Zum Tode von Bob Hoskins Mit Herz und Plauze

In "Meerjungfrauen küssen besser" bezirzte er Cher, als Privatdetektiv brillierte er in "Roger Rabbit": Bob Hoskins gab in vielen Filmen den grantigen Dicken mit Herz. Nun ist der Schauspieler mit 71 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

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"Einmal in meinem Leben möchte ich einen Piraten spielen. So mit Hinkefuß und schwarzem Bart. Das wär' toll", sagte Bob Hoskins in einem Interview. Es erschien zum Start der Komödie "Meerjungfrauen küssen besser", in der Hoskins 1990 an der Seite von Cher und Winona Ryder, wie immer den kleinen, knubbeligen Dicken gab. Vielleicht wusste er damals schon von seiner nächsten großen Rolle, vielleicht fügte sich auch einfach nur das Schicksal.

Denn nur wenig später sollte Hoskins, 1942 in Suffolk geboren, in einem veritablen Blockbuster zu sehen sein, in Steven Spielbergs Peter-Pan-Verfilmung "Hook". Allerdings nicht als der namensgebende Pirat, den durfte Dustin Hoffman spielen, sondern als dessen liebenswert tölpeliger Gehilfe Smee. Ein Pirat, das schon, wenngleich eher ein Pirätchen. Aber was für ein Triumph war diese kleine Nebenrolle! Der Schriftsteller und "FAZ"-Kritiker Dietmar Dath brachte Hoskins' Sternstunde 2012 bildreich auf den Punkt: "Hoffman muss sich hier wieder und wieder von einem kleinen, dicken, haarigen, grotesken Butterbällchen an die Wand spielen lassen, das aus nichts als losgelassenem, pausbäckigem Mopsfuror besteht".

"Mopsfuror", besser kann man nicht beschreiben, wie ausdrucksvoll Hoskins seine Mimik einsetzte - und damit stets den Eindruck erweckte, er könne jeden Moment explodieren. Mimik und Physis brachten ihm im Verlauf seiner langen Karriere, während der er in über hundert Filmen oder Serien mitspielte und immer wieder auf der Theaterbühne stand, regelmäßig die Rolle des Straßenköters und Ganoven, unter dessen aufschäumender Gemeingefährlichkeit sich ein liebenswerter Charakter zu verbergen schien.

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Bob Hoskins ist tot: Straßenköter und Ganoven
Der Gangster Harold Shand, den Hoskins 1980 in John Mackenzies "Rififi am Karfreitag" gab, war so eine Paraderolle. Auch in Francis Ford Coppolas "Cotton Club" und Terry Gilliams "Brazil" gab er zwielichtige, grobschlächtige Figuren. Allerdings sei genau das eines der größten Missverständnisse, sagte er 2007 dem britischen "Independent": "Die Leute glauben, ich wäre ein harter Bursche. Du siehst am Ende aber nicht so aus wie ich, wenn du ein harter Bursche bist. Ich habe nur eine große Klappe mit wenig dahinter."

Fensterputzer und Feuerschlucker

Eine grandiose Persiflage dieser Rollen zeigte Hoskins 1988 als entnervter Privatdetektiv Eddie Valiant im halbanimierten Spektakel "Falsches Spiel mit Roger Rabbit". Am besten war Hoskins aber, wenn er den einfachen Mann von der Straße spielen konnte: Als verkrachter Callgirl-Chauffeur in Neil Jordans "Mona Lisa" (1986), wofür er eine Oscar-Nominierung bekam und einen Golden Globe gewann, oder als Arbeiterklassen-Priester im IRA-Konflikt in Mike Hodges' Thriller "Auf den Schwingen des Todes" (1987). 2010 wurde er für seine Darstellung eines Kneipenwirts, der sich in zwei Episoden der britischen TV-Serie "The Streets" gegen Gangster behauptet, mit dem Emmy ausgezeichnet.

