Wüste. Am Scheitern der persönlichen Flucht spiegelt sich die Niederlage der politischen Bewegung.

Nachdem Antonioni 1985 einen Schlaganfall erlitt, trat er als Filmemacher immer mehr in den Hintergrund und konnte aus gesundheitlichen Gründen - er musste die meiste Zeit im Rollstuhl verbringen - nur noch Kurzfilme drehen. Zuletzt fertigte er für das Kurzfilm-Triptychon "Eros" (2004) das Segment "Il filo pericoloso delle cose" an.

Antonioni, der am gleichen Tag starb wie sein nicht minder berühmter Kollege und Zeitgenosse Ingmar Bergman, sei "friedlich in seinem Sessel" eingeschlafen, hieß es, seine Frau Enrica Fico sei an seiner Seite gewesen. Am Donnerstag werde er in seinem Geburtsort Ferrara bestattet.

bor/AFP/AP/Reuters



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