Box Office Hilfe, die Remakes floppen!

Zwei neue Versionen von Achtziger-Hits, eine Bestseller-Verfilmung und sogar ein Kinderfilm mit Riechkarte - sie alle hatten keine Chance in den US-Kinocharts gegen "The Help", ein Drama über Bürgerrechte in den Südstaaten. In Deutschland lieferten sich drei Filme ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Hausherrin und Haushälterin: Jessica Chastain und Octavia Spencer im Kinohit "The Help"
DreamWorks

Hausherrin und Haushälterin: Jessica Chastain und Octavia Spencer im Kinohit "The Help"


Hamburg/Los Angeles - Eigentlich hätte für jeden etwas dabei sein müssen unter den vier Neustarts, die am Wochenende in die amerikanischen Kinos waren - und doch wurde es ein Wochenende der Flops, an dem ein Film in seiner zweiten Woche in den Kinos den seltenen Sprung von Platz zwei auf die Spitzenposition schaffte.

Normalerweise starten Blockbuster in den Kinocharts auf Platz eins und stürzen dann mehr oder weniger schnell ab in den Hitlisten. Bei "The Help" lief es andersherum: Das Bürgerrechtsdrama debütierte auf Platz zwei, verlor aber an seinem zweiten Kinowochenende nur 21 Prozent des Umsatzes vom Vorwochenende - 20,5 Millionen Dollar reichten dem Film über die Rassenschranken in Mississippi der sechziger Jahre, um Platz eins zu übernehmen, wie der Branchendienst Box Office Mojo vermeldet.

"The Help" basiert auf dem 2009 erschienenen Roman von Kathryn Stockett und handelt von einer jungen weißen Universitätsabsolventin aus den Südstaaten, die ein Buch über das Leben ihrer schwarzen Hausangestellten schreibt. Newcomerin Emma Stone ("Superbad", "Einfach zu haben") spielt die Hauptrolle an der Seite von Viola Davis, die für ihre Rolle in der Theaterverfilmung "Glaubensfrage" 2008 für einen Oscar nominiert wurde. In Deutschland ist der Start von "The Help" erst für den 8. Dezember angekündigt.

Neben "The Help" konnte sich auch die "Planet der Affen"-Vorgeschichte als Kassenmagnet behaupten. An seinem dritten Wochenende spülte der Film über die intelligenten Affen, die die Welt erobern wollen, 16,3 Millionen Dollar in die US-Kinokassen. Die bisherigen Einnahmen des Films mit James Franco ("127 Hours") und Freida Pinto ("Slumdog Millionär") belaufen sich auf insgesamt 133,8 Millionen Dollar.

Weit abgeschlagen lagen vier Filme, die an diesem Wochenende neu in die Kinos kamen. Mit Einnahmen von etwa 12 Millionen Dollar schaffte es der kinderfreundliche Fantasyfilm "Spy Kids 4D" auf Platz drei. "Spy Kids 4D" ist der vierte Film aus Robert Rodriguez' "Spy Kids"-Reihe und wird in Aroma-Scope gezeigt: Zuschauer können bei bestimmten Szenen auf einer Geruchskarte festgehaltene Gerüche erschnüffeln. Des Gimmicks zum Trotz ist "Spy Kids 4D" der bisher erfolgloseste Film um die Kinderspione - da hilft auch nicht Jessica Alba als Stiefmutter.

Die 3D-Neuinterpretation von "Conan der Barbar" fand nach niederschmetternden Kritiken auch bei den Zuschauern wenig Anklang. Das Remake des Klassikers von 1982, damals Arnold Schwarzeneggers Hollywood-Durchbruch, brachte lediglich 10 Millionen Dollar in die Kinokassen - Platz vier ist ein ernüchterndes Ergebnis in Anbetracht der deftigen Produktionskosten von etwa 90 Millionen Dollar.

Auch das zweite Remake eines Films aus den Achtzigern konnte an diesem Wochenende ebenso wenig überzeugen: Trotz Starbesetzung mit Colin Farrell nahm der Vampirfilm "Fright Night" magere 8,3 Millionen Dollar ein und schaffte es gerade mal auf den fünften Platz. Das Original, das 1985 unter dem Titel "Die rabenschwarze Nacht" auch in deutschen Kinos kam, hatte seinerzeit etwa doppelt so viele Zuschauer an seinem Debütwochenende.

