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"Das Schicksal ist ein mieser Verräter": Tränentreibende Glücksmomente

Von

20th Century Fox

Zwei krebskranke Teenager verlieben sich ineinander - kann man aus diesem Szenario einen unkitschigen Film machen? Die Bestsellerverfilmung "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" kann. Und rührt den Zuschauer gerade durch ihre Klarheit zu Tränen.

Wenn es dieses Jahr einen Film gibt, der von einer unüberschaubar großen Masse enthusiastischer Teenager sehnsüchtig erwartet wird, dann ist es wohl "Das Schicksal ist ein mieser Verräter". Die gleichnamige Romanvorlage von John Green ist eines der meistgelesenen Jugendbücher der vergangenen Jahre, der Trailer zur Kinoadaption wurde in den ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung im Januar mehr als drei Millionen Mal aufgerufen, die "New York Times" warnte vor dem Kinostart vor einer "hyperaggressiven Fanbase".

Die Fallhöhe des Films ist also riesig - zumal bei diesen Plotvorgaben die Gefahr droht, in melodramatischem Todeskitsch zu versacken: Hazel und Augustus lernen sich in einer gruseligen Krebs-Selbsthilfegruppe kennen, verlieben sich ineinander und fahren gemeinsam von Indiana, USA, aus ins ferne Amsterdam, um dort Peter van Houten zu treffen. Dessen Tochter ist im Alter von acht Jahren an Krebs gestorben, ihren Tod hat der Autor in "Ein herrschaftliches Leiden" verarbeitet. Es ist Hazels Lieblingsbuch. Dass der Film nicht ohne wenigstens eine Beerdigung zu Ende geht, weiß auch der Zuschauer, der die Romanvorlage nicht kennt, spätestens nach fünf Minuten Filmzeit.

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"Das Schicksal ist ein mieser Verräter": Ein neuer Liebesfilmklassiker

Die beiden Verliebten philosophieren mit vorgeblich abgeklärter Ironie über das Leben und den Tod, Hazel immer mit ihrer Sauerstoffflasche im Schlepptau (Schilddrüsenkrebs mit Metastasen in der Lunge), Augustus mit einer nichtangezündeten Zigarette im Mundwinkel ("eine Metapher") und Beinprothese (Knochenkrebs). Hazel weiß, dass sie bald sterben und die, die sie lieben, verletzen wird. Deshalb versucht sie anfangs auch, sich Augustus vom Leib zu halten. Doch gegen den hoffnungslos Verliebten kommt sie nicht an, was zum Anrührendsten gehört, das seit Langem auf der Leinwand zu sehen war. Nur in der Szene, in der die beiden sich zum ersten Mal küssen - auf dem Dachboden des Anne-Frank-Hauses, einem Museum für ein anderes todgeweihtes Mädchen - und die Umstehenden applaudieren, sind die Bilder nah an der Grenze zum Kitsch.

Ein "Fick dich!" für den Starautor

"The Fault in our Stars" (etwa: Die Schuld unserer Sterne), so der schönere Originaltitel von Film und Buch, gelingt es, dem Zuschauer konstant präsent zu halten, dass man hier zwei jungen Menschen nicht nur bei bei ihrer ersten, sondern zugleich auch ihrer letzten großen Liebe zuschaut, und stellt so eine Bedeutsamkeit her, die Leinwand-Teenager-Romanzen, oftmals fehlt (zumindest aus der Perspektive der erwachsenen Zuschauer).

Dass das heikle Unterfangen gelingt, liegt zum einen an den pointierten Dialogen, die sich eng an die eh bereits sehr filmische Romanvorlage John Greens halten; das Drehbuch stammt von Scott Neustadter und Michael H. Weber, dem Autorenteam, das auch die Scripts zu "(500) Days of Summer" und "The Spectacular Now" verfasst hat, zwei weitere Liebesgeschichten in stilsicherer Indie-Ästhetik und ohne falsche Töne.

Zum anderen liegt es an den beiden jungen Hauptdarstellern Shailene Woodley - Golden-Globe-nominiert für ihre Rolle in "The Descendants" - und Ansel Elgort, die die Szenerie auch dann mit herzerweichendem Charme bestimmen, wenn schauspielerische Schwergewichte wie Laura Dern oder Willem Dafoe mit im Raum sind. Beide waren zuletzt in dem Teen-Action-Franchise "Divergent - Die Bestimmung" als Geschwisterpaar zu sehen.

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"Divergent - Die Bestimmung": Wer nicht passt, muss sterben

Die Herausforderung für die Filmemacher, einen unpeinlichen Tonfall zu treffen, spiegelt sich in den Konflikten der Figuren. Auch sie versuchen, eine Haltung gegenüber dem zu finden, was eigentlich nicht auszuhalten ist: Laura Dern spielt die sich liebevoll aufopfernde Mutter Hazels, die am Ende ihrer Tochter versichern kann, dass das Leben der Eltern nicht zu Ende sein wird, wenn Hazel einmal nicht mehr da ist. Peter van Houten (Dafoe) wiederum entpuppt sich als ein über dem eigenen Schmerz zum Zyniker mutiertes Ekel.

