Deal mit Filmstudio Neuseeland verkauft sich für die Hobbits

Die Hobbits bleiben in Neuseeland: Ministerpräsident Key hat seinem Land für 25 Millionen Dollar die Verfilmung des Fantasy-Romans "Der Hobbit" gesichert. Auf Wunsch des Filmstudios Warner Brothers sollen sogar Gesetze geändert werden.

Demonstration für den Hobbit-Film in Neuseeland: 25 Millionen obendrauf
dpa

Demonstration für den Hobbit-Film in Neuseeland: 25 Millionen obendrauf


Wellington - Mittelerde ist Neuseeland, spätestens seit der Verfilmung von Tolkiens Heldenepos "Der Herr der Ringe" besteht daran bei vielen Neuseeländern kein Zweifel mehr. Das Hollywood-Filmstudio Warner Brothers hatte hingegen gedroht, die anstehenden Dreharbeiten zum Prequel "Der Hobbit" aus dem Land abzuziehen.

In Mittelerde brach Krisenstimmung aus: So ein Multimillionen-Filmprojekt nutzt schließlich der Wirtschaft und sorgt für schöne Inselbilder. Am Montag gingen Tausende Menschen auf die Straße, um für die "Hobbits" zu demonstrieren. Regierung und Filmstudio trafen sich zu Hobbit-Verhandlungen. Am Mittwoch dann trat der neuseeländische Ministerpräsident John Key strahlend vor die Kameras: Die Hobbits bleiben. Warner Brothers wird das 500 Millionen Dollar schwere Filmprojekt nicht nach Osteuropa verlagern.

Das hat allerdings seinen Preis: Das Arbeitsrecht soll nun im Sinne des Filmstudios geändert werden, außerdem legt die Regierung 25 Millionen Euro Zuschüsse drauf, 15 als Filmförderung, 10 als Zuschuss zu einer weltweiten Werbekampagne. Zum Streit war es gekommen, weil sich das Filmstudio nicht an einen Rahmenvertrag der Schauspieler-Gewerkschaft halten wollte. Regisseur Peter Jackson wollte auch Leute beschäftigen, die dort nicht Mitglied sind.

Daraufhin hatten auch internationale Schauspieler-Gewerkschaften mit einem Boykott gedroht. Jackson hatte der australischen Gewerkschaft Media, Entertainment and Arts Alliance (MEAA) im Gegenzug vorgeworfen, übermütig zu sein und angesichts hoher zu erwartender Gewinne zu hohe Gehälter einzufordern.

Das "Hobbit"-Projekt sollte eigentlich von Anfang an in Neuseeland gedreht werden. Seit über zwei Jahren ist der Zweiteiler nun schon in Planung, doch die Arbeit wurde in der letzten Zeit immer wieder von Problemen überschattet. Zunächst waren es die finanziellen Schwierigkeiten des Hollywood-Studios MGM, dann sprang Regisseur Guillermo del Toro wegen der ständigen Verzögerungen ab, Jackson übernahm.

Dafür ist die wichtigste Rolle schon besetzt: Der britische Schauspieler Martin Freeman, zuletzt in der BBC-Produktion "Sherlock" als Dr. Watson zu sehen, wird die Hauptrolle des Bilbo Beutlin übernehmen.

