"Das Mädchen Wadjda": Saudi-Arabien schickt erstmals Film ins Oscar-Rennen

Neue Visionen

Der erste Kinofilm aus Saudi-Arabien ist von einer Frau - und hinterfragt das weibliche Rollenbild. Ein Wunder, dass er es überhaupt auf die Leinwand geschafft hat. Und nun? Schickt das streng islamische Königreich "Das Mädchen Wajda" sogar in den Oscar-Wettbewerb.  

Berlin/Islamabad - Das ist durchaus eine Überraschung: Der international vielbeachtete Film "Das Mädchen Wadjda" geht für Saudi-Arabien ins Oscar-Rennen. Die saudi-arabische Society for Culture and Arts habe das Werk von Haifa al-Mansur als offiziellen Beitrag des Königreichs für die Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" eingereicht. Das gab der NDR, der den Film co-produziert hat, am Freitag bekannt.

Die Einreichung ist keine Selbstverständlichkeit. Erstens gibt es im streng islamischen Saudi-Arabien keinerlei Kinokultur - alles konzentriert sich dort aufs Fernsehen. "Das Mädchen Wadjda" ist dementsprechend die erste Kinofilmproduktion aus dem Königreich überhaupt. Zweitens ist die Regisseurin eine Frau, deren Hauptdarstellerinnen ein Mädchen und seine Mutter.

"Wir sind sehr stolz über den Film als authentische Repräsentation unseres Landes und unserer Kultur", wird Sultan al-Basi, Präsident der Society for Culture and Arts, zitiert. Man freue sich sehr, dass die Themen und die Geschichte des Films beim Publikum auch weit über die Landesgrenzen hinaus Anklang fänden.

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"Das Mädchen Wadjda": Aufstand auf zwei Rädern
Regisseurin Mansur erzählt in dem Werk von einem jungen Mädchen, das sich ein Fahrrad wünscht und dafür auch gegen gesellschaftliche Konventionen ankämpfen muss. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Mutter, die sich jedoch selbst gegen Benachteiligungen wehren muss. "Das Mädchen Wadjda" wurde von mehreren Produktionsfirmen aus Deutschland unterstützt. Der Film feierte 2012 beim Filmfest von Venedig seine Premiere und gewann seitdem zahlreiche Preise. Seit 5. September läuft er in den deutschen Kinos.

Und auch Pakistan wird bei den Oscars vertreten sein. Erstmals seit einem halben Jahrhundert hat das Land mit dem Spielfilm "Zinda Bhaag" einen Beitrag bei den Academy Awards eingereicht. Der Film erzählt die Geschichte von drei jungen Pakistanern, die mit Menschenschleppern versuchen, ins Ausland zu gelangen.

seh/dpa

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1. hm
h3ld 13.09.2013
Ich bin mir nicht so sicher ob die Könige da den Film verstanden haben, immerhin drückt er sehr wohl eine Kritik an dem Land aus... Naja mal abwarten.
2.
meinmein 13.09.2013
Die sehen die Chance jetzt noch schnell einen Oscar aus PC-Gründen abzugreifen, so ein wenig Sozialkritik ist dabei ganz nützlich.
3. Mutige Frau
kirsten.lorenz 14.09.2013
Ich habe selbst zwei Jahre in Saudi Arabien gelebt und den Film in der Deutschen Botschaft in Riyadh gesehen. Der Regisseurin ist mit viel Mut und Einsatz ein besonderer Film gelungen, der die Lebensumstände der Frauen in Saudi Arabien darstellt, ohne die Männer an den Pranger zu stellen. Effektheischerei ist hier wirklich kein Thema, weil "die" keinen Anteil am Film haben. Ich wünsche dem Film von ganzem Herzen einen Oscar!!!
4. Wenig Ahnung
satissa 16.09.2013
Zitat von h3ldIch bin mir nicht so sicher ob die Könige da den Film verstanden haben, immerhin drückt er sehr wohl eine Kritik an dem Land aus... Naja mal abwarten.
Zum ersten: Es gibt in Saudi Arabien nur einen König, nicht mehr. Daneben gibt es Prinzen und einen Kronprinz, der designierte Nachfolger des Königs (die letzten beiden Kronprinzen starben allerdings bevor sie König wurden) Die saudische Gesellschaft ist tief konservativ und steht allen gesellschaftlichen Veränderungen mit Skepsis entgegen. Die saudischen Beduinen lebten in einer der lebensfeindlichsten Umgebungen der Erde und nur strikte Befolgung überlieferter Verhaltensweisen sicherte denen das Überleben. Hinzu kommt ein starker gruppendynamische Zwang, jeder achtet auf den anderen. Wenn einer ausbricht, zieht das die Skepsis des Umfeldes auf sich und das Ansehen innerhalb der Familie und des Stammes wiegen in dieser Gesellschaft mehr als individuelle Verwirklichung. Dies muss man als Westler nicht unterstützen, aber man sollte akzeptieren, dass es auch andere Werte gibt. In Saudi Arabien wird man niemals eine alte Dame finden, die 3 Monate in allein in ihrer Wohnung verwest. Die Machtstrukturen in Saudi Arabien sehen wie folgt aus: die Al Sauds sind die "weltliche" Herrscherfamilie, die "religiöse" Herrscherfamilie sind die Al Sheikhs. Diese Familie sieht sich als Wächter der wahhabbitischen Auslegung des Islams. In diesem Spannungsbogen kann es Veränderungen erst dann geben, wenn die Gesellschaft bereit dazu ist. Was passiert, wenn man schneller reformiert als das Volk vertragen kann, sah man am Beispiel des Iran. Insofern ist der Film keine Kritik am saudischen Königshaus, sondern an der saudischen Gesellschaft. Jeder Vater und jede Mutter soll sich an die eigene Nase fassen.
5. Untertitel
ludger piaskowy 20.09.2013
Zitat von sysopDer erste Kinofilm aus Saudi-Arabien ist von einer Frau - und hinterfragt das weibliche Rollenbild. Ein Wunder, dass er es überhaupt auf die Leinwand geschafft hat. Und nun? Schickt das streng islamische Königreich "Das Mädchen Wajda" sogar in den Oscar-Wettbewerb. "Das Mädchen Wadjda" bei den Oscars für Saudi-Arabien - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/kino/das-maedchen-wadjda-bei-den-oscars-fuer-saudi-arabien-a-922181.html)
Ich sah den Kinofilm sehr früh im September gemeinsam mit einer arabischen Frau, die der Sprache mächtig ist. Sie war von dem Film positiv beeindruckt. Jedoch entgegnete sie, dass es gut war, die original arabischen "Gebete/Verse" der Mädchen, welche sich im Religionsunterricht auf den bevorstehenden Koranwettbewerb vorbereiteten, nicht zu untertiteln, da diese Verse sehr antijüdisch gewesen seien. Auf meine Nachfrage hin wollte sie jedoch nicht näher darauf eingehen. Es wäre interessant, zu erfahren, was die Schulmädchen da im Film rezitierten.
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