Von Jenni Zylka
Aus. Wir haben's überstanden. Bella und Edward werden sich ewig lieben, denn sie sind unsterblich. Stephenie Meyer schreibt eh keine weiteren "Twilight"-Romane mehr. Was soll man sich noch groß mit dem Nacherzählen der Handlung von "Breaking Dawn Teil 2" aufhalten? Der Inhalt ist ohnehin ungefähr 100 Millionen "Twilight"-Lesern bekannt. Nur soviel: Auch im letzten Teil der Reihe, dem zweigeteilten "Twilight"-Schlussakkord, setzt sich der Trend fort, statt Geschichten Tableaus zu inszenieren, anstelle von Aktionen Großaufnahmen von Gesichtern oder statische Dialoge zu zeigen, und auf eine Figurenentwicklung fast komplett zu verzichten.
Allein Bella, die vom derzeitigen Modemagazin-Liebling Kristen Stewart gespielt wird, bekommt eine eigene Dramaturgie: Sie verwandelte sich am Ende von "Breaking Dawn Teil 1" zum Vampir und hat nun einiges an Veränderungen in den Griff zu kriegen. Ihr zuzuschauen, wie sie ihre enormen neuen körperlichen und geistigen Kräfte entdeckt, rettet die Zuschauer über die ersten 15 Minuten des Films.
Robert Pattinson, der den Edward spielt, wird dagegen ein wenig ins Abseits manövriert. Edward, auf dessen Lippen und Augen in den vergangenen drei Jahren in Millionen von Tagebuch-Blogs Teeniesonette verfasst wurden, in den sich die überwiegend heterosexuellen, weiblichen "Twilight"-Fans verliebten, spielt kaum eine Rolle in diesem Film. Das mag an der durch das Buch vorgegebenen Handlung liegen. Denn auch in der literarischen Vorlage bleibt Edwards Innenleben, seine Entwicklung, etwa zum Vater, im Dunkeln. Es ist Bella, die erzählt.
Lächeln, das war's
Das könnte man cool finden. Womöglich will Brite Pattinson nicht mehr so weitermachen wie bisher. Er pocht auf seine musikalischen Ambitionen und hält sich neben der unvermeidlichen Film-Promo von publicitywirksamen Partys fern. In der Öffentlichkeit hatte er sich immer wieder gegen Hollywood und dessen künstliche Hypes ausgesprochen.
Die Kriterien für seine Rollenauswahl allerdings, die vor der Saga vor allem aus seinem Auftritt als Cedric Diggory in "Harry Potter und der Feuerkelch" bestand, waren nach "Twilight" zunächst etwas unklar: In Francis Lawrence' biederer Zirkusromanze "Wasser für die Elefanten" spielte er lustlos den klassischen romantischen Held. Auch der wenig scharfzüngigen Adaption von Guy de Maupassants "Bel Ami" konnte Pattinson keinen besonderen Pep verpassen. Aber den Börsenmilliardär in David Cronenbergs Don-DeLillo-Verfilmung "Cosmopolis", dessen Leben sich in einer Stretch-Limo abspielt, verkörpert der 26-Jährige sehr gut.
Mindestens fünf Filme mit Pattinson werden in nächster Zeit noch in die Kinos kommen, einer davon ist Werner Herzogs Biografie der Geografin, Autorin und politischen Figur Getrude Bell. Pattinson spielt darin den jungen T. E. Lawrence, den späteren Lawrence von Arabien.
Ohne Lust und Wucht
In einem futuristischen Independent-Western wird er ebenfalls mitmachen, außerdem in einem harten Thriller und auch im nächsten Cronenberg-Film. Das klingt so, als ob er als Teeniestar verschwinden und als Underdog- oder Independent-Schauspieler wieder auftauchen möchte.
Kristen Stewart dagegen hat im Fantasy-Märchen "Snow White And The Huntsman" mitgespielt sowie in der lahmen Kerouac-Verfilmung "On The Road". Ihre schauspielerischen Qualitäten fanden bislang überall Anklang - man traut der somnambulen, schönen Frau, die schlechtgelaunter und damit etwas natürlicher wirkt als die meisten ihrer Kolleginnen, eine Menge zu.
Allerdings muss sich der bigotte Teil Amerikas momentan erst einmal wieder einkriegen. Er hat der Schauspielerin die Romanze mit dem "Snow White"-Regisseur Rupert Sanders wohl noch nicht verziehen, die durch Paparazzi ans Licht gezerrt und so auch ihrem Partner Pattinson bekannt wurde.
Bei den Dreharbeiten zu "Breaking Dawn Teil 2" jedenfalls war noch alles in Ordnung: Pattinson hatte kurz vor der Promo-Tour zum Film von den gewagten Sexszenen mit Stewart geschwärmt, mit denen sie die Grenzen des Jugendschutz geschrammt hätten. Das mag ihm beim Dreh tatsächlich so vorgekommen sein, im fertigen Film ist die nach 20 Minuten stattfindende Vampir-Liebesnacht jedoch auf ein paar schaurig-kitschige Bilder im Stil David Hamiltons von einer sich-ins-Laken-krallenden Hand und verschwommenen Körpern zusammengeschnurrt. Nicht mal den unnachgiebigsten aller Jugendschützer, den Hays-Code-Erfinder Will H. Hays persönlich, hätte das gejuckt.
Mit der Mormonin und Produzentin Stephenie Meyer im Nacken haben Drehbuchautorin Melissa Rosenberg und Regisseur Bill Condon die Körperlichkeit ihrer Helden auf Schwarmniveau eingedampft, anstatt die Wucht und Lust anzudeuten, mit der sich Vampire vereinen, so wünscht man es sich jedenfalls und liest man selbst bei Meyer. Den schmachtenden Teenies wird nur eine einzige Szene gegönnt, in der Wolfsmensch Jacob, der andere Schwarm Bellas, sich auszieht und seinen aufgepumpten, haarlosen Big-Jim-Körper vorführt.
Als Konsequenz aus dieser Poesiealbumstimmung, die sich in den ersten zwei Dritteln von "Breaking Dawn Teil 2" einstellt, freut man sich, als es im Showdown endlich zum Kampf zwischen den guten und den bösen Vampiren kommt, und jede Menge Knochen knacken und blutleere Vampirköpfe rollen. Ganz nach dem im Teenager-Kino gern postulierten Motto: Busen zeigen ist bah, Kehle durchschneiden ist fein.
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