Filmfestival in Hongkong Chinas Parteipresse ignoriert Hongkongs besten Film

Autonomie, Freiheitsrechte, Kultur: "Ten Years" prangert den Verfall Hongkongs unter chinesischer Herrschaft an. Jetzt hat der Film aus der Sonderverwaltungszone einen der wichtigsten Filmpreise Asiens gewonnen.

Regisseure und Schauspieler von "Ten Years"
REUTERS

Regisseure und Schauspieler von "Ten Years"


Ein dystopischer Film über die Zukunft Hongkongs unter der Herrschaft der Kommunistischen Partei Chinas hat einen der bedeutendsten Filmpreise Asien gewonnen. Der Film "Ten Years" gewann den ersten Platz in der Kategorie "Bester Film" des Hong Kong International Film Festival.

Der Episodenfilm "Ten Years" beschreibt in fünf Geschichten, wozu sich die chinesische Sonderverwaltungzone Hongkong in zehn Jahren entwickelt haben könnte. Die Zukunftsvisionen sind durchweg düster: Die Zentralregierung in Peking ignoriert Hongkongs Autonomie, Freiheits- und Bürgerrechte existieren kaum noch, Kantonesisch, der Dialekt Hongkongs, wird unterdrückt.

"Ten Years" entstand als Low-Budget-Produktion und entwickelte sich zu einem Überraschungserfolg. Er spielte in Hongkong mehr als sechs Millionen Dollar ein, in einem Kino mehr als "Star Wars: Das Erwachen der Macht". In China ist der Film verboten.

Ein "Gedankenvirus"

"Der Film zeigt die Angst der Hongkonger", sagte Chow Kwun-wai, einer der fünf an dem Film beteiligten Regisseure, nach der Preisverleihung.

In den chinesischen Medien wurde über das Hong Kong International Film Festival berichtet, Portale wie Tencent und Sina ließen den Film "Ten years" aber unerwähnt. In der chinesischen Parteipresse wurde "Ten Years" im Januar kurz nach seinem Erscheinen als absurd und pessimistisch beschrieben und ein "Gedankenvirus" genannt.

Menschenrechtsorganisationen sagen, dass der Einfluss Pekings auf Hongkong wachse und die Autonomierechte und Kultur der Stadt zurückgedrängt würden. 2014 besetzten Demokratieaktivisten monatelang Teile der Finanz- und Regierungsbezirke und blockierten den Zugang zum Regierungssitz. Die Demonstrationen, die die direkte Wahl des Verwaltungschefs forderten, gingen ergebnislos zu Ende. Seitdem gibt es immer wieder Zusammenstöße zwischen Demoktarieaktivisten und den Sicherheitsbehörden, zuletzt auch zunehmend gewalttätig.

Die ehemalige britische Kronkolonie Hongkong wurde 1997 von Großbritannien an China zurückgegeben. Seitdem wird sie nach dem Prinzip "Ein Land, zwei Systeme" als Sonderverwaltungszone geführt und genießt Autonomierechte.

mka/AP



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SkeptischerLeser 04.04.2016
1. .
Kantonesisch ist immer noch DIE Sprache in Hong Kong und es gibt kein Bestreben das zu ändern. Mandarin wird in der Schule gelernt und von Z'greisten gesprochen. Der Rest stimmt leider, es passiert was man erwarten konnte. Freiheit ist der KP nun mal ein Dorn im Auge. Kantonesisch ist übrigens eine Sprache, so wie deutsch. Dafür ist chinesisch keine Sprache, so wie Europäisch auch keine Sprache ist.
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