Bundesverdienstkreuz überreicht Billy Wilder fand's nicht lustig

Keine Miene verzog Billy Wilder, als Botschafter Jürgen Chrobog ihm die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland an die Brust legte.


Billy Wilder im Januar 2000
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Billy Wilder im Januar 2000

Beverly Hills - Der aus Österreich stammende Hollywood-Regisseur Billy Wilder (93) ist am Freitag (Ortszeit) in Kalifornien mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden. Bundespräsident Johannes Rau hatte Wilder die Auszeichnung wegen "herausragender Verdienste um die Welt des Films" zugesprochen. Es mag ein Ausdruck für die Tragweite eines außergewöhnlichen Moments gewesen sein. Vielleicht war es aber auch ein Zeichen der Erschöpfung. Was sich hinter dem eisernen Schweigen und dem ernsten Blick Billy Wilders verbarg, bleibt sein Geheimnis.

Fast apathisch lauschte der 93-jährige Altmeister der Komödie in seinem Rollstuhl, als Botschafter Chrobog die Errungenschaften des Regisseurs und Drehbuchautors aufzählte: Wilder, der Schöpfer so zahlreicher Sternstunden der Filmgeschichte. Von Komödien wie "Manche mögen's heiß" (1959) über Dramen wie "Zeugin der Anklage" (1957) bis hin zu Tragödien wie "Sunset Boulevard" (1950) reicht sein Repertoire. Marilyn Monroe, Jack Lemmon, Tony Curtis, Audrey Hepburn, Greta Gabo, William Holden - der Regisseur rückte die größten Stars seiner Zeit ins Licht.

Für sein unübertroffenes Werk wurde Wilder schon reichlich dekoriert, unter anderem mit sechs Oscars und der "National Medal of Honor" von US-Präsident Clinton. "Auszeichnungen sind wie Haemorhoiden, irgendwann kriegt sie jeder Arsch...", sagte der auch für seine schonungslos spitze Zunge berühmte Wilder einmal. Dennoch nahm er die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gern entgegen. "Das ist großartig, dass es so etwas noch gibt", erklärte Wilder knapp, als er auf zwei Helfer gestützt an den versammelten Reportern vor der Residenz des deutschen Generalkonsuls Wolfgang Rudolph in Beverly Hills vorbeiging.

Immerhin kommt die jüngste Auszeichnung aus der einstigen Wahlheimat, mit dessen Geschichte Wilders Schicksal auf so tragische Weise verbunden ist. Nach Kindheit und Jugend in Wien hatte es den damaligen Journalisten in den 20er Jahren nach Berlin gezogen. In den goldenen Jahren der UFA schrieb der Filmfan schon bald seine ersten Drehbücher. "Menschen am Sonntag" (1930), "Emil und die Detektive" (1931) und "Der Teufelsreporter" (1929) zählen zu seinen frühen Erfolgen. Dann kam Hitler. Wilders letzter deutscher Film, "Was Frauen träumen", hatte im April 1933 in Berlin Premiere.

Der jüdische Drehbuchautor war bereits in Paris, auf dem Weg nach Hollywood. Sein Name erschien weder im Titel des Films, noch im Programmheft. Als der Emigrant 1945 im Dienst der US-Armee vorübergehend nach Deutschland zurückkehrte, musste er erfahren, dass Mutter, Stiefvater und Großmutter in Auschwitz ums Leben gekommen waren. Trotzdem blieb Wilder dem Land verbunden: "A Foreign Affair" ("Eine auswärtige Affäre"/1948) mit Marlene Dietrich spielte im Nachkriegs-Berlin, die Komödie "Eins, Zwei, Drei" (1961) mit Liselotte Pulver nahm die politische Teilung Deutschlands aufs Korn.

Immer wieder kehrte der erfolgreiche Hollywood-Regisseur zu Besuchen nach Berlin zurück, der Stadt, die auch nach mehr als 60 Jahren noch einen besonderen Platz in seinem Herzen hat. Sehr schöne Gefühle habe er, wenn er heute an Deutschland denke, sagte der 93- Jährige vor seiner Auszeichnung.

Großes Aufsehen um die Verleihung des Verdienstkreuzes wollte Wilder um jeden Preis vermeiden. Und so blieb es bei einer schlichten, kleinen Feierstunde in Los Angeles, unter Abwesenheit der sonst üblichen Stars und Wegbegleiter. Ehefrau Audrey war an Wilders Seite, ein paar Freunde und Bekannte klatschten Beifall. Aus Deutschland waren der Kölner Verleger Benedikt Taschen und Lothar Rohde, Leiter des Bochumer Billy-Wilder-Instituts, angereist.



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