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Bullys "Wickie"-Film: Entern macht lustig

Von Daniel Haas

Sissi, Winnetou, Raumschiff Enterprise: Michael "Bully" Herbig ist der große Verwurster von TV-Mythen. Jetzt hat er sich den Zeichentrick-Seeräuber Wickie vorgeknöpft - und einen mitreißenden, rundherum stimmigen Kinderfilm geschaffen, der nicht nur kleine Menschen ins Boot holt.

"Wickie" von "Bully": "Du denkst zu viel" Fotos
Constantin Film

"Ich bin der Stirn so satt", sagte Gottfried Benn mal, aber da war es schon zu spät: Man war bereits zum Kultur- und Kunstträger verkommen, die Moderne hatte alles verkompliziert, das Leben, das Arbeiten, das Denken sowieso.

"Du denkst zu viel", sagt Halvar, der Wikinger-König, das ist sozusagen prämoderne Intellektuellenkritik. Wickie, der nordische Schlauberger, kriegt diesen Satz zu hören. Das ist bei Licht besehen natürlich schwarze Pädagogik, und heute, wo die Mittelschichtsmütter die Kleinen schon im Krabbelalter mit Fremdsprachen und Yoga für den Verteilungskampf fit machen, ist so was so was von nicht angesagt.

Wickie ist also ein zeitgemäßer, aufgeklärter Held in einer dumpfen, auf schrullige Weise peinlichen Epoche. Schon in der berühmten Fernsehserie war es so, warum also sollte Michael "Bully" Herbig an dieser schönen Prämisse etwas ändern?

Überhaupt ändert Deutschlands erfolgreichster Spaßmacher sowieso nie wirklich was: Er recycelt TV-Mythen, peppt sie mit einem Schuss Schwulenwitz und ein paar selbstrefentiellen Pointen auf, am Ende ist es immer das Alte mit neuem Look. Eine Bonbonfassung jener Fernseh- und Filmfolklore, die selbst schon eine frühe Form von medialem Popcorn war.

Das Verfahren war mal mehr ("Schuh des Manitu"), mal weniger gelungen ("Lissi") hat sich aber als Markenstrategie etabliert. Bei der Pressevorführung zu "Wickie und die starken Männer" in Berlin stand eine Madame-Tussauds-Wachsfigur von Herbig am Eingang. Da hatte man endgültig begriffen, wie weit die kulturelle Definitionskraft dieses Mannes mittlerweile geht - und dass die Postmoderne - Zitate, die sich auf Zitate beziehen, die wieder auf Zitaten fußen - selbst uns auf Eigentlichkeit und Authentizität geeichten Deutschen große Medienkarrieren bescheren kann.

Fleisch- und Haarmassen

Und was ist jetzt mit "Wickie"? Ein wunderbarer Film. Weil herzig, schnell, ulkig, mit großer Liebe fürs Detail ausgestattet und vor allem von den kleinen Darstellern (Jonas Hämmerle als Titelheld, Mercedes Jadea Diaz) ganz groß gespielt. Hier ist der infantile Bully-Witz rundherum angemessen: schmerbäuchige Wikinger, depravierte Seeräuber ( Jürgen Vogel in der, aus zahnästhetischer Sicht, angemessensten Rolle seiner Laufbahn), wilde Raufereien - dies alles ist mit herrlicher Verve inszeniert.

Für die Eltern gibt es dann noch ein paar intertextuelle Mätzchen, Herbig selbst als spanische Knallcharge und ein paar deutsche Charakterköpfe in wunderbarer Verunstaltung (ja, das ist tatsächlich Anke Engelke unter diesen Fleisch- und Haarmassen).

Da hat einer womöglich doch wickiehaft genau gedacht und den heute 40-Jährigen, die mit eben diesem Nordländerknaben aufgewachsen sind (ansonsten guckte man "Rauchende Colts" und das "Feuerrote Spielmobil"), ein hübsch nostalgisches Déjà-vu hingezaubert.

