Von Franziska Bossy
Hamburg/Neu Delhi/Mumbai - Er gilt als eine der ersten großen Diven in Indiens weltberühmter Filmindustrie Bollywood, in seiner Heimat verehren ihn die Kinofans wie einen Gott. Mit romantischen Schmonzetten eroberte er die Herzen der Zuschauer, und wo immer er auftauchte, sorgte er für Hysterie, umringten ihn kreischende Massen. Weibliche Fans heirateten sogar sein Foto - und sie schrieben ihm Briefe mit ihrem Blut als Tinte. Wie die "Times of India" schreibt, schnitten sich die Damen dafür in ihren Finger. Am Mittwoch ist der Schauspieler Rajesh Khanna im Alter von 69 Jahren gestorben.
Laut der Nachrichtenagentur Press Trust of India erlag das große Leinwand-Idol einer nicht genannten Krankheit in seinem Haus in Mumbai. Seine Frau, die Schauspielerin Dimple Kapadia, und seine beiden Töchter wachten an seinem Bett, als er starb, heißt es. Vor seinem Anwesen versammelten sich Fans, um ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen, meldet der britische Sender BBC.
Kaum ein Land ist so filmverrückt wie Indien, daher wird der Tod eines großen Kinohelden schnell zur Staatsangelegenheit. Im Nachrichtenportal Twitter, wo Khannas Tod allgegenwärtig ist, sprach der indische Premier Manmohan Singh, @PMOIndia, der Familie sowie Bewunderern des Schauspielers denn auch sein Beileid aus und schreibt: "Er wird Teil unserer Filmfolklore sein".
Auch Kollegen und Freunde trauern auf Twitter. Der erfolgreiche indische Regisseur Karan Johar zwitschert als @kjohar25: "Die Magie...des Rajesh Khanna ist in jedes Archiv des indischen Kinos eingeschrieben...für immer." "Er war ein Superstar wie kein anderer", schreibt die Schauspielerin Shabana Azmi als @AzmiShabana. "Ich habe zehn Filme mit ihm gemacht... Ich habe gesehen, wie alte Frauen ihn mit Tränen in den Augen umarmen und wie junge Mädchen in seiner Gegenwart in Ohnmacht fallen." Doch zuletzt sei er nur noch ein Schatten seiner selbst gewesen.
Männer brechen in Tränen aus, Frauen schreiben Briefe mit Blut
"Ich wurde nur berühmt, weil ich mit Rajesh Khanna in 'Anand' zusammengearbeitet habe", sagte laut der Tageszeitung "Times of India" einst der indische Schauspieler Amitabh Bachchan, nach Khanna der wohl bekannteste Darsteller seiner Generation. Das Krebs-Drama "Anand" aus dem Jahr 1971 - Khanna spielt den gleichnamigen Protagonisten - ist einer der größten Schmachtfetzen der indischen Kinogeschichte. Der Film über jenen Kranken, der sein Leiden nicht besiegen, aber die Herzen der Menschen gewinnen konnte, steht in dem Ruf, sogar Männer in Tränen ausbrechen zu lassen. "Wie Anand aus dem Film ist auch er von uns gegangen", schreibt die "Times of India", "aber sein Andenken wird fortleben."
Der Schauspieler begann seine Kinokarriere Mitte der sechziger Jahre, schnell erzielte er enorme Erfolge - der Starkult war ein neues Phänomen für das Land. Kollegen ließen ihm seine Allüren gern durchgehen, manchmal schimpften sie aber auch auf ihn. Denn zu Dreharbeiten kam er schon mal Stunden zu spät, wie die BBC im Jahr 1973 im TV-Porträt "Bombay Superstar" berichtete, aus dem ein Ausschnitt auf YouTube zu sehen ist.
Khanna sei der höchstbezahlte Schauspieler seiner Generation, berichtet die "Times of India", sein Rekord aufeinanderfolgender Erfolge bislang ungeschlagen. Der Darsteller spielte die Hauptrolle in mehr als 160 Filmen. Dazu gehören dem Bericht zufolge vor allem Produktionen aus den Jahren 1970 bis 1979. Neben "Anand" sind darunter weitere große Erfolgsfilme wie "Kati Patang", "Aradhana" und "Amar Prem" - allesamt Musical-Romanzen im typischen Bollywood-Stil, wie das Publikum sie noch heute liebt.
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Mit Material von AP
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