Box Office Veralbern als Erfolgsrezept

Nach romantischen Komödien haben sich die Macher der Parodie "Date Movie" jetzt Monumentalfilme vorgeknöpft. Prompt dominiert "Epic Movie" die US-Charts. In Deutschland wurde der Streit um die DVD-Zweitverwertung beigelegt. Das Publikum hält Will Smith die Treue.


Los Angeles/Hamburg - Die ausgelassene Filmparodie, in der vorzugsweise groß angelegte Hollywood-Epen wie "Herr der Ringe", "Superman" oder "Fluch der Karibik" durch den Kakao gezogen werden, spielte von Freitag bis Sonntag in 2800 Kinos 19,45 Millionen Dollar ein. "Date Movie", der Vorläufer von "Epic Movie", hatte vor genau einem Jahr mit 19,1 Millionen Dollar Startumsatz für einen veritablen Überraschungserfolg gesorgt. Vor allem Teenager strömten in Scharen in die neue Komödie der Regisseure Jason Friedberg und Aaron Seltzer. "Es scheint, dass Teens einen unstillbaren Appetit auf diese Veralberungen haben", sagte Box-Office-Spezialist Paul Dergarabedian der Nachrichtenagentur AP, "für die Studios ist das eine Lizenz zum Gelddrucken".

Szene aus "Epic Movie": Veralbern als Erfolgs-Konzept

Szene aus "Epic Movie": Veralbern als Erfolgs-Konzept

Auf dem zweiten Platz startete Joe Carnahans Gauner- und Action-Komödie "Smokin' Aces" mit 14,3 Millionen Dollar. Das Ensemble-Stück, in dem unter anderem Ben Affleck, Jeremy Piven, Ray Liotta und Soul-Sängerin Alicia Keys mitspielen, will einschlägigen Tarantino-Vorbildern nacheifern, besitzt aber nicht dieselbe Durchschlagskraft. Auf Platz drei landete der scheinbar unverwüstliche Komödien-Erfolg "Nachts im Museum" mit 9,4 Millionen Dollar. Insgesamt setzte der Film bereits 216,7 Millionen Dollar um.

Der vierte Platz ging an "Catch and Release" und damit an einen Neustart. Die romantische Komödie sollte ursprünglich bereits im vergangenen Sommer anlaufen und markiert Jennifer Garners ("Alias") Comeback auf der Leinwand. Die männliche Hauptrolle spielt "Deadwood"-Star Timothy Olyphant, der Startumsatz lag bei soliden 8 Millionen Dollar. Erst auf Rang fünf findet sich der Spitzenreiter der beiden Vorwochen: "Stomp the Yard" setzte an seinem dritten Wochenende 7,8 Millionen Dollar um.

Und die Oscar-Favoriten? Das mittlerweile landesweit laufende Musical "Dreamgirls" schaffte es mit 6,6 Millionen Dollar Umsatz auf Platz sechs. Der sechsfach nominierte Fantasy-Thriller "Pan's Labyrinth" landete mit 4,5 Millionen Dollar auf Rang acht. Und "The Queen" mit Oscar-Favoritin Helen Mirren verbuchte 4 Millionen Dollar und setzte sich auf Platz zehn.

In Deutschland dominierte zum zweiten Mal "Das Streben nach Glück" die deutschen Charts. Nach geschätzten Zahlen wurde das Drama mit Will Smith von 230.000 Besuchern gesehen. Direkt dahinter landete laut "Blickpunkt: Film" als bester Neustart der Afrika-Thriller "Blood Diamond" mit Leonardo DiCaprio und Djimon Hounsou. Mit 480 Kopien brachte es der Film von Edward Zwick auf rund 170.000 Besucher. Direkt dahinter folgt mit "Arthur und die Minimoys" ein weiterer Neustart: Der Animationsfilm von Luc Besson kam mit 494 Kopien auf etwa 150.000 Zuschauer.

Die Hitler-Komödie "Mein Führer" baut unterdessen schnell ab: Am dritten Wochenende wollten nur noch rund 75.000 Kinogänger Dani Levys Satire sehen - ein Minus von fast 50 Prozent im Vergleich zum Vorwochenende. Die Bayern-Komödie "Schwere Jungs" konnte an seinem zweiten Wochenende ungefähr die gleiche Besucherzahl verbuchen.

Erst auf Platz sechs folgt der in 300 Kinos gestartete Film "One Way" mit Til Schweiger, den rund 60.000 Zuschauer sehen wollten. Der nur in 70 Kinos gestartete Film "Paris, je t'aime" wurde in 70 Kinos ins Rennen geschickt, kam mit etwas mehr als 20.000 Besuchern allerdings nur auf Platz 18.

Die größten deutschen Kinoketten Cinestar und Cinemaxx haben sich mit dem US-Verleiher 20th Century Fox über die Fristen für die Zweitverwertung von Kinofilmen auf DVD geeinigt. Spätestens zum Start der neuen Programmwoche an diesem Donnerstag werden die Filme "Rache ist sexy" und "Nachts im Museum" wieder in den Häusern der Kette zu sehen sein, sagte ein Cinemaxx-Sprecher. Über Einzelheiten der getroffenen Absprache sei mit allen Parteien Stillschweigen vereinbart worden. Die deutschen Kinobetreiber hatten in der vergangenen Woche drei Filme der 20th Century Fox abgesetzt, um gegen Pläne des Unternehmens zu protestieren, die Filme bereits drei Monate nach Kinostart auf DVD zu vermarkten. Bisher galt eine Zweitverwertungsfrist von sechs Monaten.

bor/AP



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