Und spätestens im Finale, wenn sich ein Wikingerkahn in ein richtiges Luftschiff verwandelt, dann hebt dieser Film ab: in die Gefilde der Kunst, wo die Metaphern für sich selber sprechen und Groß und Klein bezaubern.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. 4
Gegengleich 10.09.2009
Zitat von sysopSissi, Winnetou, Raumschiff Enterprise: Michael "Bully" Herbig ist der große Verwurster von TV-Mythen. Jetzt hat er sich den Zeichentrick-Seeräuber Wickie vorgeknöpft - und einen mitreißenden, rundherum stimmigen Kinderfilm geschaffen, der nicht nur kleine Menschen ins Boot holt. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,647973,00.html
Vielleicht sind hier aller guten Dinge 4!
2. Nicht schon wieder ....
owenmeany 10.09.2009
.. dieser spätpubertäre Bully. Ich durfte schon die Vorschau im Kino sehen und fühlte ich mich gleich an die unterirdischen Pepe Nietnagel-Filme (Die Lümmels aus der ersten Reihe) aus den frühen 70-er Jahren erinnert. Die immergleichen Schwulenwitzchen sind so was von durchgenudelt und abgegrabbelt, quasi der Nachfolger von Peter Alexander. Da zeigt sich mal wieder die ganze Verklemmtheit "Made in Germany". So einen Mist guckt sich im Ausland keiner an, weil völlig inkompatibel und Humor aus der Steinzeit. Allerdings muss ich gestehen, dass ich alle Bully-Erzeugnisse gähnend langweilig und unwitzig finde, vielleicht muss man ein paar Bierchen intus haben oder das Gehirn ausschalten.
3. Braucht der Film
TommIT, 10.09.2009
10 Artikel Zuspruch im Spiegel?
4. Kein Titel - echt nicht
murdi666 10.09.2009
Zitat von owenmeany.. dieser spätpubertäre Bully. Ich durfte schon die Vorschau im Kino sehen und fühlte ich mich gleich an die unterirdischen Pepe Nietnagel-Filme (Die Lümmels aus der ersten Reihe) aus den frühen 70-er Jahren erinnert. Die immergleichen Schwulenwitzchen sind so was von durchgenudelt und abgegrabbelt, quasi der Nachfolger von Peter Alexander. Da zeigt sich mal wieder die ganze Verklemmtheit "Made in Germany". So einen Mist guckt sich im Ausland keiner an, weil völlig inkompatibel und Humor aus der Steinzeit. Allerdings muss ich gestehen, dass ich alle Bully-Erzeugnisse gähnend langweilig und unwitzig finde, vielleicht muss man ein paar Bierchen intus haben oder das Gehirn ausschalten.
Sie haben ja soooo recht. Deutscher Humor ist grundsätzlich schlecht, Bully ist blöd und natürlich muss man sein Gehirn ausschalten. Natürlich auch ein paar Bierchen trinken, wie üblich wie für das Prekariat ... gelle? Zum Glück gibt es Intellektuelle Menschen wie sie bestimmt auch sind, die garantiert keinen Fernseher besitzen (wegen ist bah und pfui), bei Freunden höchstens Arte schauen (genau!) und im Kino wenn überhaupt guten amerikanischen Underground-Humor schauen (natürlich im Original) oder französiche Filme, die in Schwarz-Weiß mit Handkamera gefilmt wurden und eine tiefe Aussage besitzen. Ist nicht persönlich gemeint, jedem seine Meinung und entschuldigung für den Sarkasmus. Aber immer von den verchiedenen Leuten dieselbe Leier über Film,Fernsehen und dem schlechten deutschen Humor im Forum zu lesen geht einem auf die Ei.... :) Ich habe mir übrigens die Vorschau angesehen und finde einfach, dass das ein hübscher Kinderfilm zu sein scheint. Mein Sohn freut sich zumindest auf den Kinobesuch mit Papa :)
5. Altersgrenze
knaxknarke 10.09.2009
Mein Sohn ist erst 10 - Monate um genau zu sein. Ob der als Vorwand reicht, um in diesen Film zu gehen. Wiki war mein großes Vorbild. Ohne ihn hätte ich die bescheuerte Schule sicher in der 1.Klasse abgebrochen. Und zu Bulli: kenne nur den Schuh des Manitu. Der Film war zwar wirklich völlig niveaulos, aber wenn man darüber hinwegsah, konnte man sich super amüsieren. Wer das nicht kann, soll sich halt seine Depressionen in einem Lars von Trier-Film bestätigen lassen (Welt wirr, schlecht, schlimm).
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