Defa-Star: Schauspieler Fred Delmare ist tot

Er war einer der populärsten Schauspieler der DDR, spielte in Klassikern wie "Nackt unter Wölfen". Zuletzt stand Fred Delmare in der ARD-Serie "In aller Freundschaft" als Opa Friedrich vor der Kamera. Jetzt starb der 87-Jährige an den Folgen einer Lungenentzündung.

Leipzig - Es war ein hartes Leben, trotz des Erfolgs. "Glücklich bin ich auf keinem Fall", lautete das nüchterne Fazit von Fred Delmare an seinem 80. Geburtstag 2002.

Schauspieler Delmare: Bezeichnete "Nackt unter Wölfen" als seinen wichtigsten Film
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Schauspieler Delmare: Bezeichnete "Nackt unter Wölfen" als seinen wichtigsten Film

Delmare wurde 1922 im thüringischen Sonneberg, im Vorort Hüttensteinach, als Werner Vorndran geboren. Bereits als Jugendlicher wirkte er bei Aufführungen einer Bauernbühne mit, später verfeinerte er seine Schauspielkunst als externer Schüler der Schauspielschule des renommierten Berliner Hebbel-Theaters.

Den Durchbruch auf der Leinwand schaffte er in "Der Teufelskreis", einem Film über den Reichstagsbrandprozess. Delmare spielte den Brandstifter Marinus van der Lubbe. In den sechziger Jahren wurde Delmare Opfer der politischen Zensur. In "Denk bloß nicht ich heule" über einen sich gegen gesellschaftliche Lethargie und Heuchelei auflehnenden Schüler spielte er einen Brigadier. Der Streifen wurde als antisozialistisch gebrandmarkt und verschwand in den Archiven der Defa. Als er im Januar 1990 dann endlich aufgeführt werden konnte, wurde er als "Meisterstück des kritischen Realismus" gefeiert.

Delmares Karriere umfasst weit mehr als hundert Fernseh- und Spielfilmrollen. Von 1999 bis Anfang 2006 war er als Friedrich Steinbach in der erfolgreichen Krankenhausserie "In aller Freundschaft" zu sehen.

Als seine wichtigsten Filme bezeichnete er "Nackt unter Wölfen", in dem er einen Buchenwald-Häftling spielte, und "Jeder stirbt für sich allein". Im Kultfilm "Die Legende von Paul und Paula" mimte er einen verhinderten Liebhaber. Nach der deutschen Wiedervereinigung sah man Fred Delmare auch in der "Lindenstraße", "Leinen los für MS Königstein" oder der Rentner-Komödie "Matulla und Busch".

Die Komödie war sein liebstes Genre. Seinen Figuren verleiht er in der schweren "leichten Form" Pfiffigkeit, bisweilen auch eine Portion Bauernschläue.

Harte Schicksalsschläge

Privat allerdings musste der nur 1,60 große Schauspieler viel verkraften. Vier Ehen gingen auseinander. 1980 nahm sich Fred Delmares in den Westen geflüchtete Tochter Felicitas das Leben. 1993 erstach sein jüngster Sohn Nici seine damalige Freundin. 2000 diagnostizierten Ärzte bei seiner fünften Frau Renate Brustkrebs, im Oktober 2001 starb sein 41-jähriger Sohn Tino an Leberkrebs.

Seine letzte Rolle in der Ärzteserie bot ihm auch Wärme. Delmare empfand das Drehteam als Familie und beschrieb das Arbeiten als wunderschön. Am 7. November 2005 fiel die Klappe für ihn, seine Kollegen bereiteten ihm einen rührenden Abschied mit roten Rosen und Hildegard Knefs "Für Dich soll's rote Rosen regnen".

Danach verschwand der gebürtige Thüringer zunehmend aus der Öffentlichkeit. Nachdem Alzheimer bei ihm diagnostiziert worden war, lebte der 1922 als Werner Vorndran geborene Mime zurückgezogen in einem Altenheim. Bereits seinen 85. Geburtstag erlebte er in aller Stille. Er starb am 1. Mai in einem Leipziger Krankenhaus an den Folgen einer Lungenentzündung.

ase/AP/dpa

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