Bundeswehr-Drama "Mörderischer Frieden" Kuscheln im Kosovo

"Pearl Harbor" auf dem Balkan: Der junge Regisseur Rudolf Schweiger versucht in seinem Kinofilm "Mörderischer Frieden", den KFOR-Einsatz der Bundeswehr dramaturgisch aufzubereiten. Raus gekommen ist leider nur eine Bürgerkriegsschmonzette.

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In Deutschland versehen geschätzte 200 Fernsehkommissare ihren Dienst, ein Bundeswehrsoldat aber wurde bislang noch in fast keinem Drama zum Helden erkoren. An die Verteidigungsgemeinschaft trauten sich Kino und TV bislang kaum heran – obwohl sich doch gerade hier einige der großen dringlichen Fragen unserer Zeit behandeln ließen. Wie fühlt es sich zum Beispiel an, wenn junge Menschen, um mit den Worten des ehemaligen Verteidigungsministers Struck zu sprechen, die Sicherheit Deutschlands am Hindukusch verteidigen?

Der junge Regisseur Rudolf Schweiger ist für sein Bundeswehr-Drama "Mörderischer Frieden" nicht nach Afghanistan gegangen, sondern in den Kosovo, wo gut 2000 deutsche Soldaten unter dem KFOR-Mandat für den Schutz der Bevölkerung sorgen sollen. Aus Sicht der beiden Gefreiten Tom (Adrian Topol) und Charly (Max Riemelt) wird die schwierige ethnische Gemengelage in einem fiktiven Ort Metlentan gezeigt, der Film spielt im Jahr 1999. Die Bundeswehr-Soldaten versuchen die Serben in eine Sicherheitszone zu treiben, um sie dort besser vor Übergriffen der Albaner schützen zu können und geraten dabei zwischen die Fronten der ehemaligen Bürgerkriegsparteien.

Für seinen Mut, sich an ein solch schwieriges Thema zu wagen, kann man Regisseur Schweiger Respekt aussprechen, für seine Inszenierungstechniken muss man ihn kritisieren. Denn so unübersichtlich und betont authentisch die Situation nach dem Balkan-Krieg anfänglich gezeichnet wird – die einst von den Serben unterdrückten Albaner machen nun ebenso gnadenlos Jagd auf ihre Peiniger –, Gut und Böse sind hier doch durch ein paar melodramatische Kniffe stets ganz leicht auseinander zu halten.

Man nehme nur die albanischen Paramilitärs, die mit spitzen Messern zur Rache an den Serben schreiten: Der Anführer kneift perfide die Augen zusammen, spricht mit eisiger Stimme und verweist stolz darauf, dass sein Großvater während des Zweiten Weltkriegs bei der SS als Sturmführer gedient habe. Auf serbischer Seite wird ihm ein ebenbürtiger Bösewicht entgegengesetzt. Ein Arzt nämlich, der während des Bürgerkriegs bei Massenerschießungen seinen medizinischen Eid verraten hat, aber keinerlei Grund zur Reue sieht. Nun wollen die Albaner dem Doktor an den Kragen.

Knuddeln in der Kaserne

So erscheinen all die schuldhaften Verstrickungen einzelner Figuren hier als Folge von Charakterschwäche, und der unübersichtliche ethnische Konflikt mutet lediglich wie eine private Fehde an, die es nun eben von den deutschen Soldaten zu schlichten gilt. Letztendlich ist "Mörderischer Frieden" ein recht schlichtes Filmchen geworden, das das komplexe geopolitische Szenario als aufregende Kulisse für ein Buddy-Movie nutzt.

Da verwundert es nicht, dass zwischendurch sogar ein bisschen "Pearl Harbor"-Stimmung aufkommt: Wie in dem US-amerikanischen Weltkriegs-Blockbuster belastet auch hier zwischenzeitlich eine Frau die Freundschaft der Soldaten, denn nachdem der eine die Serbin Mirjana (Susanne Bormann) vor einem albanischen Scharfschützen gerettet hat, verliebt sich die schöne Krankenschwester blöderweise ausgerechnet in den anderen. Während sie Leichen und Landminen aufsammeln, haben die Jungs also guten Grund, im Jeep ein bisschen vor sich hinzuschmollen. Die moralisch erodierte Nachkriegslandschaft wird auf diese Weise zum amourösen Abenteuerspielplatz.

Doch so leichtfertig dieses knuddelige Kasernenabenteuer auch mit dem schwierigen Stoff umgeht: Es bleibt zu hoffen, dass sich in Zukunft noch mehr hiesige Filmemacher der neuen deutschen Interventionswirklichkeit stellen. Denn wenn die Sicherheit Deutschlands tatsächlich am Hindukusch und anderswo außerhalb des Landes verteidigt wird, erfährt man eben gerade dort auch wichtige Dinge über den mentalen Zustand der Bundesrepublik.

Die überschaubaren anderen Produktionen, die es bislang zum Thema gab, sind allerdings ebenfalls gescheitert. So zum Beispiel Thomas Bohns Fernsehdrama "Das Kommando" mit Robert Atzorn, in dem eine Spezialeinheit der Bundeswehr in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mörderische Islamisten im Kaukasus ausschaltet – frei nach dem Motto: Rein und raus, so macht man dem Terror den Garaus.

Schadlos durchs osteuropäische Tohuwabohu

Die Filmschaffenden werden aber nur dann deutsche Auslandseinsätze erhellend aufarbeiten können, wenn sie sich von den Genre-Vorgaben Hollywoods zu lösen bereit sind. US-Weltkriegsschmonzetten wie "Pearl Harbor" sind genauso unbrauchbare Vorbilder wie Interventionsschocker à la "Tränen der Sonne", wo Bruce Willis gewohnt hemdsärmelig in Afrika mit Islamisten aufräumt.

Wer aus der Unübersichtlichkeit von Krisengebieten berichten will, muss auch bereit sein, diese Unübersichtlichkeit konsequent dramaturgisch aufzubereiten. Etwa in der Weise, wie es der Brite Peter Kosminsky 1999 in seinem bislang unerreichten Fernsehzweiteiler "Warriors – Einsatz in Bosnien" getan hat, wo er einer Gruppe von Blauhelmen durchs schier undurchdringliche ethische und ethnische Dickicht im ehemaligen Jugoslawien folgt und die verheerenden seelischen Folgeschäden der zum Nichteingreifen verdammten Uno-Soldaten zeigt.

Die Bundeswehr-Recken in "Mörderischer Frieden" hingegen verstehen es nicht nur, sich schadlos durchs osteuropäische Tohuwabohu zu schlagen, sondern stiften dann auch noch wunderbar symbolträchtig ein bisschen Frieden zwischen den Menschen. Am Ende knattert dann besinnlich ein Heeres-Hubschrauber. Ein Eingreifmärchen, wie es sich die PR-Abteilung der Bundeswehr nicht schöner hätte ausdenken können.



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