Delikates Projekt Von Praunheim dreht Kannibalen-Film

"Dein Herz in meinem Hirn" lautet der Titel, das Thema ist heikel: Rosa von Praunheim plant einen Spielfilm über Menschenfresser. Die Idee sorgt schon vor Drehbeginn für Magengrimmen - zum Beispiel bei der hessischen CDU-Fraktion.


Regisseur Praunheim: Komödiantisches Spiel mit dem Grauen
DDP

Regisseur Praunheim: Komödiantisches Spiel mit dem Grauen

Berlin - Ein halbes Jahr nach der Verurteilung des Kannibalen von Rotenburg plant Praunheim einen Spielfilm über Kannibalismus. Das Werk mit dem Titel "Dein Herz in meinem Hirn" soll im Dezember in Berlin gedreht werden, sagte der 61-Jährige heute der Nachrichtenagentur AP. Für die Hauptrollen sind die Schauspieler Martin Molitor und Martin Ontrop vorgesehen. "Ich arbeite seit 20 Jahren an dem Thema", erklärte der Filmemacher. Er habe viel recherchiert und bereits mehrere Drehbücher zum Thema geschrieben.

Das Projekt wird von der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen mit 20.000 Euro unterstützt. Nach Angaben der Stiftung will sich von Praunheim dem Stoff in einer Mischung aus Groteske, Thriller und Dokumentation nähern. "Dabei stellt er sich ein komödiantisches Spiel mit dem Grauen vor."

Hintergrund des Filmes ist der Fall des Kannibalen Armin Meiwes. Das Landgericht Kassel hatte den 42-jährigen Computertechniker im Januar wegen Totschlags zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Meiwes war für schuldig befunden worden, den Ingenieur Bernd Jürgen B. mit dessen Einverständnis getötet und später Teile dessen Körpers verspeist zu haben.

Dem rechtspolitischen Sprecher der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Axel Wintermeyer, schmeckt von Praunheims Vorhaben gar nicht. "Allein schon der Titel des Projektes 'Dein Herz in meinem Hirn' ist an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten", erklärte Wintermeyer heute in Wiesbaden. "Hierdurch wird einem perversen Straftäter ein Denkmal gesetzt." Besonders empört zeigte sich der Politiker über die Förderung durch die Filmstiftung.

Von Praunheim, mit bürgerlichem Namen Holger Bernhard Mischwitzky, gilt seit den siebziger Jahren als streitbarer Filmkünstler, der keine Scheu vor heiklen Themen hat. Legendär ist sein erster Film "Die Bettwurst" (1971), in der zwei exzentrische Figuren ein Kleinbürger-Idyll aufmischen. Berühmt ist auch von Praunheims Engagement für die Schwulenbewegung, die er unter anderem in Amerika studierte und der er in "Armee der Liebenden" (1976) eine filmische Plattform verschaffte.



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