Boulevard der Stars Vierzig Sterne für Berlin

Im September wird am Potsdamer Platz in Berlin die deutsche Variante des Hollywood Walk Of Fame eingeweiht - nun wurden die ersten Film- und Fernsehschaffenden bekanntgegeben, die dort mit einem Stern geehrt werden sollen. Auch in New York findet man berühmte Namen auf dem Bürgersteig.

Der erste Stern liegt schon: Im Februar wurde Marlene Dietrich am Potsdamer Platz geehrt.
DPA

Der erste Stern liegt schon: Im Februar wurde Marlene Dietrich am Potsdamer Platz geehrt.


Berlin - Schon lange hat Udo Lindenberg seinen Stern auf der Hamburger Reeperbahn. Doch in Berlin soll eine größer angelegte Variante des berühmten Walk Of Fame auf dem Hollywood Boulevard entstehen. Der geplante "Boulevard der Stars" soll am 10. September am Potsdamer Platz eingeweiht werden. Größen des deutschsprachigen Kinos und Fernsehens werden dort künftig mit Sternen gewürdigt.

Zur Eröffnung werden in Anwesenheit zahlreicher Geehrter die ersten vierzig Sterne eingeweiht, wie der Jury-Sprecher und frühere Direktor des Filmmuseums Berlin, Hans Helmut Prinzler, am Dienstag in Berlin sagte. Damit würden hundert Jahre deutsches Kino, die Geschichte und ein bisschen seine Gegenwart sowie die Fernsehentwicklung widergespiegelt, ergänzte der Direktor der Berlinale, Dieter Kosslick.

Zu den Auserwählten gehören unter anderen die Regisseure Rainer Werner Fassbinder, Wolfgang Petersen, Konrad Wolf, Fritz Lang, Dominik Graf, Wim Wenders, Werner Herzog und Margarethe von Trotta, die Schauspielerinnen Romy Schneider, Hanna Schygulla, Angelica Domröse, Hildegard Knef und Corinna Harfouch, die Schauspieler Götz George, Bruno Ganz, Armin Mueller-Stahl und Mario Adorf, die Autoren Vicco von Bülow, Billy Wilder und Wolfgang Kohlhaase, Kameramann Michael Ballhaus, Produzent Artur Brauner, Komponist Klaus Doldinger, sowie die Entertainer Helga Hahnemann und Hans-Joachim Kulenkampff.

Prinzler sagte: "Bei der Bandbreite der Namen wurde versucht, das Verhältnis Ost und West wie auch Film und Fernsehen zu beachten." Zudem sei die Jury nicht nur auf Schauspieler fokussiert, sondern auch auf Professionelle hinter der Kamera und bei der Produktion der Filme. Die Jury verwies darauf, dass die Liste, darunter 14 bereits verstorbene Künstler, keine Rangfolge darstelle. Der älteste mit einem Stern Ausgezeichnete ist der Filmpionier Max Skladanowski, dessen erste bewegte Bilder 1895 im Wintergarten liefen, die jüngste die Regisseurin und Autorin Doris Dörrie, Jahrgang 1955.

Nach Jury-Angaben hatten elf Institutionen insgesamt mehr als 300 Namen aus der deutschen Film- und Fernsehgeschichte eingereicht. Prinzler sagte, "die Liste hat unendlich viele Defizite, viele bekannte Namen fehlen darauf." Als Beispiele wurden unter anderen Regisseur Volker Schlöndorff, der als erster Deutscher für seinen Film "Blechtrommel" einen Oscar bekam, und der Regisseur und Schauspieler Helmut Käutner genannt.

Die Jury kündigte an, dass jedes Jahr im Sommer zehn neue Sterne in den Boden eingelassen werden. Dort sei noch viel Platz. Mit dem Land Berlin bestehe ein Vertrag über 15 Jahre.

Der erste Stern war bereits anlässlich der 60. Berlinale im Februar der Schauspielerin Marlene Dietrich (1901-1992) gewidmet worden. Harald Eggebrecht beschrieb ihn in der "Süddeutschen Zeitung" als "großen Flatschen (...) aus einer Art Spritzbeton von erstaunlicher himbeerfarbener Hässlichkeit". Das Konzept des Architektenbüros Graft wurde im Jahre 2009 ausgewählt, fünf Jahre nachdem ein Entwurf der Designerin Zaha Hadid aus Kostengründen abgelehnt worden war.

Der "Boulevard der Stars" entsteht auf dem Mittelstreifen der Potsdamer Straße. In einen "roten Teppich" aus Asphalt werden Messingsterne mit den Namen, Lebensdaten und Autogrammen der Geehrten eingelassen. Die Gesamtkosten bis zur Eröffnung werden mit einer Million Euro beziffert

Sterne auch vor dem Apollo

Auch in New York wurde ein neuer Walk Of Fame eingeweiht. Das berühmte Apollo Theater in Harlem erinnert damit an afro-amerikanische Musik-Legenden. Zu den ersten Stars, die mit einer eigenen Gedenktafel auf dem Bürgersteig vor dem Eingang der Konzerthalle geehrt wurden, zählten Quincy Jones, Patty LaBelle, Smokey Robinson, James Brown, Gladys Knight and the Pips, Little Richard und Ella Fitzgerald.

Im Juni sollen Michael Jackson und Aretha Franklin folgen, wie Apollo-Sprecherin Leah Sandals mitteilte. Nach ihren Angaben soll die Einweihung neuer "Sterne" künftig jeweils von einem Konzert begleitet werden.

Das Apollo Theater ist eine der berühmtesten Musik-Hallen der USA. Viele schwarze Künstler starteten hier beim legendären Talentwettbewerb ihre Karriere. "Mit einer eigenen Plakette hier gewürdigt zu werden, ist für mich der größte Erfolg meines Lebens", sagte der 69-jährige Motown-Produzent und Soul-Sänger Smokey Robinson. "Hier habe ich meine Karriere begonnen, und es wird immer mein Zuhause sein". Patty LaBelle erklärte, sie freue sich, Teil der reichen Tradition des Apollo zu sein.

feb/ddp/AFP

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insgesamt 3 Beiträge
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doctor manhattan 11.05.2010
1. Ich habe gehört
Köln plant ein ähnliches Projekt, für Größen wie Raab, Elton, Joey Kelly et. al.
Bala Clava 11.05.2010
2. Sternenpest
Düsseldorf auch: Gülcan, Feldbusch und Franjo Poth sind schon geplant. Campino zögert noch.
f.b. 11.05.2010
3. Boulevard der Stars
Zitat von Bala ClavaDüsseldorf auch: Gülcan, Feldbusch und Franjo Poth sind schon geplant. Campino zögert noch.
Wo um alle Welt bleibt Dieter Bohlen ?
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