Comic-Verfilmung "Captain America" Auf, auf zum fröhlichen Nazi-Jagen

Zack, da bekam Hitler aufs Maul! Auf dem ersten Heft-Cover durfte Captain America den Diktator höchstpersönlich ausknocken. Genauso geradlinig agiert der größte Idealist unter den Marvel-Superhelden jetzt auf der Leinwand: "Captain America: The First Avenger" ist ein schnörkellos gutes B-Movie.


Wohl kein anderer der großen Superhelden aus dem Universum des Marvel-Comic-Verlags wird so leicht missverstanden wie Captain America. Wer die Figur lediglich von den Titelbildern kennt, glaubt meist, nur einen in die Farben des Sternenbanners gekleideten Hurra-Patrioten zu sehen. Für den uninformierten Betrachter, zumal außerhalb der USA, steht der Captain daher oft stellvertretend für Hegemonialstreben, Militarismus und das gewaltsame Durchsetzen amerikanischer Interessen.

Doch tatsächlich ist sein Wesen und Werden ungleich komplexer, als es Name und Look zunächst vermuten lassen. So reifte der prominente Schildträger im Lauf der Jahrzehnte zu einem der spannendsten Marvel-Charaktere, der mit seinem unkorrumpierbaren Idealismus häufig in Opposition zur herrschenden Politik steht. Und in der jüngeren Heftvergangenheit - siehe etwa Marvels "Civil War"-Zyklus - ging Captain America als kritischer Verteidiger der Verfassung für seine Überzeugung gar in den Untergrund.

Das ist gut zu wissen, selbst wenn "Captain America: The First Avenger" nicht von späteren Sinnkrisen, sondern vom Aufbruch des Helden erzählt. Dies tut der Film von Joe Johnston mit viel Enthusiasmus und einer höchst ansteckenden Begeisterung für geradliniges Spannungskino alter Schule. Die Ursprungsgeschichte orientiert sich dabei an den grundlegenden Maßgaben von Joe Simon und Jack Kirby, die ihren Captain vor rund 70 Jahren gegen den Faschismus ins Feld geschickt haben - wohlgemerkt noch vor Kriegseintritt der Vereinigten Staaten.

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Marvel-Comic-Verfilmung: Vermöbeln mit Wumms
Vom Maskottchen zum Nazi-Schreck

Simons und Kirbys klassische Storyline, damals für den Marvel-Vorläufer Timely Comics entwickelt, wird sanft an die spätere Renaissance der Figur in den sechziger Jahren angepasst. Zudem variiert das Drehbuch von Christopher Markus und Stephen McFeely einzelne Figuren, Schauplätze und Handlungsstränge, was der Dramaturgie durchaus zuträglich ist.

Puristen sollten ihre akribische Kenntnis der Vorlagen daher geflissentlich ausblenden, um sich nicht den Spaß an der flotten Mobilmachung des Helden zu verderben. Die beginnt in New York mit dem Versuch des jungen Steve Rogers (Chris Evans), in die US-Armee einzutreten. Aufgrund gesundheitlicher Probleme scheitert der schmächtige Rogers bei der Musterung. Als Rogers vor einem erneuten Anlauf seinem Freund Bucky Barnes (Sebastian Stan) erklärt, warum er gegen die Nazis kämpfen will, wird der Wissenschaftler Dr. Abraham Erskine (Stanley Tucci) zufällig Zeuge des Gesprächs. Überzeugt von Rogers' Motiven, rekrutiert Erskine ihn für ein geheimes Forschungsprogramm.

So wird er Teil des "Super Soldier"-Experiments, das Erskine gemeinsam mit Colonel Chester Phillips (Tommy Lee Jones) und der britischen Agentin Peggy Carter (Hayley Atwell) vorantreibt. Nach anfänglichen Widerständen überzeugt Rogers mit seiner uneigennützigen Haltung auch die Skeptiker und wird als Proband ausgewählt. Vor der Behandlung mit dem mysteriösen Serum und den ebenso ominösen "Vita"-Strahlen offenbart ihm Erskine, dass ein früherer Versuch tragische Konsequenzen hatte: Damalige Testperson war der nunmehr als NS-Offizier berüchtigte Johann Schmidt (Hugo Weaving), und ungeahnte Nebenwirkungen des Experiments trugen zu seinem Aufstieg zum gefürchteten Handlanger Hitlers bei.

Rogers hingegen übersteht die riskante Prozedur schadlos und ist dank vielfach potenzierter physischer Fähigkeiten nun der erste Super-Soldat. Allerdings bleibt er auch der Einzige, denn unmittelbar nach der Behandlung wird Erskine von einem eingeschleusten Spion Schmidts ermordet, womit die Formel verloren ist. Auch sonst läuft nichts nach Plan, denn statt an die Front wird Rogers als muskelbewehrtes Maskottchen in ein knalliges Kostüm gesteckt und muss als Captain America zu Werbezwecken durchs Land tingeln.

Doch als Kumpel Bucky mit seiner Einheit in ein Gefecht mit Schmidts Hydra-Organisation gerät und fortan als verschollen gilt, wagt sich der Captain hinter die feindlichen Linien. So kommt es zur ersten Begegnung mit Schmidt, der bei der Gelegenheit sein wahres Gesicht enthüllt: Unter seiner Gesichtsmaske verbirgt sich eine rote, totenkopfähnliche Fratze, weshalb Rogers' Nemesis fortan als Red Skull firmiert.

