"Breaking Dawn"-Finale: Blut statt Busen

Von Jenni Zylka

Vampire voller Lust und Wucht? Nicht im letzten Teil der Verfilmung von Stephenie Meyers "Twilight"-Saga. "Breaking Dawn Teil 2" bietet wie seine Vorgänger erotikfreie Stimmung fürs Poesiealbum - zuletzt aber durchbricht ein rabiater Showdown die Idylle.

Aus. Wir haben's überstanden. Bella und Edward werden sich ewig lieben, denn sie sind unsterblich. Stephenie Meyer schreibt eh keine weiteren "Twilight"-Romane mehr. Was soll man sich noch groß mit dem Nacherzählen der Handlung von "Breaking Dawn Teil 2" aufhalten? Der Inhalt ist ohnehin ungefähr 100 Millionen "Twilight"-Lesern bekannt. Nur soviel: Auch im letzten Teil der Reihe, dem zweigeteilten "Twilight"-Schlussakkord, setzt sich der Trend fort, statt Geschichten Tableaus zu inszenieren, anstelle von Aktionen Großaufnahmen von Gesichtern oder statische Dialoge zu zeigen, und auf eine Figurenentwicklung fast komplett zu verzichten.

Allein Bella, die vom derzeitigen Modemagazin-Liebling Kristen Stewart gespielt wird, bekommt eine eigene Dramaturgie: Sie verwandelte sich am Ende von "Breaking Dawn Teil 1" zum Vampir und hat nun einiges an Veränderungen in den Griff zu kriegen. Ihr zuzuschauen, wie sie ihre enormen neuen körperlichen und geistigen Kräfte entdeckt, rettet die Zuschauer über die ersten 15 Minuten des Films.

Robert Pattinson, der den Edward spielt, wird dagegen ein wenig ins Abseits manövriert. Edward, auf dessen Lippen und Augen in den vergangenen drei Jahren in Millionen von Tagebuch-Blogs Teeniesonette verfasst wurden, in den sich die überwiegend heterosexuellen, weiblichen "Twilight"-Fans verliebten, spielt kaum eine Rolle in diesem Film. Das mag an der durch das Buch vorgegebenen Handlung liegen. Denn auch in der literarischen Vorlage bleibt Edwards Innenleben, seine Entwicklung, etwa zum Vater, im Dunkeln. Es ist Bella, die erzählt.

Lächeln, das war's

Fotostrecke

13  Bilder
"Breaking Dawn Teil 2": Schauriger Kitsch
Während Pattinson im ersten, mit Abstand besten Film der Saga noch versucht hatte, zu schauspielern - und etwa die innere Zerrissenheit angesichts seiner Zweifel, ob eine Liebesbeziehung mit einem Menschen möglich ist, darstellt -, hat er im letzten Teil rein gar nichts mehr zu tun. Mal schaut er verliebt, mal nachdenklich, mal lächelt er, das war's.

Das könnte man cool finden. Womöglich will Brite Pattinson nicht mehr so weitermachen wie bisher. Er pocht auf seine musikalischen Ambitionen und hält sich neben der unvermeidlichen Film-Promo von publicitywirksamen Partys fern. In der Öffentlichkeit hatte er sich immer wieder gegen Hollywood und dessen künstliche Hypes ausgesprochen.

Die Kriterien für seine Rollenauswahl allerdings, die vor der Saga vor allem aus seinem Auftritt als Cedric Diggory in "Harry Potter und der Feuerkelch" bestand, waren nach "Twilight" zunächst etwas unklar: In Francis Lawrence' biederer Zirkusromanze "Wasser für die Elefanten" spielte er lustlos den klassischen romantischen Held. Auch der wenig scharfzüngigen Adaption von Guy de Maupassants "Bel Ami" konnte Pattinson keinen besonderen Pep verpassen. Aber den Börsenmilliardär in David Cronenbergs Don-DeLillo-Verfilmung "Cosmopolis", dessen Leben sich in einer Stretch-Limo abspielt, verkörpert der 26-Jährige sehr gut.

