Horror-Remake "Evil Dead": Ein zärtliches Blutbad

Von Daniel Sander

Horror-Remake "Evil Dead": Im stahlgrauen Wald Fotos
Sony Pictures

Diese Dämonenhand! Diese Motorsäge! "Evil Dead" gilt als einer der beliebtesten Horrorfilme überhaupt. Und nun kommt eine Neuverfilmung ins Kino. Das konnte doch nur schiefgehen. Ist es aber nicht - denn das Remake verbeugt sich mit rührendem Respekt vor Original und Fans.

Sam Raimis "Tanz der Teufel" aus dem Jahr 1981 ist für Horror-Nerds so etwas wie der heilige Gral des Splatter-Films: von Legenden umwoben, von magischem, übermenschlichem Ruf, und - zumindest in Deutschland - ziemlich schwierig zu bekommen.

Im Jahr 1984 hat die Staatsanwaltschaft alle Kino- und Videokopien beschlagnahmt, weil sie fand, dass der Film die Menschenwürde verletzt und eine schwere Gefährdung für Jugendliche darstellt. Eine um 43 Sekunden gekürzte Fassung wurde drei Jahre später zwar von der FSK durchgewinkt, von den Staatsanwälten wenig später aber auch beschlagnahmt. Erst 1992 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass die Beschlagnahmung der geschnittenen Version unzulässig sei, mit der Begründung, dass es ja kein Gesetz gegen Gewalt gegenüber menschenähnlichen Wesen gebe. Wo doch jeder weiß, dass sich die Gewalt in "Tanz der Teufel" vor allem gegen Dämonen richtet.

Die geschnittene Fassung durfte wieder veröffentlicht werden, landete aber auf dem Index, womit der Film nicht beworben und nur unter der Ladentheke verkauft werden konnte. Die Originalversion ist hierzulande nach wie vor nur mühsam zu beschaffen. Amazon bietet eine um 14 Minuten (!) geschnittene Version an, die ab 16 freigegeben ist und so verstümmelt wurde, dass man aus Fansicht wirklich auf Verletzung der Menschenwürde pochen möchte.

Chaotischer Charme

Der abgebrühte Teenager von heute würde sich über den unzensierten Film wohl kaputtlachen. Die Splatter-Effekte, damals noch ohne Computerhilfe produziert, sehen so billig aus, dass davon heute wohl nicht mal Sechsjährige Alpträume befürchten müssen. Sie sind aber immer noch lange nicht so lustig wie die absurden Dialoge und die herzerweichend hölzernen Schauspieler. Dass der Film immer noch so verehrt wird, liegt eher an dem chaotischen Charme, an der Phantasie und der Leidenschaft, die Sam Raimi in sein Frühwerk gesteckt hat, zwei Jahrzehnte bevor er mit "Spider-Man" zum Weltstar wurde. Und natürlich an der oft kopierten und nie erreichten Kamera aus Dämonenperspektive, die wie im Rausch über den Waldboden jagt. Ein Klassiker eben, wie auch die beiden Fortsetzungen "Tanz der Teufel 2" und "Army of Darkness".

Daran vergreift man sich nicht.

So war die Skepsis bei den Hardcore-Fans groß, als ein Remake von "Evil Dead" (so der Originaltitel) angekündigt wurde. Noch dazu mit dem weitgehend unbekannten Argentinier Fede Alvarez in Raimis Regiestuhl und auch noch ohne den geradezu kultisch verehrten Bruce Campbell, der als tumb-zäher Dämonenjäger Ash alle drei Teile überlebt hat. Einige Anhänger kündigten auf den entsprechenden Websites früh den Boykott an, auch wenn Raimi und Campbell immerhin als Produzenten dabei waren und das Projekt damit ihren Segen hatte.

Alles so schick hier

Jetzt ist er da, der neue "Evil Dead", und das Verstörendste daran ist erst einmal, wie schick er im Vergleich zum konsequent billigen Original aussieht. An der Handlung wurde nicht viel verändert: Fünf junge Leute fahren in eine abgelegene Waldhütte, finden ein rätselhaftes magisches Buch und metzeln sich gegenseitig nieder, nachdem sie nacheinander von Dämonen besessen werden.

