"Bullyparade - der Film" Manitus Resterampe

Gags wie vom Komiker-Gnadenhof: In "Bullyparade - der Film" verwurstet Bully Herbig, das einstige Wunderkind der deutschen Comedy, alte Erfolge zur uninspirierten Nummernrevue.

Warner Bros.

Im Kino ist es oft ein Vergnügen, wenn ein Haufen altgewordener Draufgänger es noch mal wissen will. In "Space Cowboys" waren es Astronauten, in "Ocean's Eleven" Berufsganoven und in "Kundschafter des Friedens" ausgemusterte DDR-Spione, die durch einen wie vom Himmel gefallenen Auftrag die eingerosteten Knochen und Hirne mobilisieren durften und mit Ruheständler-Lässigkeit ein großes Publikum begeisterten.

Nun sind auch Michael Bully Herbig und seine Mitstreiter Christian Tramitz und Rick Kavanian in einer Rentnermission unterwegs. Von irgendeiner höheren Stelle oder einem durchgeknallten Computerprogramm haben die drei die Order bekommen, noch mal ihre alten Kostüme anzuziehen, die alten Grimassen aufzusetzen und die Komikernummern nachzuspielen, mit denen sie vor gefühlt ewigen Zeiten, sozusagen in der Steinzeit des deutschen Komikerwesens, riesigen Erfolg hatten: in der Fernsehserie "Bullyparade" (1998 bis 2002) und den daraus hergeleiteten Kinofilmen "Schuh des Manitu" (2001), "(T)Raumschiff Surprise" (2004) und "Lissi und der wilde Kaiser" (2007).

In Wahrheit sind seither natürlich noch gar nicht so viele Jahre vergangen. Trotzdem wirkt "Bullyparade - der Film" nun so, als habe man sein Personal auf einem Komiker-Gnadenhof rekrutiert.

Täglich grüßt das Bullytier

Das liegt nicht an den Falten, die sich in die Gesichter von Herbig, Tramitz und Kavanian gegraben haben. Es liegt nicht an den Gewändern, die hier im Wilden Westen, auf großer Weltraumfahrt oder in einem bayerischen Spukschloss spazieren getragen werden, als habe man ein paar ältere Herrschaften eben in Kinderfaschingskostüme gesteckt. Es liegt an den uralten Witzen, die hier einfach noch mal erzählt werden, in lustig süddeutschem Metrosexuellen-Singsang, als seien alle Beteiligten seit mehr als anderthalb Jahrzehnten in einer Endlosschleife gefangen. "Bullyparade - der Film" könnte auch "Und täglich grüßt das Bullytier" heißen.

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"Bullyparade": Kasse statt Klasse

Der Film ist eine lose Sketchesammlung. Sie besteht aus vier Episoden und einer minimalistischen Rahmenstory. Eine Episode heißt "Winnetou in Love" und handelt davon, dass der Indianerhäuptling Winnetou (Herbig) von seinem Blutsbruder Old Shatterhand (Tramitz) vor der Heirat mit einer bösen weißen Frau (Cornelia Ivancan) bewahrt wird.

Eine nennt sich "Wechseljahre einer Kaiserin" und zeigt Herbig als schreckhafte Hochadelige Sissi mit roten Zöpfen. Eine spielt im Weltraum unter dem Titel "Planet der Frauen" und präsentiert eine Gruppe von außerirdisch schönen Frauen, die zwar wenig mit dem Besuch von Käpt'n Kork (Tramitz), Mr. Spuck (Herbig) und Schrotty (Kavanian) anfangen können, aber dafür sensationell tanzen.

Im Video: "Bullyparade - der Film"-Kritik

Warner Bros.

Die in der amerikanischen Hochfinanzwelt angesiedelte Clownsnummer "Lutz of Wall Street" und die DDR-Travestie "Zurück in die Zone" sind Aufwärmübungen, in denen Herbigs vorletztes Komödianten-Aufgebot die Perücken flattern, die Augen rollen und die Gelenke knacken lässt. Der Filmtrailer nennt das Ganze "Eine Reise ins Ungewisse".