In einem Pub begann einst auch Hoskins' Karriere als Schauspieler. Er war 25 Jahre alt, lebte im eher ärmlichen Norden Londons und hatte gerade beschlossen, seine Ausbildung zum Buchhalter abzubrechen. In der Kneipe wartete er auf einen Freund. Die Laienspielgruppe, die dort Darsteller für eine Aufführung probte, hielt ihn jedoch für einen Anwärter auf einen Schauspieler-Part. Der überrumpelte, schon leicht angeheiterte Hoskins sprach vor - und bekam prompt die Hauptrolle.

Zuvor hatte er bereits ein ereignisreiches Leben hinter sich, was vielleicht erklärt, warum Hoskins' Filmfiguren immer ein wenig älter und abgenutzter erschienen, als sie laut Drehbuch eigentlich sein sollten. Nachdem er mit 15 von der Schule abgegangen war, fiel der Sohn eines Buchhalters und einer Schulköchin zunächst auf als einer jener Lederjacken tragenden Rocker, die im Seebad Brighton die gegnerischen Mods verprügelten. Eine Band, in der er sich als Musiker versuchte, löste sich auf, als der Großteil der Mitglieder ins Gefängnis musste. Hoskins war Lagerarbeiter, Lastwagenfahrer, Fensterputzer und Feuerschlucker im Zirkus. Als Matrose der Handelsmarine verschlug es ihn zu den Beduinen in die Wüste Arabiens und zum Orangenpflücken nach Israel.

Die Schauspielerei kanalisierte diese Herumtreiberei, und spätestens als er 1984 seine zweite Frau Linda, eine Lehrerin, heiratete, wurde Hoskins Lebensstil ruhiger.

2012 beendete Hoskins seine Laufbahn als Schauspieler, ein Jahr zuvor war bei ihm die Nervenkrankheit Parkinson diagnostiziert worden. Der begeisterte Hobby-Koch und Gärtner freue sich auf den Ruhestand mit seiner Familie und bitte, dass seine Privatsphäre geachtet werde, hieß es damals. Seinen letzten Auftritt hatte der Meister des Mopsfurors als einer der sieben Zwerge im Märchenfilm "Snow White and The Huntsman".

Robert William "Bob" Hoskins starb am Mittwoch im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung in einem Londoner Krankenhaus. Er hinterlässt seine Ehefrau und seine beiden erwachsenen Kinder Rosa und Jack.



insgesamt 8 Beiträge
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Demokrator2007 30.04.2014
1. R.I.P. Bob
Toll fand ich ihn in Roger Rabbit, Duell-Enemy at the Gates, Outlaw und vielen anderen Filmen. Zeit für eine Film Retrospektive im TV. Ciao DD
vulcan 30.04.2014
2.
Zitat von sysopddp imagesIn "Meerjungfrauen küssen besser" bezirzte er Cher, als Privatdetektiv brillierte er in "Roger Rabbit": Bob Hoskins gab in vielen Filmen den grantigen Dicken mit Herz. Nun ist der Schauspieler mit 71 Jahren gestorben. Ein Nachruf. http://www.spiegel.de/kultur/kino/bob-hoskins-ist-tot-nachruf-a-967041.html
Wieder einer von den richtig Guten, Unauffälligen weniger...unvergessen aber in (u.a.) Mona Lisa, The long Good Friday (ich kann den dämlichen deutschen Titel einfach nicht benutzen). Kann ich mich nur anschließen - R.I.P.
Tania 30.04.2014
3.
Das ist sehr schade - was für ein feiner Schauspieler. MONA LISA ist einer meiner Lieblingsfilme. Nicht zuletzt auch durch Bob Hoskins' Präsenz. Wie er da als Lebenskünstler durch diese vertrackte Geschichte irrlichtert...großartig!
bigfraggle007 30.04.2014
4.
Großartiger Schauspieler, großartige Filme :(
williondo 30.04.2014
5. R.I.P. Bob
Was für eine Traurige Nachricht :-( Wusste nicht daß er so schwer krank war. Unvergessen für mich seine Rolle u.a. in "Felicia, mein Engel". Oder auch in "Roger Rabbit".
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