Comic-Helden für Kino und TV: Kaputte Kerle können's besser

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Warum denn immer Superhelden? In Film und Fernsehen sind stets die gleichen Comic-Charaktere zu sehen: Spider- , Bat- oder Iron-Männer. Wie wäre es mal mit einer kaputten Prügeltruppe, einem New Yorker Bürgerkriegsreporter oder einem schizophrenen Rachegott? Hier sind unsere Traumtypen.

Deadpool & Co.: Neue Anti-Helden fürs Comic-Kino Fotos
Panini/ Dynamite Entertainment

Spider-Man wird gerade zum gefühlt 20. Mal neu aufgelegt. Batman ist eh eine Bank - mal sehen, wie lange es dauert, bis auf "The Dark Knight Rises" von Christopher Nolan die nächste Adaption folgt. Den Iron Man hat Hollywood ebenfalls in Serienproduktion geschickt. Und sogar von der blassen Funzel "Green Lantern" soll es einen zweiten Teil im Kino geben.

Experimente? Fehlanzeige! Warum nur geht Hollywood so hasenfüßig mit seinen Helden um?

Die Antwort ist simpel. Die Fan-Basis ist bei den großen Namen ebenfalls groß und garantiert daher fast immer gute Kino-Einnahmen. Und wer als Held einmal Kasse gemacht hat, dem vertrauen die Studios gern ein zweites, drittes oder viertes Mal. Darum sieht das Publikum stets dieselben Supermänner in Kino und TV.

Das ist ermüdend. Dabei ist das Comic-Universum doch groß und bunt genug. Film- und Fernsehmacher könnten mal auf neue Helden setzen. Auf schräge oder kaputte Charaktere aus der zweiten Comic-Reihe, die sich für Verfilmungen dennoch bestens eignen. Welche Frauenfiguren sich da anböten, konnten Sie bereits lesen. Jetzt folgen: unsere Traumtypen.

Deadpool: Chaotischer Antiheld mit Plappermaul

Marvel-Antiheld Deadpool: Plappert beim Kämpfen noch mehr als Spider-Man Zur Großansicht
Marvel

Marvel-Antiheld Deadpool: Plappert beim Kämpfen noch mehr als Spider-Man

Warum er? Wade Wilson alias Deadpool ist einer beliebtesten, aber auch schrillsten Superhelden des Marvel-Universums. Er verkörpert den Begriff "Antiheld" wie kein anderer Latexdressträger: Alles, was er anpackt, endet im totalen Chaos. Seine alles andere als politisch korrekten Sprüche sind ebenso legendär wie sein Fast-Food-Konsum. Unfassbar: Der "Merc with a Mouth" plappert noch mehr als Spider-Man, wenn er Gegner abfertigt!

Was kann er? Nichts, aber das macht ihn ja so sympathisch. Im "Weapon X"-Programm des fiesen Colonel Stryker erhält er Superkräfte, die zur spontanen Selbstheilung von Verletzungen führen. Die Regenerationskraft betrifft auch seine Hirnzellen, was ihn immun gegen Telepathie oder Psycho-Angriffe macht - aber zu Vergesslichkeit und ausgeprägter Trotteligkeit führt. Leider wurde auch eine frühere Erkrankung beschleunigt, seitdem leidet er unter hässlichen Narben am Körper und zeigt sich ungern ohne Ganzkörperdress. Das perfekte Teenager-Idol!

Wann kommt er? Vielleicht schon bald. Einen ersten Auftritt hatte Deadpool bereits 2009 in "X-Men Origins: Wolverine", verkörpert von Jetzt-Topstar Ryan Reynolds. Seitdem schmort ein möglicher Deadpool-Film in Hollywoods development hell. Reynolds ist als Hauptdarsteller im Gespräch, sagte aber unlängst, dass "Deadpool" auf der Leinwand ebenso unmoralisch, lästermaulig und brutal wie im Comic sein sollte. Für Fans wäre das ein Fest. Aber ob das in Marvels Familienfilmplanung passt?


"American Vampire" Skinner Sweet: Charmanter Südstaaten-Sauger

Blutsauger-Saga "American Vampire": "Akte-X" mit Historiencharme Zur Großansicht
Vertigo/ DC

Blutsauger-Saga "American Vampire": "Akte-X" mit Historiencharme

Warum er? Wer Eric Northman in der TV-Serie "True Blood" vergöttert, der verliebt sich auch in Skinner Sweet, den "American Vampire" in der gleichnamigen Comic-Heftserie von Scott Snyder (Vertigo, seit 2010). An deren ersten Episoden schrieb Stephen King mit. Sweet ist eine Art amoralischer Billy the Kid mit Schlag bei Frauen - und großem Blutdurst.

Was kann er? Ausbüxen, Schnippchen schlagen, Blutbäder anrichten und junge Damen charmieren. "American Vampire" erzählt Skinners Geschichte vom Wilden Westen bis in die Gegenwart. Gehetzt wird er von einer geheimen Vampirjäger-Fraktion des FBI, was die Serie zu einem "Akte X"-Verschnitt mit Historien- und Vampir-Touch macht.

