Britische Schauspiellegende Paul Scofield ist tot

Er war einer der renommiertesten Shakespeare-Darsteller Englands und wurde in Hollywood mit dem Oscar ausgezeichnet. Jetzt ist der britische Schauspieler Paul Scofield im Alter von 86 Jahren gestorben.


London - Auf der Bühne und im Film war Paul Scofield ein gefeierter Mime. Der Schauspieler leitete mehrere Jahre die Royal Shakespeare Company und wurde 1966 für die Rolle des Lordkanzlers Thomas Morus in dem Film "Ein Mann für alle Jahreszeiten" mit dem Oscar ausgezeichnet. Nun ist Scofield nach Angaben seiner Agentin Rosalind Chatto im Alter von 86 Jahren in einem Krankenhaus in Südengland gestorben. Er litt an Leukämie.

Schauspieler Scofield (1970): Leidenschaftlicher Bühnendarsteller
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Schauspieler Scofield (1970): Leidenschaftlicher Bühnendarsteller

Scofield wurde am 21. Januar 1922 in Hurstspierpoint, West Sussex, geboren. 1943 heiratete er die Schauspielerin Joy Parker und lebte mit ihr in Balcombe, wo das Paar seine beiden Kinder aufzog.

Vor dem Zweiten Weltkrieg besuchte Scofield die Croydon Repertory Theater School und Londons Mask Theater School. Seine ersten Erfolge feierte er in Bühnenstücken während des Krieges.

In den vierziger Jahren trat er in London und Stratford upon Avon unter anderem in Dramen von Shakespeare, Shaw, Steinbeck and Tschechow auf. 1955 tourte er unter Regisseur Peter Brook als Hamlet und trat 1956 in einer Adaption von Graham Greenes "Die Kraft und die Herrlichkeit" auf, die als eine seiner stärksten Leistungen gefeiert wurde.

Sein größter Erfolg auf der Leinwand schloss sich allerdings an ein Bühnenstück an. In der Londoner Theater-Produktion "Ein Mann für alle Jahreszeiten" von Robert Bolt trat er neun Monate lang auf - für die New Yorker Produktion des Stücks wurde Scofield mit dem Tony Award, für die Verfilmung des Regisseurs Fred Zinnemann mit dem Oscar ausgezeichnet. Nach seinem riesigen Erfolg mit "Ein Mann für alle Jahreszeiten" auf der Leinwand kehrte Scofield vorerst zur Bühne zurück: 1979 trat er als Salieri im Theaterstück "Amadeus" auf - zu späteren großen Auftritten gehörten "Heartbreak House" (1992) sowie die Produktion des National Theatre von Ibsens "John Gabriel Borkman" (1996). Sein schroffes Gesicht und seine markante Stimme wurden zu seinen Markenzeichen.

Zu Scofields bekannten Filmrollen gehört die eines Widerstandskämpfers im Film "Der Zug" (1964). Beifall erhielt er auch für die Darstellung eines alten Geheimagenten in "Scorpio" (1973). An der Seite von Mel Gibson und Glenn Close trat er in "Hamlet" (1990) auf, Kenneth Branagh gewann ihn für den Film "Henry V" (1989), in dem er den König von Frankreich darstellte. Mit Robert Redfords "Quiz Show" (1994) und in der Leinwand-Adaption von Arthur Millers Bühnenstück "Hexenjagd" (1996) feierte er weitere Erfolge.

Scofield wurde oft als ungewöhnlicher Star beschrieben. Er verbrachte die meiste Zeit mit seiner Frau und seinen Kindern und wohnte bis zu seinem Tod in der Nähe seines Geburtsortes in Südengland. Er lebte zurückgezogen, vermied rote Teppiche und gab selten Interviews. Selbst die Ritterwürde, die ihm angeboten wurde, lehnte er ab.

Schauspieler Richard Burton, der zu den Hoch-Zeiten des britischen Theaters als Thronerbe von Darstellern wie Laurence Olivier und John Gielgud gehandelt wurde, bemerkte einst, es sei Scofield, dem diese Ehre wirklich gebühre. Er sagte: "Von zehn großen Momenten im Theater gehören acht Scofield."

Der Schauspieler selbst sagte einst: "Meine Zurückgezogenheit ist ein Gerücht. Ich bin nur nicht sonderlich gesellig. Und ich habe einige Rollen abgelehnt. In meinem Alter muss man sortieren, aber der Gedanke, dass ich mich nicht mehr fürs Schauspielern interessiere, ist absurd. Schauspielern ist alles, was ich kann. Ein Schauspieler: Das ist, was ich bin."

sta/dpa/AP



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