ore/Reuters



insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
AlbertGeorg 27.10.2010
1. Basisdemokratie
Tja, Leute Das ist Basisdemokratie
Emmi 27.10.2010
2. Zuschüsse!?
Wieso muss ein sicher profitables Hollywood-Filmprojekt vom Staat Neuseeland bezuschusst werden!? Geht´s noch!? Emmi
Indigo76 27.10.2010
3.
Zitat von EmmiWieso muss ein sicher profitables Hollywood-Filmprojekt vom Staat Neuseeland bezuschusst werden!? Geht´s noch!? Emmi
Weil Hollywood ein ziemlich seltsames Verhältnis zu Geld hat. So zählt in Amerika ein Film als Flop, der weniger als das doppelte der Produktionskosten eingespielt hat. Wenn dieses Filmprojekt also 500 Millionen Dollar kostet, müssen die beiden Filme insgesammt 1 Milliarde einspielen, damit er als erfolgreich gilt. Wenn er "nur" 400 Millionen Reingewinn (!) macht, ist er ein Flop. Die spinnen, die Amis.
dango 27.10.2010
4. Gutes Geschäft
Zitat von EmmiWieso muss ein sicher profitables Hollywood-Filmprojekt vom Staat Neuseeland bezuschusst werden!? Geht´s noch!? Emmi
Im Prinzip ist die Frage berechtigt. Auf der anderen Seite ist das ganze aber ein Geschäft. Wenn die Verantwortlichen im Filmstudio davon ausgehen, dass sie beim Drehort auch Alternativen haben und ein paar Millionen weniger ausgeben (= mehr verdienen) wenn sie woanders drehen, ist es doch legitim, erstmal zu verhandeln. Und für Neuseeland ist das ganze sicher kein schlechtes Geschäft. Schon die Herr der Ringe - Trilogie ist mit ihren epischen Landschaftsbildern die beste Werbekampagne, die Neuseeland jemals bekommen konnte und wird auch noch in 20-30 Jahren Leute dazu bewegen, "auch mal nach Mittelerde zu wollen". Ich gehe stark davon aus, dass man die Auswirkungen der HDR-Filme direkt in den Tourismusstatistiken ablesen kann. Die Hobbits werden nun auch noch in 3D gedreht - also wieder zwei abendfüllende, high end - Werbefilme für Neuseeland, die noch dazu wochenlang in allen Kinos der Welt und anschließend jahrelang im Fernsehen zu sehen sind. Darüber hinaus lenkt man einen guten Teil des Gesamtetats von 500 Mio. ins Land. Vermutlich fließt schon alleine deswegen für jeden investierten Dollar das vierfache zurück ins Land. Also in sofern: Neuseeland verkauft sich nicht, sondern investiert klug. Und, nichts gegen Osteuropa, aber auch für die Fans ist es doch irgendwie romantischer und mystischer, wenn Mittelerde in Neuseeland liegt und nicht in Osteuropa.
Indigo76 27.10.2010
5.
Zitat von dangoIm Prinzip ist die Frage berechtigt. Auf der anderen Seite ist das ganze aber ein Geschäft. Wenn die Verantwortlichen im Filmstudio davon ausgehen, dass sie beim Drehort auch Alternativen haben und ein paar Millionen weniger ausgeben (= mehr verdienen) wenn sie woanders drehen, ist es doch legitim, erstmal zu verhandeln. Und für Neuseeland ist das ganze sicher kein schlechtes Geschäft. Schon die Herr der Ringe - Trilogie ist mit ihren epischen Landschaftsbildern die beste Werbekampagne, die Neuseeland jemals bekommen konnte und wird auch noch in 20-30 Jahren Leute dazu bewegen, "auch mal nach Mittelerde zu wollen". Ich gehe stark davon aus, dass man die Auswirkungen der HDR-Filme direkt in den Tourismusstatistiken ablesen kann. Die Hobbits werden nun auch noch in 3D gedreht - also wieder zwei abendfüllende, high end - Werbefilme für Neuseeland, die noch dazu wochenlang in allen Kinos der Welt und anschließend jahrelang im Fernsehen zu sehen sind. Darüber hinaus lenkt man einen guten Teil des Gesamtetats von 500 Mio. ins Land. Vermutlich fließt schon alleine deswegen für jeden investierten Dollar das vierfache zurück ins Land. Also in sofern: Neuseeland verkauft sich nicht, sondern investiert klug. Und, nichts gegen Osteuropa, aber auch für die Fans ist es doch irgendwie romantischer und mystischer, wenn Mittelerde in Neuseeland liegt und nicht in Osteuropa.
Eigentlich ist es Quatsch, die Filme wieder in Neuseeland zu drehen. Denn im Gegensatz zum HdR sind die Hauptschauplätze beim Hobbit wirklich überall zu finden. 1) Auenland (da fällt mir Irland als perfekter Drehort ein) 2) Bruchtal (Auch beim HdR komplett im Studio gedreht) 3) Nebelberge (Alpen, Ural, Pyrenäen und und und) 4) Orkhöhlen (Natürlich Studioaufnahmen) 5) Düsterwald (Wieder Studioaufnahmen - so wie der Fangornwald im HdR) 6) Festung der Waldelben (Miniatur- und Studioaufnahmen) 7) Seestadt (Minatur- und Studioaufnahmen - so wie Minas Tirith im HdR) 8) Einsamer Berg (Wahrscheinlich der einzige Grund für Neuseeland. Obgleich es in der Mongolei bestimmt änliche Drehorte gibt) Wenn sich Jackso also an die Romanvorlage hält und nicht jede Menge Quatsch dazu erfindet, ist der Dreort Neuseeland überflüssig. Er hat ihn nur ausgewählt, weil das seine Heimat ist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.