Carlo Ponti ist tot Anwalt der Meisterregisseure

Carlo Ponti galt als glänzender Geschäftsmann mit untrüglichem künstlerischen Instinkt. Die meisten der von ihm produzierten Filme schrieben Geschichte. Nun starb der italienische Produzent und Ehemann der Filmdiva Sophia Loren im Alter von 94 Jahren.


Rom - Äußerlich war er kein Adonis, doch hatte er einen untrüglichen Riecher für erfolgreiche Kinostoffe und -stars. In seiner langen Laufbahn hat Carlo Ponti mehr als 140 Filme produziert, von denen nicht wenige in Italien und international Kinogeschichte geschrieben haben. Der studierte Jurist arbeitete mit namhaften Regisseuren wie Federico Fellini, Roberto Rossellini, Jean-Luc Godard und Michelangelo Antonioni zusammen.

Zu seinen größten Erfolgen zählten Fellinis "La Strada" (1954), die Pasternak-Verfilmung "Doktor Schiwago" unter der Regie von David Lean mit Omar Sharif und Julie Christie sowie Antonionis "Blow Up" (1966). Für "Doktor Schiwago" wurde Ponti 1965 für den Oscar nominiert.

Der am 11. Dezember 1912 in Mailand geborene Produzent studierte Jura und arbeitete in den dreißiger Jahren als Anwalt, bevor er sich dem Film zuwandte. 1945 produzierte er Rossellinis Meisterwerk des italienischen Neorealismus, "Roma, città aperta" ("Rom, offene Stadt"). In den fünfziger Jahren arbeitete er mit seinem nicht minder berühmten Kollegen Dino de Laurentiis zusammen.

Der Star in vielen seiner Filme war Sophia Loren, die er 1950 als knapp 16-Jährige frühreife Teilnehmerin bei einem Schönheitswettbewerb entdeckte. Damals war Ponti in erster Ehe verheiratet und Vater von zwei Kindern. Die bald auch öffentlich bekannte Verbändelung des Star-Produzenten mit seiner Entdeckung, die damals noch Sofia Villani Scicolone hieß, rief riesiges Medieninteresse hervor.

Ponti und die fast 25 Jahre jüngere Loren versuchten, ihre Beziehung 1957 durch eine Hochzeit in Abwesenheit in Mexiko zu legalisieren. Doch die strengen Gesetze in Italien führten dazu, dass Ponti der Bigamie angeklagt wurde. Erst nachdem der Produzent und seine erste Frau Giuliana die französische Staatsangehörigkeit angenommen hatten, konnten sie geschieden werden.

Auch Loren nahm die französische Staatsangehörigkeit an, damit sie Ponti 1966 in Sèvres bei Paris rechtskräftig heiraten konnte. Das Paar hat zwei Söhne, Carlo und Eduardo. Letzterer inszenierte vor einigen Jahren den Kinofilm "Zwischen Fremden" mit seiner Mutter Sophia in der Hauptrolle.

Ponti machte die Loren zum Weltstar und produzierte mit ihr Filmerfolge wie "La Ciociara" (1960, Und dennoch leben sie) oder "L'oro di Napoli" (Das Gold von Neapel, 1954). In den siebziger und achtziger Jahren geriet der Produzent wegen eines Konflikts mit dem italienischen Fiskus in die Schlagzeilen. Ponti wurde nach langem Rechtsstreit 1987 endgültig freigesprochen.

Carlo Ponti sei vor etwa zehn Tagen wegen Lungenproblemen in eine Genfer Klinik eingeliefert worden, hieß es in einer Erklärung der Familie. Gestern Nacht starb der 94-Jährige dort an den Folgen einer Lungeninfektion.

hoc/AP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.