Box Office Harry Potter und der historische Hollywood-Rekord

In einem Jahr des Terrors und Krieges haben Zauberlehrlinge, die Fantasy-Figuren Mittelerdes und grüne Monster Hollywoods Filmbosse mit ihrer Dollar-Magie verzaubert. Noch nie verdienten amerikanische Kinos und Studios so viel wie 2001.


Zauberlehrling Potter: Den tollkühnen Held "Shrek" klar überrundet
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Zauberlehrling Potter: Den tollkühnen Held "Shrek" klar überrundet

Los Angeles - Der beste Jahresabschluss aller Zeiten, inmitten der Rezession und einer tiefen Vertrauenskrise der Öffentlichkeit - ein Zeichen dafür, dass das Kino in Krisenzeiten populärerer statt unbeliebter wird. Die magische Acht-Milliarden-Dollar-Grenze bei den Kartenerlösen überschritt Hollywood - in einem Jahr, dessen zweite Hälfte vom Schrecken des 11. September nachhaltig beeinflusst wurde - aber vor allem dank dreier zauberhafter Kinderfilme.

"Harry Potter und der Stein der Weisen» brachte nach den am Neujahrstag veröffentlichten vorläufigen Einspielergebnissen in den USA und Kanada bis zum letzten Sonntag 286,1 Millionen Dollar in die Kinokassen. "Shrek - Der tollkühne Held" spielte 267,6 Millionen ein und "Monsters, Inc." 236,3 Millionen.

Hervorragende Ergebnisse der Remakes

Zum Rekord-Ergebnis der Traumfabrik in den nordamerikanischen Kinos von nach unterschiedlichen Schätzungen 8,18 bis 8,35 Milliarden Dollar trugen auch zwei Neuauflagen erfolgreicher Filme bei: "Rush Hour 2" mit 226,1 Millionen und "Die Mumie kehrt zurück" mit 202 Millionen Dollar. Große Kassenschlager waren die Kriegsromanze "Pearl Harbor" (198,5 Millionen), der dritte Dino-Aufguss "Jurrassic Park 3" (181,2 Millionen) und der wieder belebte "Planet der Affen" (179,6 Millionen).

Der Kannibale "Hannibal" brachte 165,1 Millionen Dollar ein. Und "Der Herr der Ringe", der als letzter der großen Zuschauermagneten startete und daher noch kräftiges Zuwachspotenzial hat, kam bislang auf 154,5 Millionen Dollar. 2001 war nach Berechnungen der Firma ACNielsen EDI, die seit langem die Einspielergebnisse ermittelt und bewertet, das zehnte Hollywood-Jahr mit finanziellem Wachstum in Folge.

Hobbits weiter vorn

Im Vergleich zu 2000 legte die US-Filmindustrie um weitere acht Prozent zu, was auch an gestiegenen Eintrittspreisen lag. Bei den reinen Zuschauerzahlen deuteten die noch vorläufigen Erhebungen auf die Einstellung des Rekords von 1998 hin, als in Nordamerika 1,44 Milliarden Menschen Kinokarten kauften.

Am letzten Wochenende des Jahres waren die mutigen kleinen Hobbits wieder die großen Stars. Mit Kasseneinnahmen von weiteren 37,4 Millionen Dollar von Freitag bis Sonntag blieb "Der Herr der Ringe" in den USA und Kanada auf Platz 1 der Kino-Charts. Zu den Highlights gehörte der lang erwartete Film über das Leben des Box-Weltmeisters Muhammad Ali mit Will Smith in der Titelrolle. Er erreichte mit 15,3 Millionen Dollar allerdings nur Platz 3. "Ali" kam nicht an der schon einige Wochen laufenden Kriminalkomödie "Ocean's Eleven" vorbei. Der neben anderen Stars mit George Clooney und Julia Roberts attraktiv besetzte Film hielt sich mit weiteren 17,4 Millionen Dollar auf dem zweiten Rang.

Oscar-Favoriten nicht in den Top Ten

Der als Oscar-Anwärter gehandelte Film "A Beautiful Mind" mit Russel Crowe in der Rolle eines genialen, aber zugleich auch schizophrenen Mathematikers schaffte nur den achten Rang. Einige weitere neue Filme, die Hollywood-Studios rechtzeitig vor Jahresschluss in das Oscar-Rennen schickten, kamen nur deshalb nicht in die Gruppe der Top Ten, weil sie vorerst nur in einigen wenigen Kinos gezeigt wurden.

Dazu gehört das bereits viel diskutierte neue Werk von Ridley Scott "Black Hawk Down" um den fehl geschlagenen US-Truppeneinsatz in Somalia. Auch das Drama "Monster's Ball" mit Billy Bob Thornton und Halle Berry wurde von der Kritik hoch bewertet, startete jedoch zunächst in nur fünf ausgewählten Filmtheatern. Die düstere Kriminalkomödie "Gosford Park" von Regisseur Robert Altmann, die nach einem Filmjahr ohne klare Favoriten ebenfalls als preisverdächtig gilt, war vorerst nur in neun Kinos zu sehen.

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