Mindestens fünf Filme mit Pattinson werden in nächster Zeit noch in die Kinos kommen, einer davon ist Werner Herzogs Biografie der Geografin, Autorin und politischen Figur Getrude Bell. Pattinson spielt darin den jungen T. E. Lawrence, den späteren Lawrence von Arabien.

Ohne Lust und Wucht

In einem futuristischen Independent-Western wird er ebenfalls mitmachen, außerdem in einem harten Thriller und auch im nächsten Cronenberg-Film. Das klingt so, als ob er als Teeniestar verschwinden und als Underdog- oder Independent-Schauspieler wieder auftauchen möchte.

Kristen Stewart dagegen hat im Fantasy-Märchen "Snow White And The Huntsman" mitgespielt sowie in der lahmen Kerouac-Verfilmung "On The Road". Ihre schauspielerischen Qualitäten fanden bislang überall Anklang - man traut der somnambulen, schönen Frau, die schlechtgelaunter und damit etwas natürlicher wirkt als die meisten ihrer Kolleginnen, eine Menge zu.

Allerdings muss sich der bigotte Teil Amerikas momentan erst einmal wieder einkriegen. Er hat der Schauspielerin die Romanze mit dem "Snow White"-Regisseur Rupert Sanders wohl noch nicht verziehen, die durch Paparazzi ans Licht gezerrt und so auch ihrem Partner Pattinson bekannt wurde.

Bei den Dreharbeiten zu "Breaking Dawn Teil 2" jedenfalls war noch alles in Ordnung: Pattinson hatte kurz vor der Promo-Tour zum Film von den gewagten Sexszenen mit Stewart geschwärmt, mit denen sie die Grenzen des Jugendschutz geschrammt hätten. Das mag ihm beim Dreh tatsächlich so vorgekommen sein, im fertigen Film ist die nach 20 Minuten stattfindende Vampir-Liebesnacht jedoch auf ein paar schaurig-kitschige Bilder im Stil David Hamiltons von einer sich-ins-Laken-krallenden Hand und verschwommenen Körpern zusammengeschnurrt. Nicht mal den unnachgiebigsten aller Jugendschützer, den Hays-Code-Erfinder Will H. Hays persönlich, hätte das gejuckt.

Mit der Mormonin und Produzentin Stephenie Meyer im Nacken haben Drehbuchautorin Melissa Rosenberg und Regisseur Bill Condon die Körperlichkeit ihrer Helden auf Schwarmniveau eingedampft, anstatt die Wucht und Lust anzudeuten, mit der sich Vampire vereinen, so wünscht man es sich jedenfalls und liest man selbst bei Meyer. Den schmachtenden Teenies wird nur eine einzige Szene gegönnt, in der Wolfsmensch Jacob, der andere Schwarm Bellas, sich auszieht und seinen aufgepumpten, haarlosen Big-Jim-Körper vorführt.