Aber alles ist irgendwie edler geworden - die stilvoll verkommene Hütte, der stahlfarbene Wald, die hübschen, mitunter gar talentierten Darsteller, Filmblut, das wirklich nach Blut aussieht. Das Ganze hat sogar etwas mehr Sinn bekommen, denn die Freunde hängen nicht einfach so im Wald herum, sondern wollen der drogensüchtigen Mia beim kalten Entzug beistehen, weswegen sie deren zunehmend dämonisches Verhalten erst als normale körperliche Reaktion fehldeuten.

Sonst gibt es das, was es auch 1981 gab: viel Blut, Gewalt, hin und wieder (hier sehr selten) etwas Slapstick. Alvarez inszeniert mit Tempo und Gefühl für Atmosphäre und Schockeffekte. Eigentlich nicht mehr als ein solider Beitrag in einem seit langem kreativ darbenden Genre. Doch die vielen kleinen Verweise an "Tanz der Teufel 1 & 2", die liebevolle Neuerfindung der klassischen Momente (Dämonenhand! Motorsäge!) zeugen von so viel Respekt für die Vorlage und für die Fans, dass Letztere ihren besonderen Spaß an "Evil Dead" haben sollten.

Kann man sich ansehen. Besonders, bevor wieder irgendein Staatsanwalt auf falsche Ideen kommt.


Evil Dead. Start: 16.5. Regie: Fede Alvarez. Mit Jane Levy, Shiloh Fernandez, Lou, Taylor Pucci.

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insgesamt 139 Beiträge
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    Seite 1    
1. Kult
lordofaiur 16.05.2013
Zitat von sysopDiese Dämonenhand! Diese Motorsäge! "Evil Dead" gilt als einer der geliebtesten Horrorfilme überhaupt. Und nun kommt eine Neuverfilmung ins Kino. Das konnte doch nur schiefgehen. Ist es aber nicht - denn das Remake verbeugt sich mit rührendem Respekt vor Original und Fans. Das Horror-Remake "Evil Dead" startet im Kino - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/kino/das-horror-remake-evil-dead-startet-im-kino-a-900029.html)
Kultfilm! Ist definitiv ein Pflichttermin dieses Kinojahr.
2. Nur für Gore-Fans !!!
mamacru 16.05.2013
Eine solche verharmlosende Filmkritik könnte man von einem Gore-Fanzine erwarten, aber nicht von Spiegel online. Der Film ist selbst für Splatterfreunde stellenweise nur schwer zu ertragen. Wer Gruselfilme mag, der wird mit Sicherheit schockiert werden. Denn das tut dieser Film: er schockiert. Wer nicht auf übelste Gewaltszenen vorbereitet ist, wird an dem Film ganz sicher kein Vergnügen finden. Fans des Originals sollte man so eine Kritik besser nicht schreiben lassen. Denn das Original ist auch im Jahr 2013 noch ein Schocker. Offenbar ist der Autor ziemlich abgestumpft was Gewaltfilme anbelangt.
3. Wie krank?
jürgenm 16.05.2013
Wie krank muß eine Gesellschaft sein, die ein Gefallen an solch dämonischen Filmen hat und sich gleichzeitig über die derzeitigen Massaker in Syrien aufregt? Quo vadis Menschheit?
4.
thelix 16.05.2013
Zitat von sysopKann man sich ansehen. Besonders, bevor wieder irgendein Staatsanwalt auf falsche Ideen kommt.
... und der Staatsanwalt WIRD auf falsche Ideen kommen. Das ist bei diesem Film klar! Obwohl FSK und BPjM in den letzten Jahren die Zügel etwas lockerer gelassen haben und viele legendäre Klassiker unzensiert auf FSK18 (oder sogar 16) neu geprüft und durchgewunken haben: DIESER Film wird auf DVD geschnitten sein, das ist sicher wie das Amen in... na, Sie wissen schon. Ansonsten stimme ich dem Autor zu, daß es sich um eine sehenswerte und liebevolle Verbeugung vor dem Original handelt, die Menschen, die dem Horror-Genre nicht abgeneigt sind, große Freude bereiten dürfte. Aber selbstverständlich werden die EvilDead-Puristen den Film hassen. Schließlich "ist ein Remake immer schlechter als das Original, und Bruce "If Chins Could Kill" Campbell ist ja auch nicht dabei, das KANN ja nix werden... blahblubbsülz"
5. Der Trailer
schüler.aus.bremen 16.05.2013
Der Trailer vom Film allein ist schon geil ich freu mich schon den komplett zu sehen :D
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