Filmfestspiele in Cannes Zur Abwechslung was Komisches

Die Goldene Palme 2017 geht nach Schweden. Mit einer raffinierten Komödie überzeugte Ruben Östlund die Jury. Das überrascht - denn komische Filme haben es in Cannes gewöhnlich schwer.

Ruben Östlund
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Ruben Östlund

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Die schwedische Gesellschaftsfarce "The Square" von Ruben Östlund gewinnt die Goldene Palme 2017. Das nennt man wohl einen Lauf - mit seinem vorherigen Film "Höhere Gewalt" hatte Östlund bereits vor drei Jahren den Preis der Nebenreihe "Un Certain Regard" gewonnen. Nun reiht er sich in die exklusive Loge der großen Cannes-Gewinner wie Michael Haneke oder Terrence Malick ein, ausnahmsweise allerdings mit einem komischen Film.

Komödien haben es auf dem wichtigsten Filmfestival der Welt, das sich viel auf seine Bedeutung einbildet und in der Regel strenges Autorenkino mit gesellschaftskritischer Dimension auszeichnet, gewöhnlich schwer. Doch Östlund konnte die Jury unter Vorsitz von Pedro Almodóvar überraschend überzeugen - mit seiner raffinierten Farce über einen Stockholmer Museumskurator, dessen Leben innerhalb weniger Tage aus den Fugen gerät. Im Gegensatz zu vielen in Cannes ausgezeichneten Filmen, die nur unter Mühen in Deutschland ins Kino kommen, hat "The Square" auch schon einen deutschen Verleih und soll zu Weihnachten hier starten. Es könnte einer der größten Publikumserfolge werden, die Cannes je hervor gebracht hat.

Von vielen Kritikern, nicht zuletzt den französischen als Favorit gehandelt, erhielt der französische Aids-Film "120 battements par minute" von Robin Campillo den zweitwichtigsten Preis, den Grand Prix der Jury. Der Jurypreis, eine Art Bronzemedaille, ging an den Russen Andrej Zvjagintsev für sein grimmiges Drama "Loveless" um ein egoistisches Elternpaar, das seinen kleinen Sohn dazu bringt wegzulaufen. Auch Tvjagintsev war in Kritikerspiegeln lange Zeit weit vorn, er erschien erst enttäuscht über den nachrangigen Preis, machte dann aber einen feinen Witz. Er bedankte sich bei der Jury, explizit bei Will Smith: "Es gibt ihn wirklich!"

Großer Jubel brach aus, als Diane Kruger mit ihrem ersten deutschsprachigen Film als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde. Während Fatih Akins NSU-Drama "Aus dem Nichts" die Kritik spaltete, galt Krügers Leistung für viele als beste ihrer Karriere.

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Cannes: Diane Kruger als beste Schauspielerin geehrt

Joaquin Phoenix wurde als bester Hauptdarsteller geehrt, wie so oft für eine Tour de Force, diesmal als suizidaler Auftragskiller in "You Were Never Really Here" von Lynne Ramsay.

Den Preis für das beste Drehbuch spaltete die Jury und erkannte ihn sowohl dem griechischen Autorenduo Yorgos Lanthimos und Efthimis Filippou ("The Killing of a Sacred Deer") sowie der Britin Lynne Ramsay ("You Were Never Really Here") zu. Ganz allein erhielt Sofia Coppola den Preis für die beste Regie für ihren Southern-Gothic-Film "The Beguiled" (Die Verführten).

Für den besten Erstlingsfilm wurde die Französin Léonor Serraille mit der Camera d'Or ausgezeichnet. Ihr Film "Jeunne Femme" aus der Reihe "Un Certain Regard" folgt einer jungen Frau durch ihr prekäres Leben in Paris-Montparnasse.

Der internationalen Jury saß in diesem Jahr der spanische Regisseur Pedro Almodóvar vor. Seine Co-Juroren waren die Schauspieler Jessica Chastain, Will Smith (beide USA) und Fan Bingbing (China), der Komponist Gabriel Yared (Frankreich/Libanon), die Regisseure Park Chan-wook (Südkorea), Paolo Sorrentino (Italien) und Maren Ade (Deutschland) sowie die Schauspielerin und Regisseurin Agnès Jaoui (Frankreich).

insgesamt 1 Beitrag
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Seite 1
ackermart 29.05.2017
1. Könnte auch sein...
den Juroren ist der Ernst ihrer Kriterien vergangen, nach all diesen Weltverbesserungskunstwerken - die sie, die Welt, nur künstlich besser machen.
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