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"Der englische Patient": Oscar-Preisträger Minghella gestorben

Für das Melodram "Der englische Patient" gewann er die höchste Auszeichnung des US-Kinos: Der britische Regisseur und Oscar-Preisträger Anthony Minghella ist im Alter von 54 Jahren an den Folgen einer Krebs-Operation gestorben.

London - Minghellas Agentin Judy Daish bestätigte am Mittag einen Bericht des Senders BBC. Der britische Regisseur hatte 1997 mit dem Kriegsdrama "Der englische Patient" einen Welterfolg gefeiert und war dafür mit dem Regie-Oscar ausgezeichnet worden. Zu den bekannteren Filmen Minghellas gehören außerdem "Der talentierte Mr. Ripley" und die Bürgerkriegssaga "Unterwegs nach Cold Mountain".

Regisseur Minghella: Regie-Oscar für "Der englische Patient"
DPA

Regisseur Minghella: Regie-Oscar für "Der englische Patient"

Minghella, dessen Eltern eine berühmte Eiscreme-Marke gehört, arbeitete zunächst als Universitätsprofessor in North Yorkshire, bevor er begann, Theaterstücke zu verfassen, mit denen er in den achtziger Jahren diverse Preise gewann. Sein Debüt als Filmregisseur hatte er 1991 mit der Fantasy-Komödie "Truly Madly Deeply", fünf Jahre später wurde er mit der aufwendigen Literaturverfilmung "Der englische Patient" beauftragt, die er mit Ralph Fiennes, Juliette Binoche und Kristen Scott Thomas bildmächtig in Szene setzte. Das damals aufstrebende Independent-Studio Miramax konsolidierte mit dem vielfach für den Oscar nominierten Drama seine beispiellose Erfolgsgeschichte in den späten Neunzigern. "Der englische Patient" brachte nicht nur dem Branchen-Neuling Minghella einen Oscar, sondern gewann auch die Trophäe als bester Film. Insgesamt wurde die Michael-Ondaatje-Adaption mit neun Oscars dekoriert.

Danach suchte sich Minghella seine Projekte sorgfältig aus, Literaturverfilmungen blieben jedoch sein Markenzeichen. 1999 verfilmte er den Patricia-Highsmith-Krimi "Der talentierte Mr. Ripley" mit Matt Damon, Gwyneth Paltrow und Jude Law als elegantes Zeit- und Sittengemälde. 2003 inszenierte er Charles Fraziers schwierig konstruiertes Bürgerkriegsdrama "Unterwegs nach Cold Mountain" erfolgreich als epische Kino-Erzählung; wiederum diente ihm Jude Law als Hauptdarsteller. Die weiblichen Hauptrollen spielten Nicole Kidman und Renée Zellweger.

Mit Jude Law arbeitete Minghella gerne und oft zusammen, sodass der junge britische Schauspieler auch in "Breaking and Entering", dem vorletzten, selbstgeschriebenen Film des Regisseurs die Hauptrolle spielen durfte. Die eher sparsam inszenierte Thriller-Romanze war kommerziell nicht so erfolgreich wie die Literatur-Adaptionen. Zuletzt hatte Minghella wieder eine Roman-Adaption fertig gestellt: "The No. 1 Ladies Detective" ist eine Verfilmung des gleichnamigen Buches von Alexander McCall Smith für den amerikanischen Pay-TV-Sender HBO und wird demnächst in den USA und England ausgestrahlt.

Minghella war in der vergangenen Woche wegen einer Krebserkrankung an Hals und Mandeln operiert worden und erlag einer postoperativen Blutung, sagte seine Agentin der Agentur Reuters. Zahlreiche Projekte des vielbeschäftigten Autors, Produzenten und Regisseurs blieben unvollendet.

bor

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