Familienfilm "Wir kaufen einen Zoo": Zucker für den Tiger
Ein Tierpark zur Trauerbewältigung - Regisseur Cameron Crowe adaptiert die irrwitzige Lebensgeschichte des Briten Benjamin Mee mit viel kalifornischer Sonne und zu viel Rührseligkeit.
Die Geschichte klingt, als seien mit der Drehbuchautorin die Gäule durchgegangen, oder in diesem Fall womöglich die Tiger: Den Journalisten Benjamin Mee (Matt Damon) hat der Tod seiner Frau in eine Lebenskrise gestürzt. Er bemüht sich, seinem Sohn Dylan und seiner kleinen Tochter Rosie ein guter Vater zu sein und sein Leben weiterzuleben, aber es will nicht gelingen. Rosie und vor allem Dylan verkraften den Tod der Mutter nur schwer, der Teenager wird immer verschlossener und aufsässiger.
Erlösung sucht Mee samt Familie in der domestizierten Wildnis - er kündigt seinen Job und kauft ein altes kalifornisches Landhaus mit einem angeschlossenen heruntergekommenen Zoo, inklusive Tiger, Bären, Pumas. Der Plan, den Rosemoor Wildlife Park wieder flottzumachen und zur Wiedereröffnung zu führen, stellt die Restfamilie und die Zooangestellten (unter anderen Scarlett Johansson) vor enorme Herausforderungen. Auch wenn sich natürlich niemand Sorgen machen muss, dass am Ende von "Wir kaufen einen Zoo" der Tierpark gerettet und die Familie wieder zusammengewachsen sein wird. Wir sind schließlich in Hollywood.
Verbissener Wohlfühlfilm
Allerdings beruht die etwas abstrus anmutende Handlung auf einer wahren Geschichte. Den britischen Journalisten Benjamin Mee gibt es wirklich, und tatsächlich hat er 2006 mit seiner Familie einen maroden Zoo gekauft, den Dartmoor Zoological Park in Devon im Südwesten Englands. Über seine Erfahrungen hat er dann ein Buch geschrieben, das so erfolgreich war, dass sich schnell ein paar Filmproduzenten fanden, um den Stoff auf die Leinwand zu bringen. Sicherheitshalber aber dann doch nicht so realitätsnah: Regisseur Cameron Crowe hat die Geschichte ins sonnige Kalifornien verlegt und auch sonst so ziemlich alles düstere und raue aus der Buchvorlage verbannt.
So starb Benjamin Mees Frau - sie hatte einen Gehirntumor - in Wirklichkeit nicht vor dem Zookauf, sondern inmitten der Bemühungen, den Park auf Vordermann zu bringen. Doch im Film soll das traurige Kapitel dem Zuschauer nur in der Rückschau zugemutet werden, damit nicht zu viele traurige Gedanken vom Vergnügen ablenken. Regisseur Crowe, der mit Filmen wie "Singles", "Jerry Maguire" und "Almost Famous" einst zur ersten Filmemacherliga gehörte, hat nach einem langjährigen Karrieretief wohl etwas zu verbissen versucht, einen Wohlfühlfilm für die ganze Familie abzuliefern, bei dem nichts schiefgehen durfte.
Das Ergebnis ist gefällig, harmlos und überzuckert: Die süße und altkluge Tochter ist ein bisschen zu süß und altklug geraten, die Wandlung des renitenten Teenagers zum liebenswerten Sohnemann kündigt sich von der ersten Sekunde an, und geradezu zwanghaft wird dem Vater und dem Sohn jeweils eine Liebesgeschichte angedichtet, damit es zum unausweichlichen Happy End auch schön romantisch zugeht.
Das ist schade, denn der Film ist auch in den Nebenrollen gut besetzt, die Hauptdarsteller liefern gute und glaubwürdige Arbeit ab, und wie immer bei dem früheren "Rolling Stone"-Journalisten Crowe macht der Soundtrack großen Spaß. Der Film leider nicht. Da lohnt sich eher ein Besuch im echten Dartmoor Zoo, den Benjamin Mee immer noch mit viel Herz und eisernem Willen am Laufen hält. Kalifornische Sonne hat dieser wunderschöne Ort überhaupt nicht nötig.
Film:
"Wir kaufen einen Zoo". Start 3.5. Regie: Cameron Crowe. Mit Matt Damon und Scarlett Johansson.
Buch:
Benjamin Mee: "Wir kaufen einen Zoo: Eine ganz normale Familie und ein verrückter Traum". Aus dem Englischen von Theda Krohm-Linke. Blanvalet; 320 Seiten; 8,99 Euro.
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