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China-Konflikt: Taiwan beschwert sich über Berlinale

Auf der kommenden Berlinale werden auch zwei Filme aus Taiwan gezeigt. Der Inselstaat sieht sich verunglimpft, weil diese auch der Volksrepublik China zugeordnet werden. Der Protest rührt an einem jahrzehntelangen Konflikt zwischen Taipeh und Peking.

Berlin - Zwei Spielfilme sind es, an denen Taiwan beteiligt ist und die auf der morgen beginnenden Berlinale gezeigt werden: "Spider Lilies" läuft im Panorama und "Mei", eine taiwanisch-amerikanische Koproduktion, bei den Kurzfilmen.

Doch beide Beiträge werden unter der Bezeichnung "Taiwan, China" offiziell von den Berlinale-Machern ausgewiesen - ein Umstand, der heute zu einer scharfen schriftlichen Protestnote der taiwanesischen Vertretung in der Bundesrepublik führte. "Diese Bezeichnung ist nicht nur falsch, sondern auch in hohem Grade beleidigend", heißt es in einer Presseerklärung, die SPIEGEL ONLINE zuging und offiziell von der Vertretung bestätigt wurde.

Berlinale-Bär im Sony-Center: International konfliktfähig
DPA

Berlinale-Bär im Sony-Center: International konfliktfähig

Die Volksrepublik China habe bezogen auf Taiwan niemals hoheitliche Rechte besessen oder ausgeübt. "Taiwan war zu keinem Zeitpunkt Teil der Volksrepublik China. Es hat sich aus eigener Kraft zu einem demokratischen, souveränen Staat entwickelt", heißt es in der Mitteilung weiter.

Zu den Errungenschaften der offenen Gesellschaft Taiwans gehörten auch die Meinungs- und Pressefreiheit, so die Vertretung. Die Filmindustrie arbeite natürlich auch ohne die Last staatlicher Vorgaben oder Zensur. "Von solchen Bedingungen kann man in der Volksrepublik China nur träumen", heißt es in der Erklärung der Vertretung weiter.

Langer Konflikt

Der Konflikt zwischen Taiwan, das sich offiziell auch Republik China nennt, und der kommunistisch regierten Volksrepublik China währt seit Jahrzehnten. Offiziell hat Peking bis heute die Regierung in Taipeh nicht anerkannt. Für die kommunistische Staats- und Parteiführung ist Taiwan weiterhin eine abtrünnige Provinz. Wiederholt hat Peking für den Fall, dass Taiwan seine Unabhängigkeit von China weiter forciert, mit einem Militärschlag gedroht.

Die Gründung Taiwans geht auf das Jahr 1949 zurück, als der Widersacher von Mao-Tsetung, der Nationalistenführer Tschiang Kai-schek am Ende des Bürgerkriegs mit der verbliebenen Kuomintang-Armee vom chinesischen Festland auf die Insel flüchtete und dort seine "Republik China" weiterführte. Er regierte die Insel mit harter Hand bis zu seinem Tod 1975, sein Sohn hielt das Kriegsrecht bis in die achtziger Jahre aufrecht. Erst danach begann die Öffnung hin zu einem demokratischen Rechtsstaat.

Entsprechend politisch aufgeheizt ist die Rhetorik zwischen Taiwan und der kommunistischen Ein-Parteien-Herrschaft auf dem Festland. Die Bundesrepublik, die offiziell aus Rücksichtnahme vor Peking die Ein-China-Politik vertritt, hat Taiwan bis heute nicht anerkannt - deshalb verfügt Taiwan auch hierzulande über keine Botschaft und keinen Botschafter, sondern lediglich über eine "Vertretung" und einen "Repräsentanten".

Die Erklärung der Vertretung lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Es sei eine schwere Beleidigung für die Demokratie Taiwans, formal der autoritären Volksrepublik China zugeordnet zu werden, die zudem fast 1.000 Raketen auf Taiwan gerichtet habe, heißt es dort.

Und am Ende wird den Berlinale-Machern ein kleiner Seitenhieb mitgegeben: "Die Filmfeste in Cannes und Venedig haben dies verstanden. Dort werden Filme aus Taiwan auch unter 'Taiwan' geführt".

Von der Berlinale-Sprecherin Frauke Greiner hieß es heute gegenüber SPIEGEL ONLINE, man halte sich an die Sprachregelung des Auswärtigen Amtes, wonach zwar enge Kontakte zu Taiwan gepflegt würden, das Land aber nicht als souveräner Staat anerkannt werde. "Damit verbunden ist aber keine politische Bewertung", betonte Greiner.

sev

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