"Bullyparade - der Film"
Deutschland 2017

Regie: Michael Bully Herbig
Drehbuch: Michael Bully Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian, Alfons Biedermann
Darsteller: Michael Bully Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian, Sky du Mont, Alexander Schubert, Cornelia Ivancan, Ivanka Brekalo, Jasmin Lord
Produktion: herbX film, Warner Bros., Amazon Studios
Verleih: Warner Bros.
Länge: 100 Minuten
FSK: ab 6 Jahren
Start: 17. August 2017

Unklar, wieviele Menschen sich diesen Humor-Trash ansehen wollen, der gar nichts anderes zu betreiben vorgibt als kulturhistorische Abfallwirtschaft. Aber soll man wirklich blöd filmökonomisch darüber sinnieren, ob "Bullyparade - der Film" ein großes Publikum ins Kino lockt oder nicht, ob die Teenager der Jahrtausendwende wirklich schnell genug gealtert sind, damit sie sich nun über diesen Seniorenklamauk beeumeln?

Interessanter scheint die Frage, was eigentlich mit dem talentierten Mr. Herbig los ist. Als Schauspieler (in Helmut Dietls verunglücktem Politklamauk "Zettl"), als Regisseur ("Buddy") und als Massenliebling (der Mann von Haribo) war er doch eben noch eine Hoffnungsfigur des deutschen Kinos. Hier spielt er nun den zwar geschäftstüchtigen, aber humoristisch völlig ungewieften Abzocker.

Herbig, inzwischen auch schon 49, will derzeit offensichtlich nicht wirklich wissen, was im Kino für ihn geht. Das ist schade. "Bullyparade - der Film" sieht aus wie das Werk eines Mannes, der auf ehrgeizlose Art bloß noch einmal ein bisschen Kasse macht.

Im Video: Der Filmtrailer von "Bullyparade - der Film"

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insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
andi5lebt 17.08.2017
1. Was genau erwarten sie bei Bullyparade - Der Film?
Eine Kritik die kritisiert, daß der Film genau das ist, was er sein will? Wenn Kritiker irgendeine kreative Leistung erbringen können müssten, würde ich fragen, was die hätten anders machen sollen oder sollen in Bullyparade - Der Film als eine Filmversion der Bullyparade... Ohne natürlich direkte Vergleiche ziehen zu wollen: Monty Pythons And Now for Something Completely Different war auch nur eine Langversion einer Flying Circus Episode. PS: immerhin kein Til Schweiger.
Leibdschor 17.08.2017
2. Vielleicht....
... ist er ja aber auch blos so clever, weil er weiß, dass nix anderes z.Z. ihm das Wasser reichen kann? Der deutsche Humor hätte ohne Herbig in den letzten 20 Jahren im Kino nicht stattgefunden. Natürlich ist es Klamauk, aber wer bietet in Deutschland in dem Bereich z.Z. was Besseres? Das er jetzt seinen alten Kram neu aufbrühen kann, ist sicher auch ein Grund dafür. Und wie es ja meistens mit solchen Vorabrezensionen über Filme ist, erstmal abwarten wieviele ins Kino gehen. Ich denke nur daran, wie vorab seine oder auch Schweigers Filme von Bildungsschreibern zerrissen wurden und das Volk trotzdem in die Filme strömte. Einfach mal abwarten...
spon-facebook-1786107337 17.08.2017
3. okay -
es stimmt schon - der Film ist "Resterampe", allerdings immer noch komischer als das meiste, was uns heutzutage so an "Commedy" im TV geboten wird :-). Allerdings frage ich mich auch: was ist mit dem Regisseur Bully nur los? wo bleiben die echten Filme?
franxinatra 17.08.2017
4. Nichts ist so humorlos...
wie Comedy als geschäft; und die Kritik, so wie sie sich da selbst gefällt eher eine einladung in den Film als manche Beweihräucherung anderer Werke.Danke!
erst nachdenken 17.08.2017
5.
Ich weiß nicht, wer das lustig findet, aber irgendwelche Leute scheinen ihre Humorenzwicklung in den 90ern aufgegeben zu haben. Traurig, irgendwie sehr sehr traurig.
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