Letztlich schlägt sich "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" aber bedingungslos auf die Seite der Jungen, die dem Unabwendbaren zuerst mit unwahrscheinlicher Klarheit und dann, am Ende, mit verzweifelter Trauer begegnen. Die Grenze zwischen Empathie und Mitleid verliert der Film dabei nicht aus den Augen und legt es auch dem Zuschauer nahe, hier wachsam zu bleiben: Empathie ermöglicht die Einfühlung in das Schicksal eines anderen Menschen, Mitleid macht den anderen potenziell kleiner als er ist.

Die härtesten Szenen der Romanvorlage allerdings bleiben ausgespart, der körperliche Verfall wird nur angedeutet. Das mag ein Zugeständnis an das Kinopublikum sein, vielleicht ist die Zurückhaltung aber auch notwendig, um die Balance nicht zu verlieren.

In "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" soll spürbar werden, dass - Zitat - "Sterben scheiße ist", das Leben aber wunderschön sein kann, wenn man sich dafür entscheidet, seines ganz zu leben. Für ihr vermeintliches Vorbild Peter van Houten, der aus seiner Trauer die Berechtigung ableitet, die Welt hässlicher zu machen, hat Hazel denn auch nur ein herzhaftes "Fick dich" übrig. Und dieses enge Beieinander aus filmisch souverän inszenierten Glücksmomenten und niederschmetternder Ausweglosigkeit ist jenseits aller Altersgrenzen tränentreibend.

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Gunter Cornehl 10.06.2014
MEIN Gott, welch wunderbarer Artikel!
2.
ollowain13 11.06.2014
Zitat von sysopZwei krebskranke Teenager verlieben sich ineinander - kann man aus diesem Szenario einen unkitschigen Film machen? Die Bestsellerverfilmung "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" kann. Und rührt den Zuschauer gerade durch seine Klarheit zu Tränen. http://www.spiegel.de/kultur/kino/das-schicksal-ist-ein-mieser-verraeter-der-film-nach-john-green-a-974089.html
Allerdings: Der SEHR VIEL SCHÖNERE Originaltitel! Wer den übersetzt bzw. ins Deutsche übertragen hat, kann offenbar nur Kisuaheli. Wenn schon, dann müsste es heißen: "Der Fehler in unserem Schicksal". Mit "Schuld" oder gar mit "Verrat" hat das gar nichts zu tun, auch wenn "fault" "Schuld" als Nebenbedeutung hat. Die Sterne sind wie meistens ein Symbol für das Schicksal, das ja nach manch abergläubischer Vorstellung aus ihnen vorhergesagt werden kann. Unglaublich, dass der Titel eines ansonsten wirklich tollen Buches so verhunzt werden darf. Allerdings würde ich eh die englische Originalversion empfehlen, denn das Buch lebt von seinen knallharten, durchaus realistischen Teenagerdialogen, die sich kaum adäquat ins Deutsche übertragen lassen. Da ist unsere Sprache einfach zu umständlich. Was man im Englischen mit maximal zwei Worten ausdrücken kann, erfordert bei uns oft schon einen Zweizeiler. Damit geht aber genau das verloren, was das Buch so schön macht. Wie auch immer: Klare Leseempfehlung!
3. eine pietätlose gesellschaft
esmitleeremkopfzutun 13.06.2014
Ein Film, der zu Tränen rührt, über alle Altersgrenzen hinweg, ja, dem kann man zustimmen. Meine Freundin und ich haben den Film heute Abend gesehen und waren tief beeindruckt. Doch in einer der ergreifendsten Szenen des Filmes, als Augustus Hazel seine Erkrankung gesteht, kicherten und quatschten in der Reihe hinter uns einige "Mädels", offenbar auf ihrem Mädelsabend.Wie roh und kalt kann man sein? Wie gedankenlos? Noch trauriger als der Film hat uns nur der Gedanke gemacht, dass es Menschen mit so wenig Anstand und Respekt gibt, vor einem Schicksal,dem sie selbst oder die, die sie lieben, jederzeit ereilen kann. Tiehen Respekt vor der Würde eines Films, der für einen Teil seines Publikums viel zu schade ist.
4. Übersetzung
silente08 14.06.2014
Ob Original- oder deutscher Titel schöner ist, könnte ich auf die Schnelle gar nicht feststellen. @ollowain13: Dass Fault hier nichts mit Schuld zu tun hat, erklären Sie mal dem guten Herrn Schlegel, der vor langer Zeit schon die Wendung so übersetzt hat („Nicht durch die Schuld der Sterne, lieber Brutus, Durch eigne Schuld nur sind wir Schwächlinge.“) „Richtige“ Übersetzung ist demgemäß „Die Schuld in unseren Sternen“, wie im Buch auch nachzulesen. Ansonsten kann ich den Film nur empfehlen.
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