Pressestimmen zur "Hobbit"-Premiere "Durch und durch ein Kriegsfilm"

Die Weltpremiere des "Hobbit"-Finales in London war ein Familientreffen der Stars, aber mancher Kritiker ging mit Kopfweh von der "Mittelerde-Hirnzertrümmerung" aus dem Kino. Eine Presseschau.

AP/ Warner Bros.

London - Tausende Fans, Wiedersehensfreude und ein bisschen Abschiedsschmerz: Mit einer großen Party haben "Hobbit"-Regisseur Peter Jackson und seine Hauptdarsteller in London die Weltpremiere von "Die Schlacht der Fünf Heere" gefeiert. Der Film kommt am 10. Dezember in die deutschen Kinos. Hier die ersten Pressestimmen.

Das Branchenblatt "Variety" bezeichnet die "Schlacht der Fünf Heere" als die "fesselndste", "schnellste und schlankeste", aber auch "düsterste" Episode der Trilogie. Im Zentrum stehe die fast eine Stunde andauernde, titelgebende Schlacht. Jacksons Inszenierung sei bombastisch - sogar "verglichen mit seinen eigenen, wagnerianischen Maßstäben". Der neue "Hobbit" sei ein sicherer Kandidat für zahlreiche Technik-Kategorien bei der nächsten Oscar-Verleihung.

Für die Konkurrenz vom "Hollywood Reporter" ist es kein Zufall, dass der deutlich kürzeste der drei "Hobbit"-Filme auch der unterhaltsamste sei: Mit "maximalem Einsatz moderner Technologien" erzeuge er ein Sammelsurium aus wild variierenden und manchmal auf beißende Art amüsanten Kampfszenen. Es sei "durch und durch ein Kriegsfilm", der Jungs im Teenageralter sehr zufrieden machen werde.

Skeptischer äußert sich die englische Tageszeitung "The Guardian", die drei von fünf möglichen Punkten vergibt. Ihr Kritiker verließ den Kinosaal "mit etwas schwirrendem Kopf" nach dieser "ausgiebigen Dosis von Jacksons patentierter Mittelerde-Hirnzertrümmerung". Der dritte "Hobbit"-Film konzentriere sich auf "das Klirren der Schwerter und die Schreie des Kampfes", ergebe aber einen passenden Abschluss von Jacksons nun sechs Filme umfassenden Tolkien-Reihe, die das cineastische Vermächtnis des Regisseurs sein werde.

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Weltpremiere: Hobbit, Heere, High-Society
Passenderweise scherzte Jackson am Rande der Premiere: "Von jetzt an geht's nur noch abwärts, das war es mit meiner Karriere." Er habe schon wochenlang Abschied genommen, aber die echten Gefühle würden ihn wohl in den kommenden Tagen treffen.

Der Kritiker des "Daily Telegraph" findet den Film "weder besonders schrecklich noch im entferntesten unerwartet". Es sei eine Aneinanderreihung "stampfender Fußnoten auf der Suche nach einem Höhepunkt". Da die beiden vorherigen Teile nur noch wenig Handlung übrig gelassen hätten, wirke der von Martin Freeman gespielte Hobbit Bilbo Beutlin zunehmend "wie ein verloren herumstehender Zuschauer in seiner eigenen Filmreihe." Im Nachhinein besehen, hätten zwei Teile sicher gereicht, so der Kritiker, der nur zwei von fünf möglichen Sternen vergibt.

Zufriedener klingt da schon der Boulevard. Der "Daily Mirror" ist sich sicher: "Wenn Sie nicht an Magie glauben sollten: Nach diesem Film werden Sie es tun!" Besonderes Lob erhält beim "Mirror" der Schluss, der die Geschichte "humorvoll und auf eine stille Art zufriedenstellend" zu Ende führe.

Bis dahin aber, darauf weist die "Daily Mail" hin, seien wirklich beängstigende Szenen zu sehen; bei einer warnt die konservative Boulevardzeitung ausdrücklich davor, die Kinder den Film sehen zu lassen, selbst wenn diese schon an die schrecklichen Orks gewöhnt seien. Doch ein jugendliches und erwachsenes Publikum werde sich an Jacksons filmemacherischer Kunst erfreuen. Die Abteilung für Visuelle Effekte habe hier mehr gezaubert als Gandalf der Graue.

Bilbo-Darsteller Freeman wandte sich bei der Premiere an die Zuschauer: "Ihr seid die besten Fans der Welt. Ihr seid loyal und verrückt - vielen Dank."

Einige der Tolkien-Anhänger hatten seit Donnerstag auf dem Londoner Leicester Square vor dem Premierenkino ausgeharrt, viele standen verkleidet an den Absperrungen. Die Bücher und Filme seien weltweit so erfolgreich, weil sie eine wichtige Botschaft hätten, sagte McKellen. "Es geht darum, was man braucht, um eine gute Person zu sein." Die Premierenfeier wurde per Livestream im Internet in etwa 160 Länder übertragen.

So feierten die Fans die Weltpremiere in London:

Getty Images

feb/dpa

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insgesamt 82 Beiträge
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Seite 1
Amadís 02.12.2014
1.
Ich fand den zweiten Teil schon überaus anstrengend, eine wirre Aneinanderreihung von Szenen an verschiedenen Sets, erzählt ohne jegliche Spannungsbögen, nur der nächsten überzogenen Actionsszene entgegenfiebernd. Von den Logikfehlern und der lückenhaften Handlung (Plotholes) mal ganz abgesehen. Nein, dieser Film wird mir den Eintritt nicht wert sein.
Thomas Mank 02.12.2014
2. Bombast
Schon der Trailer zum Film, den ich neulich im Berliner IMAX habe sehen müssen, hat mich förmlich aus dem Sessel gehauen und fast in die Flucht getrieben.
lock_vogell 02.12.2014
3. manchmal...
... frag ich mich ob einige kritiker auch das buch gelesen haben... natürlich ist es ein kriegsfilm, natürlich verkommt bilbo beutlin im dritten teil zur nebenfigur, aber genau das passiert eben im letzten drittel von "der kleine hobbit". es knallen ca. 50-80 seiten 5 armeen aufeinander, ein drache wird getötet, die zwerge werfen den elben vor den arkenstein gestohlen zu haben und bilbo kriegt einen auf den hinterkopf und verschläft so die ganze schlacht ab dem zeitpunkt wo beorn die orks anfängt aufzumischen. der dritte teil dürfte also der teil sein, der dem buch am nächsten kommt...
baerry 02.12.2014
4. livestream
Hätten sie doch den Film und nicht die Feier als livestream gezeigt ;)
spon-facebook-1459922526 02.12.2014
5.
Auch hier warte ich wieder geduldig auf die Extended. Leider im Vergleich zu "Herr der Ringe" insgesammt doch recht enttäuschend gewesen :(
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