Box Office Vampirin Beckinsale garantiert Spitzenplatz

Musterbeispiele für die Diskrepanz zwischen Kritikermeinung und Massengeschmack: Während "Underworld Awakening" trotz der Verrisse auf Platz eins in den US-Charts kam, floppte der gelobte neue Steven-Soderbergh-Film. Deutschland ist weiter gerührt von "Ziemlich beste Freunde". 

Heiß in den US-Charts: Der Vampir-Actionfilm "Underworld Awakening"
Sony Pictures

Heiß in den US-Charts: Der Vampir-Actionfilm "Underworld Awakening"


Los Angeles/Hamburg - Mit der Rückkehr der Engländerin Kate Beckinsale in ihre Rolle als Vampirkämpferin Selene ist die "Underworld"-Filmreihe wieder auf die richtige Spur an den Kinokassen gekommen. Der vierte Teil der actionreichen Geschichte um den Kampf zwischen Menschen, Werwölfen und Vampiren, "Underworld Awakening", spielte zum Start in den USA und Kanada 25,4 Millionen Dollar ein und ließ damit den Vorgängerfilm der Reihe, bei dem Beckinsale pausiert hatte, deutlich - er kam 2009 auf 20,8 Millionen.

Der bisher erfolgreichste, zweite Teil "Underworld Evolution" kam 2006 in seiner Startwoche auf 26,9 Millionen Dollar, wie der Branchendienst Box Office Mojo verzeichnet. Damals wie heute waren die Kritiken verheerend für die "Underworld"-Filme, doch die Zuschauer äußerten sich den Marktforschern von CinemaScore gegenüber sehr angetan von "Underworld Awakening".

Ähnlich fühlte das Publikum bei "Red Tails", der neuen Nummer zwei der US-Kinocharts. Die Kritiker hörten nur markige Sprüche und sahen nur wilde Luftkämpfe zwischen deutschen und amerikanischen Maschinen; die Zuschauer hingegen zeigten sich begeistert über die Hommage an die schwarzen Piloten, die Tuskegee Airmen, die im Zweiten Weltkrieg kämpften. 19,1 Millionen Dollar spielte der Film ein - eine Herzensangelegenheit von George Lucas, der sowohl die Produktionskosten als auch das Marketingbudget gezahlt hatte. Offensichtlich funktionierte die Mundpropaganda, denn die Zuschauerzahlen am Samstag waren höher als die am Freitag.

Für den Spitzenreiter der Vorwoche, den Schmugglerfilm "Contraband" mit Mark Wahlberg, gab's ein Minus von 50 Prozent und ein Einspielergebnis von 12,2 Millionen Dollar für das zweite Kinowochenende.

Dahinter folgen zwei hoch gehandelte Filme, die an den Kinokassen eher enttäuschen: "Extremely Loud & Incredibly Close", die 9/11-Geschichte mit Tom Hanks und Sandra Bullock nach dem Buch von Jonathan Safran Foer, lief schon einige Wochen in vereinzelten Kinos - doch auch nach der Ausweitung auf 2630 Abspielstätten im ganzen Land kam der noch vor einem halben Jahr als heißer Oscar-Kandidat gehandelte Film nur auf 10,5 Millionen Dollar.

Große Namen, kleine Kasse

Der bei den Filmkritikern beliebteste Neustart der Woche war "Haywire", eine Spionagegeschichte von Regisseur Steven Soderbergh, in der die Mixed-Martial-Arts-Kämpferin Gina Carano auf Stars wie Antonio Banderas, Michael Douglas, Ewan McGregor und Michael Fassbender trifft. Doch der großen Namen und guten Kritiken zum Trotz ließen die Zuschauer nur neun Millionen Dollar für "Haywire" in den Kassen und gaben dem Film beim Verlassen des Kinos auch noch die miserable Durchschnittswertung "D+".

Die Golden-Globe-Verleihung brachte den meistprämierten Filmen nicht den erhofften neuen Schwung. Der Komödiensieger "The Artist" lief in 662 statt 446 Filmtheatern und verdoppelte seinen Umsatz zwar auf 2,4 Millionen Dollar - doch die Top Ten blieben dem in Schwarzweiß gedrehten Stummfilm weiter verschlossen. Ein kleines Plus gab es für den Dramasieger "The Descendants", während "The Iron Lady" mit der als beste Schauspielerin gekürten Meryl Streep trotz ausgeweitetem Vertrieb gegenüber der Vorwoche an Umsatz verlor. Den größten Zuwachs erlangte der beste fremdsprachige Film bei den Golden Globes, das iranische Drama "A Separation", der zwar nur in 13 Kinos lief, aber das beste Pro-Kino-Umsatzergebnis des Wochenendes schaffte.

Drei Wochen läuft die französische Komödie "Ziemlich beste Freunde" nun in den deutschen Kinos - und noch immer steigen die Zuschauerzahlen. Mit 614.000 verkauften Karten am Wochenende bewegt sich der Film von Eric Toledano und Olivier Nakache weiterhin auf Rekordkurs. Die Geschichte eines reichen Weißen, der an den Rollstuhl gefesselt ist, und seines armen schwarzen Pflegers wollten nun insgesamt schon 1,74 Millionen Deutsche sehen. Den wahren Hintergrund des Plots kann man demnächst auch auf Deutsch nachlesen: Am 18. April will der Verlag Hanser Berlin die Erinnerungen des querschnittgelähmten Top-Managers Philippe Pozzo di Borgo veröffentlichen.

Platz zwei konnte David Finchers "Verblendung" mit 185.000 Zuschauern gerade so verteidigen gegen den neuen "Muppets"-Film, den 180.000 Puppenfreunde sehen wollten, wie die Marktforscher von Media Control melden. Das Branchenblatt "Blickpunkt:Film" erwähnt weiterhin, dass mit "Der gestiefelte Kater", "Alvin und die Chipmunks 3", "Sherlock Holmes: Spiel im Schatten", "Offroad" und "Rubbeldiekatz" etliche weitere Filme um die 100.000 Zuschauer hatten - was zu einem sehr guten Gesamtergebnis von 1,8 Millionen verkauften Kinokarten führte.

Als Neustart immerhin auf Platz zehn kam dabei Clint Eastwoods Biopic "J. Edgar" mit Leonardo di Caprio, das 53.000 Zuschauer sehen wollten. Für das hochgelobte Rechtsradikalismus-Drama "Kriegerin" interessierten sich indes nur 14.000 Kinogänger.

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund eines technischen Fehlers musste der Diskussions-Thread unter diesem Artikel entfernt werden. Wir bitten um Entschuldigung.

feb/dpa/AP/Reuters



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