DDR-Kultfiguren Die Olsenbande ist wieder da

In der DDR eroberten die drei dänischen Ganoven in den siebziger und achtziger Jahren die Herzen der Kinogänger mit ihrem Charme und Improvisationstalent. Jetzt haben sich die Herren noch einmal zusammengefunden und spielen "Den (wirklich) allerletzten Streich der Olsenbande".


Drehbuchautor Henning Bahs (r.) mit der "Original-Olsenbande" Morten Grunwald, dem mittlerweile verstorbenen Poul Bundgaard und Ove Sprogöe
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Drehbuchautor Henning Bahs (r.) mit der "Original-Olsenbande" Morten Grunwald, dem mittlerweile verstorbenen Poul Bundgaard und Ove Sprogöe

Berlin - Auch zehn Jahre nach dem Fall der Mauer gibt es in Ostdeutschland Dinge, die sich viele Westdeutsche nur schwer erklären können. So feiert dieser Tage ein gewisser Egon in den ostdeutschen Kinos fröhliche Urständ und viele Ostdeutsche dürften begeistert sein. Bei Egon handelt es nicht um den ehemaligen SED-Chef Egon Krenz, sondern um einen Gentleman-Verbrecher aus Dänemark.

Egon Olsen (Ove Sprogøe) und seine Kumpane Benny (Morten Grunwald) und Kjeld (Poul Bundgaard) sind als "Olsenbande" noch einmal angetreten, um endlich die Millionen zu erbeuten, die ihnen in ihren bisher 13 Filmen immer wieder durch die Lappen gegangen waren. "Die Begeisterung beim Publikum wächst", sagt Frank-Thomas Suppé vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), der an der Produktion beteiligt war. Die drei dänischen Ganoven sind immer noch eine Art Lackmustest zur Einteilung der Deutschen in Ossis und Wessis. Während die meisten Westdeutschen beim Stichwort Olsenbande mit den Schultern zucken oder etwas von "skandinavischer Zeichentrickserie" murmeln, gibt es kaum einen Ostdeutschen, der nicht wenigstens Bennys Beifallsruf "mächtig gewaltig" zitieren könnte. Viele Ältere können noch ganze Szenen der Filme aufsagen, die in den siebziger und achtziger Jahren mit großem Erfolg in den DDR-Kinos liefen.

Möglicherweise war es Egons Improvisationstalent, das die von der sozialistischen Mangelwirtschaft geplagten DDR-Bürger beeindruckte. Die Olsenbande erbeutete mit Knallfröschen, Luftballons und leeren Bierflaschen ein paar tausend Kronen und zeigte, dass man mit einem Schraubenschlüssel, einer Stichsäge, zwei Zehnkronenscheinen und einem Stapel Altpapier die Weltbank knacken kann. Das machte im Land der fehlenden Ersatzteile wahrscheinlich mehr Eindruck als ein James Bond, der regelmäßig den neuesten technischen Firlefanz zu Schrott fuhr und sein Auto per Knopfdruck in ein U-Boot verwandeln musste, um seinen Gegnern zu entwischen. Nach der Wende 1989 rätselten die Westdeutschen, warum ihre Landsleute im Osten kaum eine Ahnung von westlichen Kultfilmen wie "Star Wars" hatten und stattdessen für drei Typen mit altmodischen Hüten und einer Vorliebe für Tresore der Firma Franz Jäger, Berlin, schwärmten. Der MDR, der die Filme mehrfach im Fernsehen wiederholte, hatte jedes Mal beste Einschaltquoten. Das veranlasste den MDR auch dazu, beim dänischen Studio Nordisk Film nachzufragen, ob man nicht gemeinsam ein neues Projekt versuchen wolle. Der MDR werde auch einen erheblichen Teil der Kosten tragen. Nach einigem Hin und Her rafften sich die drei betagten Protagonisten 1998 noch einmal auf. So ganz die alte Olsenbande wurde es aber nicht mehr. Kirsten Walther, im Film Kjelds Ehefrau Yvonne, die den drei Ganoven mit fixen Ideen und schrillen Standpauken zusetzte, war 1987 gestorben. Während der Aufnahmen, im Juni 1998, erlag Bundgaard, der als stets ängstlicher Kjeld Egons Hebammenkoffer durch die Handlung tragen durfte, im Alter von 76 Jahren einem Nierenversagen. Für die fehlenden Aufnahmen wurde ein Double verpflichtet.

Seit der Premiere in Dänemark am 17. Dezember 1998 sahen 620.000 Zuschauer "Den (wirklich) allerletzten Streich der Olsenbande". Angesichts von 5,2 Millionen Einwohnern in Dänemark eine Quote die in Deutschland kaum zu erreichen sein dürfte. Zur ausverkauften Vorpremiere am Dienstag in Leipzig fuhren Morten Grunwald und die beiden Synchronsprecher Karl-Heinz Oppel (Egon) und Erhard Köster (Kjeld) in der "Grünen Minna", einem Gefangenenwagen der Leipziger Polizei, vor. Hauptdarsteller Sprogøe, der im Dezember seinen 80. Geburtstag feiert, blieb da lieber zu Hause.

Martin Roy



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