César-Verleihung Ein Pianist räumt ab, acht Frauen gehen leer aus

13 Nominierungen für "Acht Frauen": Der Kassenschlager war klarer Favorit bei der Verleihung des französischen Oscars, des César. Aber dann kam die große Enttäuschung für Regisseur François Ozon und sein achtköpfiges Staraufgebot. Während Roman Polanskis Holocaust-Drama "Der Pianist" sieben Preise einheimste, ging die Komödie leer aus. Bilder von der Preisverleihung:


Strahlende Sieger: Polanski und sein Hauptdarsteller Adrien Brody (l.)
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Strahlende Sieger: Polanski und sein Hauptdarsteller Adrien Brody (l.)

Paris - "Der Pianist" erzählt das Schicksal des jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman (1911-2000). Er konnte dem Warschauer Getto entfliehen und überlebte den Krieg nach einer qualvollen Zeit in wechselnden Verstecken durch die Hilfe eines deutschen Wehrmachtsoffiziers. "Acht Frauen" ("8 Femmes") wurde trotz der zahlreichen Nominierungen und einem Staraufgebot wie Fanny Ardant, Catherine Deneuve und Isabelle Huppert zum großen Verlierer der César-Nacht.

"Der Pianist" bekam den César, das französische Gegenstück zum Oscar, unter anderem in der Kategorie bester französischer Film. Dabei wurde die französisch-deutsch-polnisch-britische Koproduktion in englischer Sprache und weitgehend in den Studios Potsdam-Babelsberg realisiert. Der Film wurde zudem mit Cesars für Regie, Filmmusik, Ton, Kamera und Ausstattung geehrt. Der Preis für den besten Schauspieler ging an den Amerikaner Adrien Brody für seine Rolle als Szpilman.


Gast der Verleihung: Die französische Schauspielerin und Regisseurin Angnès Jaoui ("Lust auf Anderes") Ehrt den jüngst gestorbenen Produzenten Daniel Toscan du Plantier: Die französische Star-Schauspielerin Isabelle Huppert Juliette Binoche mit Begleitung
Mit einem Ehren-César geehrt: Meryl Streep Preisträger Pedro Almodovar Die französische Schauspielerin Karin Viard (beste Nebenrolle)
Jeanne Moreau im Gespräch mit Mélita Toscan du Plantier Ausgezeichnet für seine satirische Dokumentation "Bowling For Columbine": Michael Moore (mit seiner Frau Katheleen Glynn) Ehrencésar für einen Amerikaner: Spike Lee

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"Der Pianist" hatte bereits die Goldene Palme von Cannes 2002 erhalten. Jetzt kann Polanskis Werk bei der 75. Oscarverleihung am 23. März in Los Angeles sogar noch mehrere Academy Awards gewinnen. Doch ob Polanski, der in der Kategorie als bester Regisseur nominiert ist, selbst in die USA fahren kann, ist unwahrscheinlich. Ihm würde wegen eines früheren Sexualvergehens mit einer Minderjährigen die Festnahme drohen.

Kritiker haben den "Pianisten" als persönlichsten Film Polanskis gerühmt. Polanskis Mutter kam im KZ Auschwitz ums Leben, der Vater konnte mit dem Sohn dem Holocaust entkommen.

Der César für die beste ausländische Produktion ging an den bissigen Dokumentarfilm "Bowling for Columbine" des US-Regisseurs Michael Moore. Der linke Satiriker und Gegner des US-Präsidenten George W. Bush hinterfragt in seinem Werk die Waffen-Vernarrtheit der Amerikaner und ihre Ängste. Die Preisverleihung nutzte der Autor und Filmemacher zu einem politischen Diskurs, in dem er Frankreich zu seiner Position im Irak-Konflikt gratulierte: "Für mich ist ein Freund die Person, die das Recht hat, das zu sagen, was sie denkt", sagte er. Und er betonte: "Die Mehrheit der Amerikaner hat nicht George W. Bush gewählt."

Der spanische Regisseur Pedro Almodóvar konnte für sein Melodrama "Sprich mit ihr" den erstmals verliehenen César für den besten EU-Film in Empfang nehmen.

Mit dem César für das beste Drehbuch wurde "Amen" von Costa-Gavras und Jean-Claude Grumberg ausgezeichnet, die Verfilmung von Rolf Hochhuths Drama "Der Stellvertreter". Ehren-Césaren erhielten die amerikanische Schauspielerin Meryl Streep und posthum der französische Filmproduzent Daniel Toscan du Plantier, der am 11. Februar bei der Berlinale tödlich zusammengebrochen war.



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