Doch nicht nur Remakes und Fortsetzungen enttäuschten: Auch das Romantik-Drama "One Day" nach dem Bestseller-Roman von David Nicholls mit Anne Hathaway in der Hauptrolle floppte an den Kinokassen und landete mit 5,1 Millionen Dollar Einnahmen nur an neunter Stelle der Kinocharts.

Deutsche Kinocharts: Ausgang offen

In den deutschen Kinokassen muss noch nachgezählt werden, um die Nummer eins zu ermitteln. Klar wäre der Fall, wenn auch in Deutschland wie in den USA die Rangfolge nach den Einspiel-Umsätzen ermitteln würden. Dann wäre, so berichtet es das Branchenblatt "Blickpunkt:Film", der neu gestartete Superhelden-Film " Captain America: The First Avenger" an der Spitze - dank der höheren Ticketpreise für die 3D-Variante. Boxofficemojo.com nennt umgerechnet 2,2 Millionen Dollar als Umsatzzahl für Deutschland - was weniger als die Hälfte von dem wäre, was Captain Americas Marvel-Comic-Kollege "Thor" einspielte.

Doch für die deutschen Charts ist nicht der Umsatz, sondern die Besucherzahl entscheidend - und danach reichte es für "Captain America: The First Avenger" nur für Rang drei. 126.000 Zuschauer hatte die Comic-Verfilmung nach Angaben des Marktforschungs-Unternehmens Media Control. Doch die Zahlen sind noch vorläufig, deshalb kann noch nicht endgültig gesagt werden, ob den Zweikampf um die Spitze tatsächlich " Planet der Affen: Prevolution" mit 160.000 verkauften Tickets haarscharf vor "Die Schlümpfe" gewonnen hat, den sich 158.000 Besucher ansahen.

Klarer werden die Verhältnisse ab Platz vier: Die Komödie " Crazy, Stupid, Love" mit Steve Carell und Ryan Gosling startete vor 117.000 Zuschauern und blieb damit vor dem Langzeit-Hit " Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2", der auf Platz fünf erneut sechsstellige Besucherzahlen erreichte - insgesamt haben schon mehr als sechs Millionen Kinogänger in Deutschland den Abschluss der Zauberlehrlings-Saga gesehen.

Zwei kleinere Neustarts können sich über Platzierungen unter den Top Ten freuen: Woody Allens " Midnight in Paris", der schon in den USA vergleichsweise gut gelaufen war, steigt mit 79.000 Zuschauer auf Platz sieben in die Charts, und auch der Bhagwan-Erinnerungsfilm "Sommer in Orange" von Marcus H. Rosenmüller schafft es mit 40.000 Zuschauern und Platz neun unter die erfolgreichsten Filme des Wochenendes - ein schöner Erfolg für eine deutsche Produktion mit speziellem Thema.

feb/dpa/AP/Reuters



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reflexxion 22.08.2011
1. das nennt man wohl Sommerloch
Ich habe noch nie eine so große Sammlung an Müll zur Auswahl gesehen. Besonders dieser ganze Rummel um 3D geht mir auf den Keks. Da boykotiert man besser das Boxoffice und geht in den Biergarten, selbst wenns kühl ist.
HansC 22.08.2011
2. Das ist ein schwarzes Loch
Das arme Sommerloch kann ja diese Einfalls- und Phantasielosigkeit gar nicht erklären. Sicherlich ist es Geschmackssache und man sollte das differenziert betrachten. Aber da ist ja mal gar nichts dabei. Erst dieses Affenfilm-Remake-Gedöns, einmal mit Conan und dann nochmal als CGI Spektakel. Unlustige Liebeskomödien(da bin ich wirklich nicht objektiv). USA-Hurra-Propaganda von vor 60 Jahren nur mit minimal besserem Bild als damals und die vierte Fortsetzung von etwas, dass mich noch eher in einen Harry Potter Film gehen lassen würde. Ist ja nicht so, dass es besser wird. Bald beginnt wieder die Weltkriegsperiode (danach kommt dann meistens die Dinosauerierperiode, gefolgt von der Alien-Invasions-Periode) mit Pferden im Krieg und heroischen Fliegern in ihren tollkühnen Maschinen. Warum wird nicht mehr sowas wie "Die nackte Kanone" oder "True Lies", von mir aus auch "Face off" gemacht? US-Humoriger halbwegs intelligenter Witz und stumpfe, weitestgehend computerfreie Action mit Brusthaaren.
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