Comic-Verfilmung "Green Lantern" Die Funzel unter den Superhelden

Grün ist die Hoffnung, aber die war in diesem Fall leider vergebens: Die Verfilmung des Superhelden-Stoffs "Green Lantern" hat so wenig Strahlkraft wie nur selten eine Comic-Adaption. Selbst zwei Hollywood-Schönheiten und eine Star-Besetzung sorgen kaum für lichte Momente.

Warner Bros.

Von Jörg Schöning


Das Zeitalter der Glühbirne geht unwiderruflich zu Ende, da erinnert sich das Kino eines besonders grellen Beleuchtungskörpers am Firmament der vermeintlich leichten Unterhaltung. "Green Lantern" heißt der strahlende Held, den deutsche Comic-Leser unter den Namen "Grüne Laterne" und "Grüne Leuchte" kennenlernen durften. Doch nicht etwa dem Lampenhandel verdankt der grün illuminierte Kämpfer für das Gute sein Leben. Vielmehr ist dieser "Green Lantern" ein irrlichternder Streiter aus dem Universum der DC-Comics, in dem sich ansonsten so illustre Helden wie Superman, Wonder Woman und Batman mit seinem Robin durch die Lüfte schwingen.

Unter diesen Superhelden darf "Green Lantern" als der Junge gelten, der noch grün hinter den Ohren ist. Zwar gab es auch schon in den Vierzigern einen patriotisch gesinnten Grünmann, der wie viele seiner Kollegen gegen die Nazis kämpfte: einen Eisenbahner, der seine Farbgebung und Superkräfte dem Kontakt mit einer "magischen" Signallaterne verdankte - einer in grün, der damals üblichen Anstrichfarbe für Lokomotiven.

Doch der populärere "Green Lantern", dessen Ertüchtigung zum Superhelden nun auch dieser Film erzählt, ist ein Kind des Kalten Krieges. 1959 schlüpfte ein Grünschnabel namens Hal Jordan erstmals in das grüne Kampfkostüm. 1961 wurde dem draufgängerischen Testpiloten dann das "Green Lantern Corps" beigesellt, eine Art interstellare Schutzpolizei. Im gleichen Jahr trat in der wirklichen Welt das berühmt-berüchtigte "Peace Corps" auf den Plan, in dessen Rahmen US-Bürger auf Freiwilligenbasis die Länder vor allem der Dritten Welt vor "roter" Infiltration und der "Gelben Gefahr" bewahren sollten.

Ab in den intergalaktischen Polizeidienst

Gelb ist bis heute die Farbe des galaktischen Gegners von "Green Lantern" geblieben. Im Jahr 2011 allerdings sind alle politischen Konnotationen der Farbgebung obsolet. Die aktuelle Leinwandpräsenz verdankt sich ausschließlich der Logik medialer Verwertungsketten: DC-Comics sind inzwischen ein Tochterunternehmen der Warner Brothers, und der US-Mediengemischtwaren-Multi hat seinen von einer kosmischen Batterie betriebenen Überflieger wohl bloß deshalb aktiviert, damit er in diesem Kinosommer der Superhelden dem vom Konkurrenten Marvel ausgesandten - und in ein komplementäres Rot gekleideten - "Captain America" beim Kampf um die Marktanteile Paroli bietet. "Green Lantern" will bei diesem Wettstreit insofern gar nicht mehr sein als dasselbe in Grün.

In den USA, wo der Film überwiegend negative Kritiken erhielt und "Captain America - The First Avenger" am Wochenende erfolgreich den ersten Platz in den Kinocharts okkupierte, wird er wohl den Kürzeren ziehen. Auch in Übersee, wo "Green Lantern" stets im Schatten berühmterer Strahlemänner glimmte, dürfte der Wettkampf für ihn kaum besser ausgehen. Doch liegt es vor allem am Film selbst, dass "Green Lantern" beim Kampf um die Publikumsgunst höchstens die Rote Laterne davontragen wird.

Die Adaption übernimmt aus der Comic-Vorlage das Grundpersonal, transportiert es aber in die Gegenwart, wo ein Ford Mustang seinen Besitzer, den Testpiloten Hal Jordan (Ryan Reynolds), gleich schon mal als Hallodri charakterisiert. Der will hoch hinaus, wie eine erste kleine Luftschlacht zu Erprobungszwecken eines neuen Tarnkappenbombers plastisch vor Augen führt.

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"Green Lantern": Die Funzel unter den Superhelden
Und tatsächlich wird es den jungen Senkrechtstarter schon recht bald bis an die Grenzen des Universums verschlagen. Dort nämlich greift der vollanimierte Bösewicht Parallax nach der Herrschaft im All - allerdings stellt sich ihm ein Wächterrat des "Green Lantern Corps" noch entgegen. Als einer seiner Krieger tödlich verwundet wird, steuert dieser die Erde an, um Hal Jordan für den intergalaktischen Polizeidienst zu rekrutieren, ihn mit Wächterlaterne und magischem Ring auszustaffieren, ihn den Amtseid sprechen zu lassen und, ganz, ganz wichtig, ihm die Dienstuniform anzupassen. Und so nimmt denn das Unglück dieses Films seinen Lauf.