Wann kommt er? Bislang gibt es offenbar keine Pläne, "American Vampire" auf die Leinwand zu bringen. Auch eine TV-Serie wäre ja denkbar. Aber so lange "True Blood" so erfolgreich läuft, besteht vermutlich kein Bedarf an einem weiteren blauäugigen Vampir-Outlaw mit Südstaaten-Flair.


Ed Brubakers "Criminal": Die rabenschwarze Serie

Noir-Comic "Criminal": Dunkle Gassen, verruchte Frauen, gebrochene Helden Zur Großansicht
Panini/ Icon/ Marvel

Noir-Comic "Criminal": Dunkle Gassen, verruchte Frauen, gebrochene Helden

Warum er? Hollywoods "schwarze Serie" wartet schon lange auf ein großes Comeback im Kino. Die von einschlägigen Noir-Filmen und Pulp-Romanen inspirierte "Criminal"-Reihe von Autor Ed Brubaker und Zeichner Sean Philips (Icon, seit 2006) transportiert alle gängigen Genre-Klischees kongenial in die Gegenwart. Eine der Hauptfiguren ist der Kriegsveteran Tracy Lawless, der den mysteriösen Mord an seinem Bruder aufklären will und sich in die Dienste eines Gangster-Syndikats begibt.

Was kann er? Verzweifeln, an sich und der Welt. Lawless ist ein prototypischer Noir-Charakter. Seine dank Kriegsdienst beeindruckende Körperkraft und sein Gespür für die Gesetze der Straße lassen ihn überleben. Auch wenn er sich immer wieder vom Boden aufrappeln muss.

Wann kommt er? Im Herbst vergangenen Jahres wurde berichtet, dass Ed Brubaker den ersten Story-Zyklus der Serie, "Coward", für die unabhängige Filmfirma Hunting Lane ("Blue Valentine") zu einem Drehbuch umarbeitet. Als Regisseur sollte der Brite David Slade ("30 Days Of Night", "Twilight: Eclipse") verpflichtet werden.


Matty Roth aus "DMZ": New Yorker Reporter im Bürgerkrieg

Gesellschafts-Dystopie "DMZ": Und wieder liegt New York in Trümmern Zur Großansicht
Vertigo/ DC Comics

Gesellschafts-Dystopie "DMZ": Und wieder liegt New York in Trümmern

Warum er? Matty Roth ist ein junger Reporter, der in Brian Woods Comic-Dystopie "DMZ" zwischen die Fronten eines Bürgerkriegs gerät. Schauplatz ist die fast vollständig zerstörte Insel Manhattan, die der zwischen 2005 und 2012 bei Vertigo erschienenen Comic-Reihe als "De-Militarized Zone" ihren Namen gab. Moralische Abgründe, Todesangst und Liebe in Ruinen - Matty erlebt all das in seinem traumatisierenden "New York State of Mind". Ein erschütternder Kommentar zum Krieg gegen den Terror und die Auswirkungen des 11. September 2001.

Was kann er? Zu Beginn ist Matty ein Grünschnabel, doch im Verlauf der Serie wird er abgehärtet, lernt, Freund von Feind zu unterscheiden, und spielt seine Fähigkeiten als Reporter mit den wenigen Mitteln, die ihm im Krisengebiet zur Verfügung stehen, aus. Matty wird zum Zyniker und zum Medium, das alle Kriegsparteien fürchten. Und dringend brauchen.

Wann kommt er? Im Moment sind leider keinerlei Pläne bekannt, "DMZ" zu einem Film oder einer Serie werden zu lassen. Die Umsetzung im Kino wäre aufwendig und teuer: Man müsste die geschundene New York City als Modell nachbauen oder am Computer entwerfen.


Moon Knight: Schizophrener Rachegott

Marvel-Held Moon Knight: Hält sich für Wolverine, Spider-Man und Captain America Zur Großansicht
Marvel

Marvel-Held Moon Knight: Hält sich für Wolverine, Spider-Man und Captain America

Warum er? Marc Spector alias Moon Knight ist einer der schillerndsten Charaktere aus der Marvel-Heldenriege. 1975 von Doug Moench erdacht, erlebte er im vergangenen Jahr ein fulminantes Comeback in einer Heftserie von Marvels Top-Talenten Brian Michael Bendis und Alex Maleev. Moon Knight gilt vielen Fans als durchgeknallte Version von Batman. Aktuell leidet er unter Schizophrenie und hält sich abwechselnd für Captain America, Wolverine und Spider-Man. Für Gastauftritte wäre also gesorgt.

Was kann er? Moon Knight hält sich für die Reinkarnation des ägyptischen Mond- und Rachegotts Khonshu und kleidet sich in einen wallenden, weißen Dress mit Cape und Kapuze, die sein Gesicht fast völlig verdeckt. Da er vor seiner Superheldenkarriere Olympia-Athlet und Söldner war, verfügt er über ausreichend Körperkraft, um es mit Bösewichten aller Art aufzunehmen.

