Box Office Alexander verliert seine wichtigste Schlacht

Oliver Stones millionenschwerer Historienfilm "Alexander" traf beim US-Publikum auf wenig Gegenliebe: Am Startwochenende reichte es nur für Rang sechs der nordamerikanischen Kinocharts. Den Spitzenplatz verteidigten die "Tempelritter" - auch in Deutschland.


Colin Farrell als "Alexander": Schlechter Start nach Kritiker-Schelte
REUTERS

Colin Farrell als "Alexander": Schlechter Start nach Kritiker-Schelte

Los Angeles/Hamburg - Nach dem üppigen Thanksgiving-Dinner noch einen schweren Brocken wie Oliver Stones dreistündigen "Alexander" zu konsumieren - das war den meisten Amerikanern am verlängerten Feiertagswochenende offensichtlich zu viel: "Alexander", Stones über 15 Jahre gehegtes und geplantes Mammut-Projekt mit Stars wie Colin Farrell, Angelina Jolie, Val Kilmer und Jared Leto gespickt, spielte von Mittwoch bis Sonntag nur magere 21,6 Millionen Dollar ein, am Wochenende waren es sogar nur 13,5 Millionen. Das reichte nur für Platz sechs der nordamerikanischen Box-Office-Charts.

Sollte dieser Trend anhalten, dürfte die europäisch-amerikanische Coproduktion Schwierigkeiten haben, ihr Budget von geschätzen 150 Millionen Dollar wieder einzuspielen. In Deutschland startet "Alexander" kurz vor Weihnachten. Die amerikanische Presse war, wie üblich bei Filmen von Oliver Stone, hart ins Gericht gegangen mit der cineastischen Rekonstruktion der Geschichte des sagenumwobenen Feldherrn aus Makedonien. Die "New York Times" schrieb über Stones 21. Film, er folge einem "geradezu kindischen" Drehbuch - an dem der Regisseur von "Platoon", "JFK" und "Natural Born Killers" maßgeblich beteiligt war. Die schauspielerischen Leistungen seien teils "schockierend daneben", und die Art, in der die Story im Film entwickelt werde, sei langweilig, so das Blatt. Stone widmet sich tatsächlich mehr der Psychologie der historischen Figur und breitet episch die ödipalen und homoerotischen Beziehungen Alexanders aus, statt in effektvollen Schlachtszenen zu schwelgen.

Szene aus "Das Vermächtnis der Tempelritter" (mit Diane Kruger, Nicolas Cage): Erfolgreicher "Indiana Jones"-Verschnitt
DISNEY ENTERPRISES & JERRY BRUCKHEIMER FILMS

Szene aus "Das Vermächtnis der Tempelritter" (mit Diane Kruger, Nicolas Cage): Erfolgreicher "Indiana Jones"-Verschnitt

Die amerikanischen Kinogänger bevorzugten jedenfalls leichtere Kost und machten den "Indiana Jones"-Verschnitt "Das Vermächtnis der Tempelritter" mit 33,1 Millionen Dollar erneut zum Spitzenreiter der Charts. Auch die "Incredibles" aus Pixars Animationsschmiede mehrten ihren schon jetzt beträchtlichen Gesamtumsatz noch einmal um 24,1 Millionen Dollar und belegen Rang zwei.

Bester Neustart wurde mit 22,7 Millionen Dollar die Weihnachtskomödie "Christmas with the Kranks" ("Verrückte Weihnachten") mit Tim Allen und Jamie Lee Curtis auf Rang drei. Robert Zemeckis' Animations-Spektakel "Der Polar-Express" hielt sich mit 20,1 Millionen Dollar Umsatz beständig auf dem vierten Platz, konnte bisher aber in drei Wochen nur 82,2 Millionen Dollar einnehmen. Ein weiter Weg bis zum Ausgleich des 170-Millionen-Dollar Budgets. Platz fünf belegte der Kinder-Cartoon "The SpongeBob SquarePants Movie" mit 17,8 Millionen Dollar in der zweiten Woche.

Auch ohne Thanksgiving konnten die "Tempelritter" in Deutschland triumphieren. Nach vier Wochen an der Spitze musste die Komödie "7 Zwerge - Männer allein im Wald" den ersten Platz räumen: Die neue Nummer eins heißt "Das Vermächtnis der Tempelritter" (742 Startkopien), der laut Branchenmagazin "Blickpunkt: Film" nach ersten Schätzungen auf etwa 500.000 Besucher kam. "7 Zwerge" baute derweil erkennbar ab. Knapp 320.000 Zuschauer reichten indes aus, den Waalkes-Erfolg nahe an die Sechs-Millionen-Besucher-Marke zu rücken.

Auch unter deutschen Kinogängern erfreute sich das mit 708 Kopien neu gestartete Weihnachts-Spektakel "Der Polar-Express" zunächst keiner großen Resonanz: Der Animationsfilm mit Tom Hanks musste sich mit ca. 230.000 Besuchern und Platz drei der Charts begnügen. Die romantische Tanzkomödie "Darf ich bitten?" wurde von etwa 120.000 Kinogängern gesehen (Platz vier), gefolgt von dem dritten Hollywood-Neuling "Verrückte Weihnachten" (362 Startkopien), der auf ungefähr 100.000 Zuschauer kam.

In die Top Ten schaffte es außerdem Hans Weingartners "Die fetten Jahre sind vorbei" (120 Startkopien), der mit knapp 85.000 Besuchern den besten Kopienschnitt unter den Neustarts hatte und Platz sechs belegte.



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