Es beginnt mit einem lachhaften Look und schreibt sich fort mit sinnfreien Sounds. In die grün schillernde Pelle eines irgendwie vermoost wirkenden Neopren-Anzugs gezwängt, bricht der menschliche Emporkömmling als eine Art "Frosch mit der Maske" zum Planeten-Hopping auf, um im Kampf gegen das Böse zunächst etwas ängstlich, dann immer heldenmäßiger seine (Glüh-)Birne hinzuhalten. Dies allerdings erst, nachdem er sich mit der Rezitation gereimter Poesiealbumsprüche - "Am hellsten Tag, in schwärzester Nacht / entgeht nichts Böses meiner Wacht" - der kämpfenden Truppe würdig erwiesen hat.

Rauschebärte aus dem "Herrn der Ringe"

Nicht nur der Schurke Parallax trägt den Gilb in sich. Auch die Erzählmuster, derer sich "Green Lantern" bedient, wirken vergilbt. Fortwährend arbeitet der Film sich an Autoritäten ab, die sich längst erledigt haben: ein Rüstungsunternehmen als Familienbetrieb? Ein Vater, der als makelloser Held starb? Ein anderer, ein Senator und Machtmensch (gespielt vom unterforderten Tim Robbins), der seinen Sohn, einen Xenobiologen, wegen dessen intellektueller Kapazitäten verachtet? Schließlich ein Wächterrat aus weisen Greisen mit Rauschebart - hier besonders sticht ins Auge, dass das Kostüm- und Produktionsdesign des Films in Händen lagen, die auch schon für den "Herrn der Ringe" tätig waren.

Denn "Green Lantern" ist als Blockbuster ein Hybrid, der das zeitgenössische Superheldenkino mit interstellarer Fantasy mixt. Hinter den dominanten Departments für Spezialeffekte ist Regisseur Martin Campbell - ein Spezialist für James Bond ("GoldenEye", "Casino Royale"), wie überhaupt für Männer mit Maske ("Die Maske des Zorro", "Die Legende des Zorro") - merklich zurückgetreten. In den Charakterzeichnungen äußerst flach geraten, verheizt das 3-D-Spektakel seine Protagonisten aus Fleisch und Blut und das, obwohl die Besetzung mit Peter Sarsgaard als Mad Scientist und Blake Liveley als Hal Jordans angehimmelter Kollegin mehr als vorzeigbar ist.

Ganz wesentlich präsentiert die Mär um das entfesselte Ampelmännchen mit dem Wahlspruch "Was ich mir vorstellen kann, kann ich auch schaffen" die Welt als Wille und Hologramm. Doch während die extravaganten Rettungsmaßnahmen der Comic-Figur ursprünglich den Reiz einer "Laterna Magica"-Projektion gehabt haben mögen, ist das, was wir auf der Leinwand zu sehen bekommen, visuell etwa so attraktiv wie einer dieser billigen dreidimensionalen Blickfänge im Schaufenster eines Optikerfachgeschäfts.

"Green Lantern" - das ist doch eher die Funzel unter den Superhelden.



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BR_Demokratie 26.07.2011
1. Held top - film not
naja, war wirklich kein toller Film...nein, wirklich nicht... aber nix gegen Latern ;) eigentlich ein ganz cooler Held ^^ ich mag die Figur lediglich mit schlechter filmumsetzung. wer einen etwas besseren eindruck gewinnen mag soll mal nach dem DC Universe Online trailer suchen ;) go lantern
Jonny_C 26.07.2011
2. "Green Lantern" - die Funzel unter den Superhelden.
Hihi - treffender Artikel. Schon die Comics waren ziemlich schwach. Meistens Lückenfüller von anderen Helden in den DC Heften. P.S. Ich freue mich aber wirklich auf "Cap America", der soll ziemlich "Dieselpunk" mäßig sein, jedenfalls was ich gelesen habe....
flakeyfontz 26.07.2011
3. Berühmt berüchtigtes "Peace-corps"
Also als berühmt-berüchtigt war mir Peace Corps nicht bekannt; vielmehr als integre Hilfsorganisation ohne direkten propagandistischen Hintergrund... ^^ Zitat: "Im gleichen Jahr trat in der wirklichen Welt das berühmt-berüchtigte "Peace Corps" auf den Plan, in dessen Rahmen US-Bürger auf Freiwilligenbasis die Länder vor allem der Dritten Welt vor "roter" Infiltration und der "Gelben Gefahr" bewahren sollten."
sreveth, 26.07.2011
4. àhhhhhhh?
Wieder mal keine Ahnung von der Materie. Green Lantern war zwar schon immer ein Held für das schmale Publikum aber bei DC Kennern wohl gleich auf Platz Zwei hinter Batman. Die Geschichten um Green Lantern waren jeher die interessantesten im ganzen DC Universum, wenn man Batman eben ausser acht lässt. Ich hoffe weiterhin, dass die Übersetzung nicht so schlecht geworden ist, dass aus dem Hal Jordan/GL Gegner Sinestro plötzlich Parallax wird, denn das wäre....naja...Parallax ist Hal Jordan selbst also kann er wohl sehr schwer gegen sich selbst kämpfen. Im Trailer war auch noch von Sinestro die Rede....genauso wie die angeblichen Hintergrundinfos leider vollkommen falsch sind, so wie bei jeder Kritik zu einer Comicverfilmung. Meine Bitte lieber Spiegel: "Bitte, bitte keine lustlosen Nichtkenner für so eine Krtik in die Kinos schicken". Es funktioniert nicht, wie man sieht. Entweder sauber recherchieren oder zugebn, dass man keine Ahnung hat aber die Unwahrheit verbreiten...
archie, 26.07.2011
5. Antwort
Sheldon geht zu Halloween als Green Lantern. Das sagt wohl alles.
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