Nachdem er Bucky befreit hat, stellt Rogers ein multinationales und -ethnisches Team zusammen, um Schmidt und seinen Hydra-Schergen rund um den Globus heimzuleuchten. Unterstützt wird er dabei von Peggy Carter, sowie vom Erfinder und Industriellen Howard Stark (Dominic Cooper) - Vater des späteren "Iron Man" Tony Stark -, der dem nun tatsächlich als Anführer tauglichen Captain America eine brandneue Ausstattung samt unzerstörbarem Vibranium-Schild verpasst. Doch auch Schmidt hat mit Hilfe einer unbekannten Energiequelle aufgerüstet und plant einen vernichtenden Schlag gegen die Alliierten.

Die Schwachen schützen, das Böse rot-weiß-blau prügeln

Mit dem nostalgischen Abenteuer "The Rocketeer" und der munteren Saurierhatz "Jurassic Park III" zeigte Regisseur Joe Johnston bereits seine Vorliebe für schnörkellose, effektive Inszenierungen. Und als Oscar-prämierter Effektexperte von Spielbergs "Jäger des verlorenen Schatzes" weiß er aus erster Hand, wie man perfide Film-Nazis mit dem nötigen Wumms vermöbelt. Das ist schließlich eine Frage der Ehre für einen Comic-Helden, der auf dem Cover seines ersten Hefts Hitler höchstpersönlich ausknocken durfte. Zumal der Film auch nicht die wesentliche Qualität des Captain aus den Augen verliert: Die Erfahrung eigener Verletzbarkeit machte Steve Rogers erst zum aufopferungsvollen Beschützer der Schwachen. Diese tröstliche Idee von Simon und Kirby, welche aus dem gerechten Zorn angesichts der Nazi-Gräuel in Europa entstand, bleibt weiterhin gültig.

So ist "Captain America" ein selbstbewusstes und cleveres B-Movie, was hier absolut als Kompliment zu verstehen ist: Johnstons Film wird vom Willen zur Unterhaltung vorangetrieben, wirkt dabei frisch und unprätentiös und beleidigt nie die Intelligenz seines Publikums. Das richtige Verhältnis von Tempo, Witz und Pathos macht den Auftritt der hier angenehm menschlich handelnden Comic-Ikone zu einem Vergnügen, das auch ohne eine Ahnung von Marvels großem Masterplan mitreißt.

Der zielt natürlich auf das für 2012 geplante Gipfeltreffen von Captain America, Hulk, Thor, Iron Man und Nick Fury in Joss Whedons Kinoadaption der "Avengers"-Reihe. Von allen Filmen zur Neu- oder Wiedereinführung der Teammitglieder ist "Captain America" dabei die positivste Überraschung, und es ist zu hoffen, dass der zupackende Charme der Figur in Zukunft erhalten bleibt.

Ohne Zweifel aber ist mit diesem Film die Vorfreude auf den Moment gestiegen, wenn es für Marvels Starmannschaft heißt: "Avengers Assemble!"

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Seite 1
marcus1011 17.08.2011
1. Megablubb!!!!
Zitat von sysopZack,*da bekam*Hitler aufs Maul! Auf dem ersten Heft-Cover durfte Captain America*den Diktator*höchstpersönlich ausknocken.*Genauso geradlinig agiert der größte Idealist unter den Marvel-Superhelden*jetzt auf der Leinwand: "Captain America: The First Avenger" ist ein schnörkellos gutes*B-Movie. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,780560,00.html
Meine Güte, was wäre Hollywood ohne das III Reich?? Wird Zeit das Hitler auch nen Stern auf dem "Walk of Fame" bekommt.Er hat so manchem Schauspieler die Karriere und so manche Produktionsfirma vor der Pleite gerettet. Wie wärs denn wenn Captain America das nächste mal für Gerechtigkeit in Guantanamo sorgt ??? Oder bei den Ratingagenturen, die nicht so wollen wie das Weiße Haus??? Es gibt sooooo viel zu retten!!!
Chris110 17.08.2011
2. every hero needs a villain
hätte es die Nazis nicht gegeben, müsste man sie wohl erfinden. Denn was wären Helden, ohne Bösewichter? Zum Glück fällt nicht einmal die US-Bevölkerung mehr darauf herein, und hat G. Bush 2006 zum "villain of the year" erwählt.
CHANGE-WECHSEL 17.08.2011
3. logisch! B-Kultur!
Zitat von sysopZack,*da bekam*Hitler aufs Maul! Auf dem ersten Heft-Cover durfte Captain America*den Diktator*höchstpersönlich ausknocken.*Genauso geradlinig agiert der größte Idealist unter den Marvel-Superhelden*jetzt auf der Leinwand: "Captain America: The First Avenger" ist ein schnörkellos gutes*B-Movie. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,780560,00.html
logisch! B-Kultur! Keine Ahnung warum solch eine Menschheitsverblödung unter der Rubrik Kultur läuft. Wohl wahr unter B-Kultur. "Captain-America", der Messias des Amerikanischen Kapitalismus!
snickerman 17.08.2011
4. Quaak
Zitat von CHANGE-WECHSELlogisch! B-Kultur! Keine Ahnung warum solch eine Menschheitsverblödung unter der Rubrik Kultur läuft. Wohl wahr unter B-Kultur. "Captain-America", der Messias des Amerikanischen Kapitalismus!
http://video.google.com/videoplay?docid=763949850889929695
peterbruells 17.08.2011
5. Helden im Ruhestand
Zitat von CHANGE-WECHSELlogisch! B-Kultur! Keine Ahnung warum solch eine Menschheitsverblödung unter der Rubrik Kultur läuft. Wohl wahr unter B-Kultur. "Captain-America", der Messias des Amerikanischen Kapitalismus!
Weil Gilgamesh, Herakles und Siegfried auch darunter laufen. Entweder alle aus dem Pantheon werfen oder eben akzeptieren, dass auch Captain America und Superman dazugehören.
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