Kuriose Batman-Fotos Steht ein Superheld vorm Stripclub

Batman schläft jetzt im Motel. Oder er steht vor einer Tabledance-Bar. Der französische Fotograf Rémi Noël zeigt den Fledermaus-Mann als Superhelden, der sich im normalen Alltag verloren hat.

Rémi Noël

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Er brachte den irren Mädchenmörder Mad Hatter zur Strecke. Kämpfte gegen Killer Croc, einen schuppigen Monstermann, eine Mischung aus Mensch und Reptil. Rettete Gotham City vor einer Atombombe. Jetzt steht Batman auf einem verlassenen Parkplatz in der texanischen Grenzstadt El Paso, seinen Blick gerichtet auf das riesige Schild einer Tabledance-Bar. Niemandsland-Tristesse. Das einzige übermenschlich Große auf dem Foto des Fotografen Rémi Noël sind die Lettern der Werbung: "Non Stop Beautiful Ladies".

Der Franzose Noël, der lange Zeit als Werbetexter arbeitete und jetzt als Fotograf in Paris lebt, fährt einmal im Jahr für zehn Tage in die USA. Und platziert während dieser Reisen kleine Batman-Plastikfiguren auf amerikanischen Parkplätzen, in Waschsalons, in Motelzimmern. Je nach Perspektivwahl entstehen so Fotos mal großer, mal kleiner Batmänner. Und in der Gesamtheit der Serie ein kurioses, aber auch ein auf unheimliche Art geschichtsloses Porträt des Superhelden - lesbar als final nihilistische Weiterentwicklung der dunklen Charakterzeichnung, die das Batman-Universum seit Mitte der achtziger Jahre dominiert.

Der Mann mit der Fledermausmaske galt ja noch nie als Frohnatur unter den Superhelden. Schon immer trieb ihn auch das Rachegefühl des traumatisierten Kindes an, das die Ermordung seiner Eltern miterleben musste. Aber Ende der Fünfziger buk der Fledermausmann zumindest mal einen Geburtstagskuchen für seinen Kumpel Superman. Erst ab Mitte der Achtziger setzte Frank Miller mit der Graphic Novel "Batman - die Rückkehr des Dunklen Ritters" um einen stark gealterten Batman in einer düsteren Welt einen endgültig bitteren Ton.

Plastiktristesse und Bubblegum-Optik

Die Batman-Filme der Achtziger und Neunziger schwankten noch zwischen Science Fiction und Bubblegum-Optik, man denke nur an Tim Burtons irrlichtern retro-futuristische Verfilmung "Batman". Erst Christopher Nolan sog vor einigen Jahren mit seiner erfolgreichen "Dark Knight"-Filmtrilogie bewusst die Düsternis auf.

Den Mythos breitete Nolan nicht vor einer Phantasiewelt aus, sondern inszenierte ihn als knallhartes Polizeidrama - Realismus gewürzt mit einem Schuss Systemkritik und einem gebrochenen Superhelden. Kritiker feierten die Filmreihe, weil sich am gefallenen Helden schön süffig gesamtgesellschaftliche Verunsicherung durchexerzieren ließ - vom Kommentar zur Occupy-Bewegung bis zur Referenz an den Irak-Krieg konnte jede Menge in die drei Filme hineingelesen werden.

Die große Popularität der Nolan-Filme lässt leicht vergessen, dass diese düstere Lesart heute nur eine von vielen ist. Batman zeigt weiterhin viele Gesichter. In Nolans Filmen mag er ein Außenseiter am Rande einer verdorbenen Gesellschaft sein. In der aktuellen Trickserie "The Brave and the Bold" kämpft der Superheld dagegen ganz im Stile früherer Zeiten als aufrechter Kinderheld gegen den außerirdischen Seestern Starro.

Inmitten dieser unterschiedlichen Interpretationen zeigen Noëls Fotos vom Batman so nicht nur einen Verlorenen, sondern auch einen Superhelden auf der Suche nach seiner Identität; die Bilder spiegeln eine Vielzahl von Identitäten statt nur Bitternis.

Zu dieser Flexibilität kann durchaus die Plastiktristesse eines Motelzimmers gehören. Aber sie schließt eben auch den Helden nicht aus. Vor 15 Jahren machte Noël das erste Foto von Batman. Im Zimmer seiner Tochter Margo hängte er die Figur über das Bett, nachts wachte der Fledermausmann über ihre Träume. Batman statt Kruzifix. Der Titel: "Margo believes in Batman".



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Nania 24.01.2014
1.
Zitat von sysopRémi NoëlBatman schläft jetzt im Motel. Oder er steht vor einer Tabledance-Bar. Der französische Fotograf Rémi Noël zeigt den Fledermaus-Mann als Superhelden, der sich im normalen Alltag verloren hat. http://www.spiegel.de/kultur/kino/der-fotograf-remi-noel-zeigt-batman-als-superheld-ohne-identitaet-a-944958.html
Mitnichten wurde Batman erst durch Frank Miller wieder düsterer (er hat ursprünglich für die damaligen Verhältnisse (1939) auch düster angefangen), sondern bereits unter Danny O'Neil und Neal Adams in den 70er Jahren. An Miller reicht das noch nicht ran, ist aber deutlich, deutlich düsterer als die überkandidelten bunten Storys in den 50er (Außerirdische) und 60er (Fernsehserie) Jahren. Auch darf man nicht vergessen, dass der Comic-Code damals einen riesigen Einfluss auf den US-amerikanischen Comicmarkt hatte, weshalb "ernste" Geschichten im Batmanuniversum quasi nicht mehr existent waren.
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