Wann kommt er? Um 2006 herum war bereits eine TV-Serie mit Moon Knight geplant, doch seitdem ist es still geworden um den weißen Rächer. Logistisch wäre es praktisch für Hollywood: In der neuen Serie lebt der wie Bruce Wayne recht wohlhabende Marc Spector in Los Angeles und produziert eine TV-Soap.


The Boys: Schlagkräftiges Anti-Heldenkommando

Britische Anti-Superhelden-Saga "The Boys": Brutaler, explizit und sarkastisch Zur Großansicht
Panini/ Dynamite Entertainment

Britische Anti-Superhelden-Saga "The Boys": Brutaler, explizit und sarkastisch

Warum sie? "The Boys", 2006 von dem nordirischen Comic-Autor Garth Ennis erdacht, leben in einer Zeit, in der Superhelden real sind und als Promis gefeiert werden. Entsprechend dekadent, rücksichtslos und arrogant verhalten sie sich, so dass der CIA eine geheime Truppe zusammenstellt, um die Heroen im Zaum zu halten: die "Boys". Die bei Dynamite Entertainment erscheinende Serie ist zu gleichen Teilen düsterer Gesellschaftskommentar und amoralischer Actionspaß - und berüchtigt für drastische Sex- und Gewaltdarstellungen.

Was können sie? Anführer ist der Brutalo Billy the Butcher, der illustre Charaktere wie den hünenhaften Afroamerikaner Mother's Milk, die stumme, aber extrem gewalttätige Female (of the Species), den mysteriösen Frenchman und den schüchternen, britischen Normalo Hughie ins Gefecht schickt - um den dreht sich die Serie auch zumeist. Ein schön kaputter Haufen, quasi die Anti-"Avengers".

Wann kommen sie? Trotz abartiger Gewalt und expliziter Sexdarstellungen gab es konkrete Pläne für einen "The Boys"-Film. Im Februar jedoch ließ Columbia Pictures das Projekt bis auf weiteres fallen, nachdem unter anderem bereits Seth Rogen mit einem Skript beauftragt worden war. Als "Hughie" war gerüchteweise Simon Pegg ("Hot Fuzz") im Gespräch.

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insgesamt 35 Beiträge
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1. schöön...
Liquid 28.08.2012
... dass sich SPON auch ab und zu mal diesem genre widmet. bei der auflistung darf natürlich einer nicht fehlen: Spider Jerusalem aus der feder von warren ellis!
2.
joergsi 28.08.2012
Zitat von sysopWarum denn immer Superhelden? In Film und Fernsehen sind stets die gleichen Comic-Charaktere zu sehen: Spider- , Bat- oder Iron-Männer. Wie wäre es mal mit einer kaputten Prügeltruppe, einem New Yorker Bürgerkriegs-Reporter oder einem schizophrenen Rachegott? Hier sind unsere Traumtypen. Deadpool, Matty Roth, DMZ: Diese Comic-Helden wollen wir im Kino sehen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,851160,00.html)
Meine Lieblingscomicfigur fehlt hier: aus Poison Elves Lusiphur. Noch mehr Anti-Hero geht nicht.
3. The Boys
Tayfun30 28.08.2012
Kleine Anmerkung zum Comic: Simon Pegg diente tatsächlich als Vorbild für Hughie - er hat aus diesem Grund sogar das Vorwort im allerersten Band geschrieben.
4. Schizophrenie
zaroo 28.08.2012
Hier wird Schizophrenie mit der gespaltenen Persönlichkeit/dissoziative Identitätsstörung verwechselt. Schizophrenie hat nichts damit zu tun dass mehrere "Charaktere" ein einem Körper wohnen.
5. Keine Experimente
MarioDeMonti 28.08.2012
Vielleicht wären die großen Filmstudios mutiger, wenn 'Watchmen' ein größerer Erfolg gewesen wäre. Alan Moore fragt in seiner großartigen Vorlage wie unsere Welt aussehen würde, wenn Superhelden real wären. Und man kann zur Verfilmung stehen wie man will, einiges von dem meisterhaften Buch färbt doch ab. Die Superhelden widersprechen alle dem üblichen Bild aus den gängigen Verfilmungen, was manche Zuschauer ja auch abgeschreckt hat. Besonders Jackie Earle Haley als der Gerechtigkeitsfanatiker Rohrschach lieferte eine beeindruckende Darbietung, die meiner Meinung nach Heath Ledgers Interpretation des Jokers noch übertrifft. Es gibt aber auch Filme neben dem Mainstream, z.B. Super (http://de.wikipedia.org/wiki/Super_%E2%80%93_Shut_Up,_Crime!) Spoiler: Am Ende des Films fragt man sich allerdings, ob die Hauptfigur ein Held, ein Psychopath oder einfach nur ein armes Würstchen ist.
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