Als Konsequenz aus dieser Poesiealbumstimmung, die sich in den ersten zwei Dritteln von "Breaking Dawn Teil 2" einstellt, freut man sich, als es im Showdown endlich zum Kampf zwischen den guten und den bösen Vampiren kommt, und jede Menge Knochen knacken und blutleere Vampirköpfe rollen. Ganz nach dem im Teenager-Kino gern postulierten Motto: Busen zeigen ist bah, Kehle durchschneiden ist fein.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
niska 19.11.2012
Zitat von sysopBusen zeigen ist bah, Kehle durchschneiden ist fein. "Breaking Dawn Teil 2": Die Twilight-Saga endet mit Blut statt Busen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/kino/breaking-dawn-teil-2-die-twilight-saga-endet-mit-blut-statt-busen-a-867087.html)
So schön hat schon lange niemand mehr das Credo der evangelikalen Neocons in einen Mottospruch gegossen.
2. Was haben die aus den Vampiren gemacht?!
derdriu 19.11.2012
Ich habe immer gerne Vampierfilme gesehen ("Interview mit einem Vampir", "Bram Stokers Dracula", ...), aber DAS da?! Da war "Buffy" cooler und das Musical "Tanz der Vampire" gruseliger. Die Geschichte war langweilig und vor allem brutal konservativ und von vorgestern. Naja, immerhin haben die Bücher einige Teenies zum Lesen gebracht. Der Film hatte einige coole Effekte (schön zusammengefasst auf Youtube), aber das war es auch. 2 Heulsusen, unsympathische Charaktere, denen man auf den Kopf hauen will. Leider kann ich jetzt auch die Schauspieler kaum noch ernst nehmen... Wäre der Film etwas ironischer gewesen, hätten sie noch eine Chance gehabt.
3.
Sebastian Mellmann 19.11.2012
Zitat von sysopVampire voller Lust und Wucht? Nicht im letzten Teil der Verfilmung von Stephenie Meyers "Twilight"-Saga. "Breaking Dawn" Teil 2 bietet wie seine Vorgänger erotikfreie Stimmung fürs Poesiealbum - zuletzt aber durchbricht ein rabiater Showdown die Idylle. "Breaking Dawn Teil 2": Die Twilight-Saga endet mit Blut statt Busen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/kino/breaking-dawn-teil-2-die-twilight-saga-endet-mit-blut-statt-busen-a-867087.html)
Da lob ich mir doch "True Blood". DAS ist eine richtige Vampire-Serie. Gestern kurz mal reingschaltet, furchtbar. Kann ich mir auch irgendeine Schnulze anschauen.
4. Endlich
theduderino 19.11.2012
Zitat von derdriuIch habe immer gerne Vampierfilme gesehen ("Interview mit einem Vampir", "Bram Stokers Dracula", ...), aber DAS da?! Da war "Buffy" cooler und das Musical "Tanz der Vampire" gruseliger.[...]
Ey, nichts gegen Buffy! Die Serie hatte Tempo, Witz und bot sehr viel mehr für junge Damen in der Entwicklung, als dieser Twilight-Mist. Ich musste mir damals den ersten Teil mit meiner damaligen Freundin angucken, die begeistert die Bücher gelesen hat. Schon in der Schlange zum Film hätten bei mir die Alarmglocken schrillen müssen, angesichts schier unendlicher Mädels nahe oder mitte in der Pubertät. Nach nun 4 Jahren bin ich froh, dass es endlich vorbei ist! Ja, Frau Stewart sieht schon recht schnuckelig aus, aber mit ihrem 4-5 Valium-zuviel-Blick auch ein wenig bedeppert. Und Herr Patterson hat bei mir verschissen, 2005 gab er in einem Interview zum 4. Harry Potter-Film zu protokoll, dass er froh ist nach nur einem Film wieder weg zu sein, er wolle niemals in einer Film-Serie auf nur eine Rolle fixiert sein. Tja, wie das Leben so spielt...Edward....
5.
kreis_rund 19.11.2012
Zitat von Sebastian MellmannDa lob ich mir doch "True Blood". DAS ist eine richtige Vampire-Serie. Gestern kurz mal reingschaltet, furchtbar. Kann ich mir auch irgendeine Schnulze anschauen.
Wo genau haben Sie gestern kurz reingeschaltet?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Kino
RSS
alles zum Thema "Twilight"-Saga
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 29 Kommentare
  • Zur Startseite
"Breaking Dawn Teil 2 - Bis(s) zum Ende der Nacht Teil 2"

USA 2012

Regie: Bill Condon

Drehbuch: Melissa Rosenberg nach einem Roman von Stephenie Meyer

Darsteller: Kristen Stewart, Robert Pattinson, Taylor Lautner, Elizabeth Reaser, Ashley Greene, Peter Facinelli, Michael Sheen, Dakota Fanning

Produktion: Lionsgate, Summit Entertainment

Verleih: Concorde

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Start: 22. November 2012


Fotostrecke
"Breaking Dawn Teil 1": Bellas flüchtiges Eheglück