"Der letzte Tango in Paris" "Sie wusste nur nichts von der Butter"

Bernardo Bertolucci, der Regisseur von "Der letzte Tango in Paris", wehrt sich gegen die Vorwürfe, er und Marlon Brando hätten in dem Film der jungen Maria Schneider eine Missbrauchsszene aufgezwungen.

Bernardo Bertolucci (l.), Marlon Brando und Maria Schneider
AP

Bernardo Bertolucci (l.), Marlon Brando und Maria Schneider


Der italienische Regisseur Bernardo Bertolucci hat auf die öffentliche Aufregung über seinen Film "Der letzte Tango in Paris" reagiert. Es geht dabei um eine Sexszene, in der dargestellt wird, wie Hauptdarsteller Marlon Brando seine damals 19-jährige Filmpartnerin Maria Schneider anal vergewaltigt und dabei Butter als Gleitmittel verwendet. In einem alten Interview gab Bertolucci zu, die Sequenz mit der Butter gemeinsam mit Brando geplant und Schneider nicht darüber informiert zu haben. "Ich wollte ihre Reaktion als Mädchen, nicht als Schauspielerin", erklärte er sich.

Die spanische Non-Profit-Organisation El Mundo de Alycia hatte die Debatte um das Interview von 2013 neu entfacht, als sie das Video Ende November auf YouTube teilte. US-Schauspielerin Jessica Chastain zum Beispiel twitterte: "An alle Leute, die diesen Film lieben. Ihr seht euch an, wie eine 19-Jährige von einem 48 Jahre alten Mann vergewaltigt wird. Der Regisseur hat diese Attacke geplant. Mir ist schlecht."

Nun hat Bertolucci ein Statement veröffentlicht, demzufolge es sich bei den wütenden Reaktionen um ein "lächerliches Missverständnis" handle. Vor Jahren sei er an der Cinémathèque Française nach der berühmten Butterszene gefragt worden. "Ich erklärte, aber wohl nicht klar genug, dass Marlon Brando und ich uns dazu entschieden hatten, Maria nicht darüber zu informieren, dass wir Butter verwenden würden. Wir wollten ihre spontane Reaktion auf die unpassende Verwendung (der Butter)."

"Das einzig Neue war die Butter"

Weiter heißt es in dem Statement: "Hier liegt das Missverständnis. Jemand glaubt, Maria wäre nicht über die Gewalt informiert gewesen, die ihr in der Szene angetan wurde. Das ist falsch!". Bertolucci führt fort: "Maria wusste alles, sie hatte ja das Drehbuch gelesen, in dem alles beschrieben wurde. Das einzig Neue war die Butter."

Zu den heftigen Reaktionen auf seinen Film schrieb Bertolucci: "Diejenigen, die nicht wissen, das Sex im Kino (fast) immer simuliert ist, glauben wohl auch jedes Mal, dass einer stirbt, wenn John Wayne auf einen Bösewicht schießt."

Maria Schneider, die 2011 starb, sprach 2007 in einem Interview mit der britischen "Daily Mail" über die Szene. Darin beschreibt sie, dass sie sich "ein wenig vergewaltigt" gefühlt habe und dass sie besser ihren Anwalt oder Manager angerufen hätte, bevor sie die Szene drehte. Auf die Frage, ob es während den Dreharbeiten zu echtem Sex gekommen sei, sagte Schneider: "Nein, auf keinen Fall."

Im Gespräch mit der italienischen Presseagentur ANSA sagte Bertolucci über seine Beziehung zu Maria Schneider: "Die starke und kreative Beziehung, die wir während der Dreharbeiten zu 'Der letzte Tango in Paris' hatten, wurde mit der Zeit vergiftet. Maria warf mir vor, ihr ihre Jugend gestohlen zu haben. Und erst heute frage ich mich, ob daran nicht etwas Wahres war."

gia

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